In den Bildern 4, 5 und 6 sind die ALSE-Prüfanordnungen (Absorber Lined Shielded Enclosure ) gemäß CISPR 25 für die Messung der abgestrahlten Störgrößen von Bauteilen und Modulen für die in Tabelle 1 angegebenen Frequenzbereiche dargestellt.

Der Prüfling und der Kabelbaum werden auf einer Fläche aus nichtleitendem Material mit einer geringen Dielektrizitätskonstante (εr ≤ 1,4) 50 mm oberhalb der Massefläche abgelegt. Die Länge der Zuleitung parallel zur Vorderseite der Groundplane beträgt 1,5 m, wobei die Gesamtlänge der Prüfzuleitung zwischen Prüfling und Lastsimulator nicht größer als 2 m sein darf. Der lange Teil der Zuleitung verläuft parallel zum Rand der zur Antenne zeigenden Groundplane in rund 100 mm Entfernung zum Rand. Die Groundplane muss eine Mindestbreite und -länge von 1 beziehungsweise 2 m aufweisen oder unterhalb der gesamten Anordnung verlaufen – zuzüglich 200 mm (das größere Maß gilt).

Während die Hornantenne am Prüfling ausgerichtet ist, werden alle übrigen Antennen in der Mitte der Zuleitung platziert. Sämtliche Messungen erfolgen mit einer Antennenentfernung von 1 m. Messungen im Frequenzbereich von 150 kHz bis 30 MHz werden ausschließlich mit vertikaler Antennen-Polarisation vorgenommen, während Scans oberhalb von 30 MHz mit horizontaler und vertikaler Polarisation durchgeführt werden.

Normen für abgestrahlte Störgrößen von Multimedia-Equipment

Viele Jahre lang wurde für IT-Equipment mit Versorgungsspannungen bis 600 V die bekannte europäische Norm EN 55022 verwendet, die im Prinzip von der Norm CISPR 22 abgeleitet wurde. Die CE-Konformitätserklärung für externe Netzteile bezieht sich dabei auf die EN 55022, um die Einhaltung der wesentlichen Anforderungen der EMV-Direktive 2014/30/EU der EU nachzuweisen.

Allerdings wurde die Norm CISPR 22/EN 55022 unlängst in der Norm CISPR 32/EN 55032 zusammengefasst, einer neuen, produktfamilienbezogenen Norm für Multimedia-Equipment (MME), die als harmonisierte Norm in Übereinstimmung mit der EMV-Direktive wirksam ist. Equipment, das vorrangig für den Einsatz im privaten Bereich vorgesehen ist, muss die Grenzwerte von Klasse B einhalten, alles andere Equipment dagegen Klasse A. Zwischenzeitlich haben Produkte für den nordamerikanischen Markt die Grenzwerte von Section 15.109 der Federal Communications Commission (FCC) Part 15 Subpart B für unbeabsichtigte Strahler (unintentional radiators) erfüllt.

CISPR 22/32 und FCC Part 15

Tabelle 2 enthält die gemäß Klasse A und Klasse B spezifizierten Grenzwerte für abgestrahlte Störgrößen unbeabsichtigter Strahler. Absatz 15.109(g) der Spezifikation erlaubt ferner die Anwendung der Grenzwerte gemäß CISPR 22 für abgestrahlte Störgrößen (siehe Tabelle 3). Die Grenzwerte in beiden Tabellen legen eine QPK-Detektorfunktion und eine RBW von 120 kHz für Frequenzen unterhalb von 1 GHz zugrunde. Die Tabellen 4 und 5 enthalten Grenzwerte für Frequenzen über 1 GHz mit PK- und AVG-Detektoren sowie einer Empfänger-RBW von 1 MHz.

Bei gegebener Messentfernung sind die Grenzwerte der Klasse B für private Anwendungen in der Regel um 6 bis 10 dB restriktiver als die Grenzwerte der Klasse A für den kommerziellen Bereich. In Tabelle 2 und 3 kommt außerdem ein zur linearen Distanz inverser (1/d) Proportionalitätsfaktor von 20 dB/Dekade zur Anwendung (gemäß 15.31(f)(1)), um zur Feststellung der Konformität die Grenzwerte für Messantennen-Entfernungen von 3 und 10 m zu normalisieren. Wenn beispielsweise die Antenne aufgrund räumlicher Beschränkungen in 3 statt in 10 m Entfernung angeordnet wird, werden die Grenzamplituden um etwa 10,5 dB angepasst. In Bild 7 sind die relevanten Grenzwert-Kurven für Klasse A und B bei einer Antennendistanz von 3 m dargestellt.

Wie in Bild 8 gezeigt, wird bei einer Prüfung auf abgestrahlte elektromagnetische Störgrößen der Prüfling samt dem zugehörigen Equipment auf einem nicht leitenden, drehbaren Tisch etwa 0,8 m oberhalb einer Bezugs-Groundplane platziert. Dies geschieht gemäß CISPR 16-1 in einer Absorberhalle mit reflektierendem Boden oder auf einem Freifeldmessplatz. Der Prüfling wird in 3 m Entfernung zu der an einem Antennenträger montierten Antenne platziert.

Ein Vorab-Scan mit PK-Detektor und einer kalibrierten Bilog-Breitbandantenne erfasst Emissionen von 30 MHz bis 1 GHz mit horizontaler und vertikaler Antennenpolarisation. Ein solcher informatorischer Test bestimmt die Frequenzen aller signifikanten Emissionen. Anschließend folgt mit einem QPK-Detektor eine Überprüfung aller relevanten Problempunkte zur Aufzeichnung der finalen, formellen Konformitätsmessungen. Die RBW des EMI-Empfängers ist während dieses Tests auf 120 kHz eingestellt.

Die Antenne wird (durch Drehung um 90° relativ zur Groundplane) für horizontale und vertikale Polarisation konfiguriert und auf eine Höhe zwischen 1 und 4 m über der Massefläche eingerichtet, um in Anbetracht der Reflexionen an der Groundplane bei jeder Prüffrequenz eine maximale Feldstärke zu erzielen. Es ist notwendig, den Azimutwinkel zwischen Antenne und Prüfling während der Messungen zu verstellen, indem der Prüfling auf einem von 0 bis 360° drehbaren Drehtisch so positioniert wird, dass die maximale Feldstärke abgelesen werden kann.

Für Scans oberhalb von 1 GHz kann mit einem PK-Detektor und einer Hornantenne ein Vorab-Scan vorgenommen werden, woraufhin mit einem AVG-Detektor bei Frequenzen nahe dem Grenzwert gemessen wird. Die RBW des EMI-Empfängers wird auf 1 MHz eingestellt. Ein Höhen-Scan ist nicht erforderlich, da die Antenne eine größere Richtwirkung hat und Reflexionen von der Groundplane und den Wänden der Messkammer weniger problematisch sind. Allerdings sind auch die Emissionen des Prüflings bei diesen Frequenzen stärker gerichtet, und die Antennenpolarisation wird so gewählt, dass sich die höchsten Messwerte ergeben. Der höchste interessierende Frequenzbereich hängt gemäß Tabelle 6 davon ab, wie hoch die höchste interne Frequenz des Prüflings ist.

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