Wo sehen Sie die Haupteinsatzgebiete der Drehzahlüberwachung?

Michael Kocher: Generell adressieren wir Anwendungen im preissensitiven Bereich. Typische Applikationen sind für mich zum Beispiel Lüfter, bei denen man sicherstellen muss, dass sie laufen und sicher Dämpfe absaugen. Dann natürlich auch in der Holz- und Metallbearbeitung, wo das Sägeblatt nachläuft.

Und die sensorlose Drehzahlüberwachung ist verfügbar?

Dirar Najib: Momentan sind wir in der Musterphase und testen unser Produkt bereits bei verschiedenen Kunden. Das ist für uns sehr wichtig, damit wir Erfahrungen mit verschiedenen Antrieben sammeln. Darauf liegt derzeit unser Fokus. Die Serienfreigabe ist für Ende 2017 geplant.
Als Geschäftsführer dieser Firma ist es mir wichtig, keine Reklamationen zu bekommen. Deshalb die etwas längere Einführungsphase. Zumal wir mit der Technologie noch viel vorhaben.

Erzählen Sie mal.

Dirar Najib: Das nächste Produkt wird sowohl den Stillstand nach dem EMK-Prinzip überwachen, als auch mehrere Drehzahlen in verschiedenen Betriebsarten. Den Stillstand müssen wir über die EMK des Motors erfassen, da im regelfreien Umrichterbetrieb nicht mehr über die Frequenz beziehungsweise Periodendauer gegangen werden kann.

Sie bilden also nach und nach die Funktionen der bisherigen Drehzahlüberwachung auf dem sensorlosen Drehzahlwächter ab?

"Wenn Sie speziell einen Drehgeber nur für die Drehzahlüberwachung zusätzlich investieren und montieren müssen, tut das dem Maschinenbauer richtig weh. Hier punkten wir mit unseren Geräten."

„Wenn Sie speziell einen Drehgeber nur für die Drehzahlüberwachung zusätzlich investieren und montieren müssen, tut das dem Maschinenbauer richtig weh. Hier punkten wir mit unseren Geräten.“ Redaktion

Michael Kocher: Die ein oder andere Funktion wird sicher noch dazu kommen. Für mich als Vertriebsleiter kommt ein anderer Aspekt hinzu. Mit der kompletten Überwachung aller Gebersysteme haben wir eine Ergänzung zu unserem bisherigen Produktprogramm. Jetzt haben wir zusätzlich die Möglichkeit, auch Antriebe ohne Feedbacksystem zu überwachen. Das ist ein enormer Zuwachs an Marktpotenzial.

Drehgeber oder Encoder sind ja auch nicht ganz billig.

Michael Kocher: Wenn Sie speziell einen Drehgeber nur für die Drehzahlüberwachung zusätzlich investieren und montieren müssen, tut das dem Maschinenbauer richtig weh. Hier punkten wir mit unseren Geräten.
Im Moment haben wir zwar noch die Trennung zwischen Stillstandswächter und Drehzahlüberwachung, in bestimmten Situationen ist es aber notwendig den Antrieb bei geöffneter Tür zu betreiben. Dann geht es darum, eine reduzierte Geschwindigkeit zu überwachen. Deswegen freue ich mich auf die Kombi-Lösung.
Und wenn der Drehzahlwächter demnächst abhängig von der angewählten Betriebsart mehrere Drehzahlgrenzen überwachen kann, dann haben wir bereits zum Großteil das umgesetzt, was bisher die Überwachung mit einem Geber kann.

Derzeit können nicht mehrere Drehzahlen überwacht werden?

Markus Henzler: Derzeit können die Kunden beim sensorlosen Drehzahlwächter eine Maximalgrenze oder ein Drehzahlfenster definieren, das in 15 Stufen durch den Anwender parametrierbar ist. Zukünftig wird diese Limitierung durch eine flexible und softwaregestütze Dateneingabe aufgelöst.

Drehfeldüberwachung: "Wenn es ein Drehfeld gibt, können wir es auch sicher überwachen." Lothar Bauknecht

„Wenn es ein Drehfeld gibt, können wir es auch sicher überwachen.“ Lothar Bauknecht Redaktion IEE

Lothar Bauknecht: Unsere Vision ist, jede gewünschte Drehzahl beziehungsweise Frequenz parametrieren zu können. Auch darüber denken wir nach und arbeiten an einer ebenso sicheren wie einfachen Eingabemöglichkeit.

Wie schätzen Sie Ihren Zeitvorsprung ein? So eine Entwicklung lässt doch ihre Marktbegleiter nicht ewig ruhen.

Dirar Najib: Wir waren mit den Drehzahlüberwachungen, vor allem mit den modularen, jahrelang Alleinunterhalter, der Einzige auf dem Markt. Inzwischen mischen einige mit. Aber das muss kein Nachteil sein. Als Siemens Ende der 90er Jahre seine Safety-Integrated-Reihe rausgebracht hat, war ich sehr besorgt. Wenn alle Safety-Integrated einsetzen, dann habe ich nichts zu lachen. Und was war das Ergebnis? Siemens hat das Thema vorangebracht und uns letztlich genutzt.

Michael Kocher: Wir denken ja auch schon weiter. Es bleibt nicht bei dem einen Produkt. In absehbarer Zeit haben wir eine ganze Produktfamilie verfügbar. Auch wenn das System einfach einzusetzen ist, ganz so problemlos nachzubauen ist es mit Sicherheit nicht.

Bietet das Raum für Kooperationen, wo man sich nicht unbedingt gegenseitig weh tut?

Dirar Najib: Die gibt es auch bereits mit dem Stillstandswächter. Warum also nicht auch beim sensorlosen Drehzahlwächter.

Das Gespräch führte IEE-Chefredakteur Stefan Kuppinger.

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