Interview mit: Hans-Peter Metzger

Kürzere Produktzyklen erfordern, dass Produkte immer schneller auf den Markt kommen müssen – besonders fürs Engineering eine Herausforderung. Für die HMI-Projektierung verspricht SiVArc deutliche Effizienzgewinne. Die Redaktion sprach darüber mit Marketing Manager Hans-Peter Metzger.

Viele Projekteure stehen vor der Herausforderung, im Engineering schneller und gleichzeitig flexibler arbeiten zu müssen. Wie können sie ihre Time-to-Market beschleunigen?

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„Die Automatisierung der Projektierung schafft Raum für weiteres Wachstum.“ Hans-Peter Metzger, Siemens Siemens

Hans-Peter Metzger: Viele unserer Kunden arbeiten schon sehr effizient – trotzdem müssen sie weiter Zeit bei der Entwicklung sparen, ohne jedoch an Qualität zu verlieren. Eine Option besteht darin, Teile des Engineerings zu automatisieren. Das entlastet Mitarbeiter von Routineaufgaben. Weiterer nicht zu unterschätzender Effekt ist, dass solche Automatismen – wenn sie einmal korrekt erstellt und geprüft wurden – auch keine Fehler machen.

Welche Möglichkeiten gibt es dazu?

Hans-Peter Metzger: Im Rahmen von TIA und dem TIA Portal heißt dies ‚Automatische Durchführung von Projektierungsaufgaben‘. Dazu zählt nicht nur die Erstellung des Steuerungsprogramms, sondern auch die automatische Generierung von Visualisierungen. Mit Letzterer verringert Actemium 30 % des Aufwands.

Warum ist der Effekt beim HMI so markant?

Hans-Peter Metzger: Gerade die Visualisierung profitiert davon, weil Anlagen- und Maschinenbauer hier oft mit speziellen Anforderungen konfrontiert sind. Einerseits möchten Anlagenbetreiber ein einheitliches und durchgängiges Look&Feel in ihren Anlagen, auch wenn mehrere Lieferanten Module bereitstellen. Andererseits möchte der Maschinen- oder Anlagenlieferant diese kundenspezifische Lösung mit möglichst wenig Aufwand erstellen. Mit einem Bibliothekskonzept lassen sich diese Anforderungen erfüllen – und auch hierfür gibt es bereits entsprechende Lösungen.

"Wir sind mit der Process Device Library und SiVArc nicht nur in der Lage, unsere Softwarequalität zu verbessern. Jede Applikation hat die gleiche Struktur und ist daher auch einfach und unabhängig vom jeweiligen Softwareersteller zu warten. Für unsere Kunden hat die Standardisierung im Engineering ebenfalls Vorteile: Sie haben immer die gleiche Softwarestruktur auch bei verschiedenen Lieferanten, und die einheitliche und moderne Gestaltung des HMI erleichtert die Bedienung im Produktionsalltag.“ Gerhard Gretsch, Divisionsleiter Baden-Württemberg (links) Actemium, und Andreas Mathiuet, Leiter Business Unit Actemium Basel.

„Wir sind mit der Process Device Library und SiVArc nicht nur in der Lage, unsere Softwarequalität zu verbessern. Jede Applikation hat die gleiche Struktur und ist daher auch einfach und unabhängig vom jeweiligen Softwareersteller zu warten. Für unsere Kunden hat die Standardisierung im Engineering ebenfalls Vorteile: Sie haben immer die gleiche Softwarestruktur auch bei verschiedenen Lieferanten, und die einheitliche und moderne Gestaltung des HMI erleichtert die Bedienung im Produktionsalltag.“ Gerhard Gretsch, Divisionsleiter Baden-Württemberg (links) Actemium, und Andreas Mathiuet, Leiter Business Unit Actemium Basel. Siemens

Wie sehen solche Ansätze aus?

Hans-Peter Metzger: Wir unterstützen unsere Kunden innerhalb des TIA Portals mit dem Simatic Visualization Architect. Damit lassen sich auf Basis des Step7-Anwenderprogramms HMI-Inhalte flexibel und vor allem automatisch erzeugen. Voraussetzung ist eine Bibliothek mit standardisierten PLC-Bausteinen und HMI-Visualisierungsobjekten. SiVArc scannt das Steuerungsprogramm und generiert basierend auf Regeln automatisch die entsprechenden Bilder, Bildobjekte, Variablen und -tabellen sowie Textlisten.

Änderungen am Steuerungsprogramm werden automatisch in der Visualisierung nachgezogen. Und über kundenspezifische Bibliotheken lassen sich sogar die Vorgaben des Anlagenbetreibers bei Symbolen, Bildinhalten oder der Farbgebung berücksichtigen.

Wie groß ist der Zeitaufwand für die Erstellung solch einer Bibliothek?

Hans-Peter Metzger: Engineering Prozesse zu automatisieren heißt immer auch zu standardisieren. Das erfordert zwangsläufig einen Anfangsinvest. Allerdings zahlt sich der meist schnell aus, insbesondere wenn Anlagen- oder Maschinenbauer modulare Lösungen realisieren, die wiederkehrende Visualisierungs-Bestandteile beinhalten. Und das trifft heute auf einen Großteil der Anlagenautomatisierung zu.

Was häufig vernachlässigt wird, sind die zahlreichen Verbesserungen, die sich aus einer Automatisierung von Projektierungsaufgaben ergeben: Ein standardisierter Prozess kann einfach optimiert werden. Die einzelnen Schritte laufen immer mit der gleichen Qualität ab. Gerade in Zeiten, in denen Unternehmen händeringend nach Fachkräften suchen, ist es umso wichtiger, die Mitarbeiter wo immer möglich zu entlasten. Mit der Automatisierung entfallen Mehrfacheingaben und manuelle Routinen. Und nicht zuletzt eröffnen sich auch neue Geschäftsmodelle: Für spezielle Anwendungen können Unternehmen eigene Bibliotheken entwickeln und vermarkten, mit der ein Anlagenbetreiber einfach eine einheitliche Lösung an seinen verschiedenen Standorten realisieren kann.

Meiner Meinung nach liegt in der automatischen Projektierung ein großes Potenzial, das nicht nur den Aufwand rechtfertigt, sondern darüber hinaus auch Raum für weiteres Wachstum schafft.

Die Fragen stellte Stefan Kuppinger, Chefredaktuer IEE

SPS IPC Drives 2017 Halle 11

Motek 2017, Halle 8, Stand 8102

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