Arbeitsgemeinschaft Palettenpool

Tauschsystem in Gefahr

Für die Euro-Palette möchte niemand die Kosten übernehmen, aber ohne sie geht es auch nicht. Mehr Aufschluss über die Kostensituation und Qualität des Tauschsystems vermittelt eine Studie des
Instituts für Transportwirtschaft. Die Ergebnisse wurden im vollen Saal in
der Wirtschaftskammer präsentiert.

Die Arbeitsgemeinschaft Palettenpool der Wirtschaftskammer Österreich ? betreut von der Bundessektion Industrie ? hat beim Transportwirtschaftlichen Institut der TU Wien eine Studie über die Qualität und Wirtschaftlichkeit von Palettensystemen in Österreich in Auftrag gegeben. Das Institut für Transportwirtschaft hat eine neutrale Erhebung unter Wahrung der Anonymität der Befragten zur Evaluierung der Palettenumlaufkosten in Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen durchgeführt.
Folgendes lässt sich daraus schließen: Während insgesamt die Anforderungen an die Logistik gestiegen sind, hat sich die Qualität der Tauschpaletten drastisch verschlechtert. Mangelnde Tauschmoral und die Verwendung nicht normgerechter Paletten gefährden ein seit 40 Jahren bestehendes Tauschsystem. Vor allem klagen die Unternehmen der Transportwirtschaft, dass sie wirtschaftliche Verluste, die durch das Palettentauschsystem entstehen, nicht länger akzeptieren können. Aber auch Industrie und Handel zeigen sich unzufrieden. Wie die Studie ergibt, hat sich gerade bei Großunternehmen in Industrie und Handel der Anspruch an qualitative Tauschpaletten stark erhöht. Der Grund dafür ist der gestiegene Automatisierungsgrad in der Lager- und Fördertechnik. Mängel wie Beschädigungen, Bruch, lose Holzklötze und Folienreste sind aus der Sicht von Großunternehmen enorm problematisch. Die Verwendung nicht normgerechter Paletten und eine schlechte Holzqualität verursachen Klein- und Mittelunternehmen Schäden. Weitere auftretende Mängel sind Nässe, hervorstehende Nägel und Verschmutzung.
Faktoren, die das System des Palettentausches in eine bedrohliche Situation bringen, sind die schlechte Tauschmoral (neue Paletten hin, mangelhafte Paletten zurück), damit hohe Kosten für den Paletten-Neukauf, hohe Verlustraten und der zunehmend auftretende Palettendiebstahl.
In der Studie scheinen durchschnittliche Palettenkosten pro Palettenumlauf auf, die von der Beschaffung über Reparatur, Handling, Transport, Raumkosten, Schäden durch defekte Paletten, kalkulatorische Kapitalkosten bis zur Miete und Entsorgung sämtliches inkludieren. Diese sind bei den Logistikdienstleistern mit ATS 18,9 am höchsten. Die Industrie verzeichnet ATS 18,22 und der Handel mit ATS 11,15 die niedrigsten Kosten.
Friedrich Macher, Chef von Kühne & Nagel Österreich und daneben Präsidiumsmitglied des Zentralverbands der Spediteure, vertritt die Meinung, dass der Transportwirtschaft im Palettentauschverfahren von den mächtigeren Marktteilnehmern, Industrie und Handel, Kosten auferlegt werden, die der Transportwirtschaft nicht zustehen würden. Zitat schriftlich: »Manche Teilnehmer am Palettensystem nutzen ihre Marktmacht oder günstigere Positionierungen in der Logistikkette dazu aus, insbesondere zu Lasten der Spediteure den eigenen Nutzen zu maximieren. Zunehmend sind auch unsaubere Methoden eingerissen, die letztendlich zu einem grauen Markt für Paletten führen, der die Belastung für die redlichen, aber auch schwächeren Teilnehmer am Tauschsystem weiter erhöht. Für die Speditionsbranche führen die benötigten Sicherheits- und Verwaltungsmaßnahmen zu Kostenbelastungen von mehreren hundert Millionen Schillingen, denen keine Erträge gegenüber stehen.« Kühne & Nagel und Schier Otten & Co sind zwei der Spediteure, die versucht haben, Teile diese Kosten ihren Kunden anzulasten. Diese Versuche sind jedoch bisher meist fehlgeschlagen.
Die Diskussion anlässlich der Vorstellung der Studie am 17. Jänner hat die aufgezeigten Probleme bestätigt, jedoch auch den grundsätzlichen Willen zur Beibehaltung des Tauschsystems. Die Vorteile bei korrektem Verhalten aller beteiligten Partner am Tauschsystem gegenüber anderen Systemen sind der geringere Verwaltungsaufwand und geringere Kosten. Allerdings hat die Studie auch gezeigt, dass eine genaue Kostenerfassung der Palettenlogistik in nur wenigen Unternehmen existiert. Die Ergebnisse der Studie sollen auch dazu anregen, sich mit diesen spezifischen Logistikkosten stärker auseinander zu setzen. So zeigen beispielsweise Erfahrungen der Baubranche (wo Paletten direkt zum Letztverbraucher gelangen), dass die Einhebung von Tausch- beziehungsweise Pfandgebühren manchmal zu mehr Effektivität und Zufriedenheit der Betroffenen führen kann.
Odo Werner, Obmann der Arbeitsgemeinschaft Palettenpool, meint, durch die Publizierung der Paletten-Problematik die Tauschmoral verbessern zu können. Gemeinsam soll nun massiv gegen die Ausbreitung des Palettenschwarzmarktes und den Einsatz gefälschter Paletten angekämpft werden. Dazu haben sich auch die ÖBB ausgesprochen, die als Markenrechtsinhaber im Rahmen des europäischen Pools für Tauschpaletten eine zentrale Aufgabe haben. Sie übertragen den anderen am Tauschverfahren teilnehmenden europäischen Bahnen die Verpflichtung, in ihrem Land bei widerrechtlicher Verwendung des Zeichens »EUR« für eine Rechtsverfolgung zu sorgen. Damit übernehmen diese Bahnen auch die Haftung für die Einhaltung der Paletten-Herstellungsnorm. Diese Regelung ist die Basis für den heutigen Palettenpool. Bei Exporten in den Osten müssen sich betroffene Unternehmen oft damit abfinden, dass die Palette zum Einwegsystem mutiert. Große Handelsunternehmen ? als Beispiel wurde Nestlé genannt ? schaffen es, die Kosten für die Paletten weiterzugeben. Jetzt wird das Problem des Imports gefälschter Euro-Paletten ebenso vom Finanzministerium und der Zolbehörde ernst genommen. In einer engen Zusammenarbeit mit den ÖBB will man durch verstärkte Grenzkontrollen und durch die Vernichtung von gefälschten, minderwertigen Tauschpaletten Abhilfe schaffen. Denn, die Imitate verursachen nicht nur finanzielle Schäden, sondern bergen ernsthafte Gefahren für die damit hantierenden Personen (Staplerfahrer, Lagerpersonal) in sich.

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