Siegfried Russwurm, CEO des Sektors Industry und Mitglied des Vorstands von Siemens: "Noch nie hat sich die Fertigungswelt und Produktionstechnik so schnell und grundlegend verändert wie heute."

Siegfried Russwurm, CEO des Sektors Industry und Mitglied des Vorstands von Siemens: „Noch nie hat sich die Fertigungswelt und Produktionstechnik so schnell und grundlegend verändert wie heute.“ Redaktion IEE

Der Technologie-Konzern rechnet mit weiter voranschreitender Digitalisierung und Vernetzung sämtlicher Einheiten industrieller Produktion, was sich wiederum positiv auf die Produktivität auswirkt. Für Siemens bedeutet das ein neues Zeitalter der Produktion. Siegfried Russwurm, CEO des Sektors Industry und Mitglied des Vorstands bei Siemens, betont: „Noch nie hat sich die Fertigungswelt und Produktionstechnik
so schnell und grundlegend verändert wie heute.“ Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Industrie-Software, da sie das Zusammenwachsen von Engineering und Produktion ermöglicht und damit die Entwicklungs- und Produktionsprozesse wesentlich verbessert. Immerhin soll der Markt für industrielle IT und Software in den kommenden Jahren um durchschnittlich 8 % pro Jahr wachsen – doppelt so schnell wie der Industriesektor insgesamt. Darum rückt der Ausbau dieses Bereichs in den Fokus des Unternehmens. Folgerichtig investierte der Konzern seit 2007 4 Milliarden Euro in Firmen- und Technoliogiezukäufe in diesem Bereich.

Fällt das Stichwort Industrie 4.0 differenziert Russwurm jedoch. Er redet von industrieller Evolution, statt Revolution: „Die zunehmende IT-Durchdringung und wachsende Integration aller Technologien in der Industrie vollzieht sich aus heutiger Sicht in evolutionären Schritten.“ Allerdings, fügt er hinzu, könne sich die vollständig IT-basierte Interaktion zwischen Mensch, Maschine und Produkt rückblickend doch als Revolution erweisen. Ein Schritt in diese Richtung ist das TIA-Portall (Totally Integrated Automation). Mit dieser Engineering-Plattform lassen sich Planungs-, Engineering- und Produktionsprozesse mit den entsprechenden elektrischen und mechanischen Systeme verknüpfen.

Strukturveränderung und Wachstum der globalen Mittelschicht im Zeitraum 2000 bis 2030

Strukturveränderung und Wachstum der globalen Mittelschicht im Zeitraum 2000 bis 2030OECD Development Centre 2010

Ebenfalls mit der industriellen Produktion der Zukunft beschäftigte sich Thomas Doebler, Leiter Manufacturing Industrie des Beratungsunternehmens Deloitte, unter der Überschrift ‚Manufacturing Renaissance – Perspektiven für eine wettbewerbsfähige Industrie‘. Grundlage für seine Daten waren Befragungen mit rund 550 Entscheidern aus der Industrie. Das wichtigste Ergebnis der Studie ist die Feststellung, dass sich die weltweiten Absatzmärkte verschieben; hervorgerufen durch Wirtschaftswachstum und veränderte Strukturen in den sich entwickelnden Gesellschaften weltweit. Beispielsweise geht die Studie davon aus, dass sich die geschätzte globale Nachfrage der Mittelschicht von 21 Billionen US-Dollar im Jahr 2000 auf 56 Billionen US-Dollar erhöhen wird. 80 % dieses Wachstums soll dabei aus Asien kommen. Das wirkt sich auf die globalen Wertschöpfungsketten aus: Heute produziert die Industrie unter anderem aus Kostengründen vermehrt in Asien und exportiert dann in ihre Hauptabsatzmärkte Europa und USA. Schenkt man den Ergebnissen der Studie Glauben, verringert sich die Entfernung von Produktions- und Absatzstandort in Zukunft: Die Absatzmärkte bilden sich um die Produktionsstandorte.