Martin Rostan, Chairman der ET

„Ethercat G erweitert den Anwendungsberich von Ethercat“, so Martin Rostan, Chairman der ET, auf der SPS 2019 Redaktion IEE

Ethercat G wurde unlängst von Beckhoff als Erweiterung zu Ethercat vorgestellt. Nun hat das Unternehmen die Technologieerweiterung in die Ethercat Technology Group (ETG) eingebracht, und das Technical Committee der ETG hat dies einstimmig akzeptiert. Die ETG ist jetzt dabei, die entsprechenden Spezifikationen um Ethercat G zu ergänzen. Ethercat G bietet dem Nutzer vor allem in Einsatzfällen Vorteile, wo besonders viele Prozessdaten pro Gerät transportiert werden müssen, etwa im Bereich Machine Vision, in der Messtechnik oder in komplexen Motion-Applikationen, die über die klassische Antriebsregelung hinausgehen, wie beim Moversystem Xplanar von Beckhoff. Dabei sei Ethercat G laut Rostan „keine neue Version, sonder eine Verbesserung von Ethercat“. Daher ist es als Erweiterung der Basis-Ethercat-Technologie kompatibel; existierende, auf 100 Mb/s ausgelegte Geräte können ebenso in ein Ethercat-G-System integriert werden wie sich umgekehrt auch Ethercat-G-Geräte in einem 100-Mb/s-Ethercat-System wie klassische Ethercat-Geräte verhalten.

An diesem Beispiel zeigte Rostan die Vorteile, die durch das 'branch controller concept' entstehen.

An diesem Beispiel zeigte Rostan die Vorteile, die durch das ‚branch controller concept‘ entstehen. Redaktion IEE

Zentrales Element von Ethercat G bilden die so genannten Ethercat Branch Controller, welche im Kern zwei wesentliche Funktionen erfüllen: Zum einen agieren sie als eine Art Knotenpunkt zur Integration von Segmenten aus 100-Mb/s-Geräten, zum anderen ermöglichen sie die parallele Verarbeitung der angeschlossenen Segmente. Damit wird die Durchlaufverzögerung im System erheblich reduziert, sodass die System-Performance um ein Vielfaches steigt.

„Ethercat profitiert von Verwirrung um TSN“

Beispielhafter Aufbau eines EtherCAT-G-Netzwerks

Beispielhafter Aufbau eines EtherCAT-G-Netzwerks Beckhoff Automation

Etwas emotional wurde Rostan beim Thema TSN, auf das die ETG bereits 2017 reagiert hat. Über TSN kursierten viele „Mythen und Gerüchte“, die Anwender verunsichern würden, etwa das TSN ein Feldbus sei. Jedoch tune TSN lediglich die Sicherungsschicht (Data Link Layer) aus dem OSI-Modell.  Allerdings sieht er in Ethercat gar den Nutznießer dieser Verwirrungen.

Für ihn ist TSN eine Auswahl an Gewürzen, für die die IEEE allerdings kein Rezept liefert. Die ETG werde daher TSN verwenden, „wenn es soweit ist und Sinn ergibt“. Damit bezieht er sich vor allem auf den Status von TSN, da hier viele Standards noch in Arbeit sind und deren Fertiggstellung zum Teil erst für 2023 geplant ist. Bei der Implementiertung, werde TSN Ethercat „jedoch nicht verändern“.

ETG wächst und wächst

Vor einem Jahr feierte die ETG das 5 000. Mitglied. In diesem Jahr waren es zur Messe bereits 5 625. Beim Blick auf die weltweite Verteilung der ETG-Mitgliedsfirmen fällt vor allem die hohe Verbreitung in Asien auf. Etwa 40 %, in Zahlen gut 2 250 Mitglieder, stammen aus China, Taiwan, Japan oder Korea. Diese Zahlen zeigen, dass die Ethercat-Technologie auf dem asiatischen Kontinent angekommen und angenommen ist.

Video: Martin Rostan erklärt EtherCAT in 20 Minuten