CISPR 11 ist die internationale Produktnorm für die elektromagnetischen Störemissionen von industriellem, wissenschaftlichem und medizinischem HF-Equipment (Industrial, Scientific and Medical, ISM). CISPR 11 gilt für eine enorme Vielzahl an Anwendungen, darunter Ausrüstungen für kabelloses Laden, Wi-Fi-Systeme, Mikrowellen-Herde und Lichtbogenschweißgeräte. In Gruppe 1 wird all jenes ISM-Equipment eingeordnet, in dem absichtlich erzeugte oder leitungsgebunden gekoppelte HF-Energie für die interne Funktion des Equipments selbst erforderlich ist. Gruppe 2 umfasst ISM-Equipment, in dem HF-Energie absichtlich erzeugt und/oder für Materialprüfungen, Analysen oder Therapien genutzt wird.

Jede Gruppe ist zusätzlich in zwei Klassen unterteilt. Equipment der Klasse A ist für den Einsatz in allen Einrichtungen mit Ausnahme des privaten Bereichs vorgesehen und kann an einem Messplatz oder vor Ort gemessen werden. Klasse B umfasst den privaten Bereich und kann nur an einem Messplatz gemessen werden. In Bild 9 sind die Grenzwerte für abgestrahlte Störgrößen gemäß CISPR 11 für Equipment der Gruppe 1 dargestellt. Eine genauere Beschreibung der verschiedenen Prüfanordnungen enthält das Spezifikationsdokument CISPR 11.

Für bestimmtes industrielles Equipment können bestimmte System-Normen gelten, die die EMV-Prüfungen mit Bezugnahme auf CISPR 11 vorgeben. Zum Beispiel enthält die Norm IEC 62040-2 die EMV-Anforderungen für unterbrechungsfreie Stromversorgungen mit Ausgangsspannungen von höchstens 1500 VDC beziehungsweise 1000 VAC. Als weitere System-Norm gibt es die IEC 61800-3, die die Emissionsanforderungen und besondere Prüfmethoden für drehzahlvariable Antriebe definiert.

Eine „generische“ Emissionsnorm kommt immer dann zum Tragen, wenn keine Norm für das jeweilige Produkt oder die Produktfamilie existiert. Zum Beispiel gilt die Norm IEC 61000-6-3 für Produkte, die für private, kommerzielle und leichte industrielle Anwendungen gedacht sind, während sich die Norm IEC 61000-6-4 an Schwerindustrie-Anwendungen wendet.

Zahlreiche Regulierungsinstanzen legen fest, welches Maß an abgestrahlten Störgrößen für ein bestimmtes Endprodukt zulässig ist. Tabelle 7 gibt einen groben Überblick über verschiedene Normen, die für die jeweiligen Produktsparten gelten.

Angesichts des Zwangs zur Einhaltung der Spezifikationen muss beim Design kommerzieller Produkte sorgfältig darauf geachtet werden, dass sich die im normalen Betrieb erzeugten Emissionen auf ein Minimum beschränken. Designingenieure sollten zudem die einschlägigen Normen genau kennen, um vorab entsprechende Prüfungen anzustellen, und über die kompletten Konformitätsmessungen Bescheid wissen, die eine zertifizierte Prüfstelle durchführt.

 

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