Der Roboterspezialist Werner Hampel (l.) diskutiert mit Christoph Ryll, Sachverständiger für Maschinen und Robotersicherheit über die aktuell geltenden Roboternormen, die aber bereits fast zehn Jahre alt sind. Screenshot Youtube / Werner Hampel - Der Roboterkanal

Der Roboterspezialist Werner Hampel (l.) diskutiert mit Christoph Ryll, Sachverständiger für Maschinen und Robotersicherheit über die aktuell geltenden Roboternormen – die aber bereits fast zehn Jahre alt sind. Screeshot Youtube / Werner Hampel – Der Roboterkanal

Auf seinem Youtube-Kanal „Der Roboterkanal“ interviewt Werner Hampel Christoph Ryll, Sachverständiger für Maschinen und Robotersicherheit. Sie diskutieren über die Probleme, die die alten Normen für Roboter mit sich bringen. Beispielsweise seien Cobots in den Normen noch gar nicht richtig abgedeckt. Allerdings argumentiert Ryll: „Ich muss die Maschinenrichtlinie einhalten! Ich kann die Norm benutzen – muss es aber nicht. Gerade bei innovativen Projekten sollte ich das auch nicht.“

Er gibt allerdings zu bedenken: „Wenn ich eine bessere, neuere Lösung habe, muss ich begründen, warum meine Lösung besser ist als die normative. Das ist die Regel, die ich einhalten muss. Das ist nicht so einfach, da muss man auch Mut haben für.“ Stichwort Beweislastumkehr. Dies würde die Innovationskraft von Unternehmen verkleinern. Als Beispiel nennt Ryll Start-ups: „Wenn Start-ups, die etwas verändern wollen, das Thema Richtlinien, Normen und Gesetze hören, bremsen die.“ Als innovatives Unternehmen nennt Hampel beispielsweise die Firma Wandelbots, die Roboter per Stift programmiert.

Zweierlei Maß bei der Sicherheit von Robotern

Produktivität und Sicherheit von MRK-Applikationen – Ein Statement

„Safety first“ lautet die Maxime bei der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). Dafür stehen intelligente Steuerungen, Sensoren und entsprechende Normen bereit. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich der Schutz des Menschen mit der wünschenswerten Geschwindigkeit von Roboter-Applikationen nicht immer in Einklang bringen lässt.

Was beide nicht verstehen können, ist, dass beim Thema Sicherheit mit „zweierlei Maß“ gemessen wird. Als Beispiel führen sie die weißen Linien an Bahnhöfen auf, die die Reisenden vor den ICEs mit 100 Stundenkilometern schützen würden. Auch auf Jahrmärkten bewegen sich große Maschinen, ohne dass ein Schutzzaun in der Nähe sei. Dagegen würde in der Industrie alles „doppelt, dreifach, vierfach sicher“ gemacht oder wie es Ryll nennt: „eine Tendenz zum Überregulieren“. Auch in Japan gebe es lediglich Markierungen auf dem Boden, um Sicherheitszonen anzuzeigen.

Für die Zukunft erhoffen sich beide, dass gerade kleine und mittlere Unternehmen mehr Unterstützung bei den Normen bekommen oder – noch besser – sogar einen neuen Verband, denn die alten seien „wendefähig wie ein Flugzeugträger.“

Die Diskussion im Video