all-electronics hat eine Umfrage bei einer Reihe von Elektronik-Unternehmen zum Thema Umgang mit der Corona-Krise gestartet. Die Unternehmen berichten, welche Maßnahmen sie ergriffen haben, wie sie sich auf das Hochfahren der Geschäftstätigkeit vorbereiten und was sie von der Politik erwarten. In diesem Übersichtsbeitrag fassen wir die wichtigsten Aussagen zusammen.

Wie haben Sie sich bzw. ihr Unternehmen mit den Corona-Einschränkungen arrangiert? Welche Maßnahmen wurden getroffen, um mit der Situation zurecht zu kommen?

Josef Vissing:  „Schon vor der Corona-Pandemie haben wir zunehmend auf Industrie-4.0-Konzepte in unseren Fertigungen gesetzt“.

Josef Vissing: „Schon vor der Corona-Pandemie haben wir zunehmend auf Industrie-4.0-Konzepte in unseren Fertigungen gesetzt“. TDK

Josef Vissing: TDK bekämpft die Coronavirus-Pandemie auf allen Ebenen mit der Unterstützung seiner Mitarbeiter in allen Funktionen. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und bestenfalls zu vermeiden, haben wir weltweit ein umfassendes Maßnahmenpaket in allen Einrichtungen des Unternehmens umgesetzt. Auf dieser Basis und in Übereinstimmung mit den jeweiligen behördlichen Anordnungen halten wir unseren Fertigungsbetrieb bestmöglich und relativ umfassend aufrecht. Aufgrund durch uns nicht beeinflussbarer Regierungsbeschlüsse sind wir derzeit (Stand 21. April) nur in Indien gezwungen, den Betrieb vorübergehend ruhen zu lassen und in Malaysia den Fertigungsumfang zu reduzieren. Gleichzeitig sehen wir uns weiterhin mit Einschränkungen beim Transport konfrontiert. Unsere Kunden können davon ausgehen, dass TDK, wo immer technisch möglich, daran arbeitet, die Auswirkungen der Krise auf seine Kunden so gering wie möglich zu halten. Der Vertrieb ermöglicht gemeinsam mit unseren technischen Experten meist aus dem Home Office heraus eine sehr gute Erreichbarkeit für unsere Kunden – auch über zahlreiche Video- und Webkonferenzen.

Wie sieht die Exitstrategie aus, um zu einem ansatzweise „normalen“ Arbeitsalltag zurück zu kehren, und welchen Zeitraum planen Sie dafür ein?

Josef Vissing:  Von den oben erwähnten wenigen Ausnahmen einmal abgesehen laufen unsere Fertigungen weltweit weitestgehend auf Normalniveau. Gleichzeitig ist die Gemengelage in den einzelnen Regionen noch derart heterogen und instabil, dass es jetzt verfrüht wäre, über konkrete übergreifende Exit-Strategien zu spekulieren. Grundsätzlich können wir konstatieren, dass es unproblematisch sein dürfte, unsere wegen der Pandemie intern geltenden Sicherheits- und Vorsichtsauflagen zumindest schrittweise und gegebenenfalls regional beschränkt wieder aufzuheben – etwa unsere besonderen Hygienemaßnahmen, das Einhalten größerer Abstände zwischen Mitarbeitern bei der Arbeit, der Besuchsstopp in unseren Einrichtungen sowie die strikten Beschränkungen bei Dienstreisen. Allerdings immer vorausgesetzt, die Lage erlaubt es. Wir gehen davon aus, dass das noch einige Zeit brauchen und eher ein fließender Übergang sein wird, der nicht überall auf der Welt gleich und synchron ablaufen kann.

Werden die Corona-bedingten Einschränkungen ihren Arbeitsalltag und-organisation auch nach Ende der Epidemie nachhaltig verändern?

Josef Vissing:  Schon vor der Corona-Pandemie haben wir zunehmend auf Industrie-4.0-Konzepte in unseren Fertigungen gesetzt, was sich jetzt in Zeiten weitgehender Reisebeschränkungen als Vorteil erwiesen hat. So konnten wir etwa mit Augmented Support neue Maschinen in Betrieb nehmen – ohne dass ein sonst übliches Montage-Team des Herstellers angereist ist. Solche positiven Erfahrungen werden wir auch in der Zeit nach der Epidemie nutzen. Aber auch der umfassende Einsatz des Home Office hat gezeigt, dass dieses Arbeitsmodell für bestimmte Funktionen eine durchaus effiziente Alternative zum festen Büroarbeitsplatz sein kann.

Welche Unterstützung seitens der Politik würden Sie sich dabei wünschen, bzw. welche Maßnahmen sind nötig, um wieder einen normalen Arbeitsalltag zu gewährleisten?

Josef Vissing:  Passive Bauelemente sind essentiell für Geräte und Anwendungen, die von vielen Regierungen als systemrelevant eingestuft werden – etwa für die jetzt dringend benötigten Beatmungsgeräte. Deshalb haben wir für die European Passive Components Association (EPCIA) und den Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) einen Appell an alle Regierungen vorangetrieben, die Branche der passiven Bauelemente, ihre Forschungs- und Entwicklungsarbeit sowie die Fertigungen und zugehörigen Lieferketten als „wesentliche Infrastruktur“ und „wesentliches Geschäft“ einzustufen. Passive Bauelemente sind systemrelevant – nicht nur für die Medizintechnik, sondern auch, um den Betrieb von lebenswichtigen Systemen wie Anlagen zur Wasseraufbereitung oder Stromversorgungen sicherzustellen.