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Mehr als die Hälfte der Entwickler wünschen sich einen Partner, der ihre Ideen in sichere, innovative und einfache Maschinen umsetzt.

Herr Cord, welchen Bereich verantworten Sie bei Lenze?

Ich leite bei Lenze die Business-Unit Automation, bin also für den Bereich der Servoantriebs- und Steuerungstechnik verantwortlich und somit auch für das Systemgeschäft.

Die Lenze SE hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2010/2011 um 36 % im Vergleich zum Vorjahr gesteigert und erzielte damit das stärkste Wachstum der Unternehmensgeschichte. Auf was ist dieses Wachstum zurückzuführen?

Sowohl mit neuen als auch mit unseren langjährigen Kunden waren wir im vergangenen Geschäftsjahr erfolgreich. So haben wir bei den meisten Bestandskunden unsere Umsatzrekorde aus dem Jahr 2007 wieder erreicht und sind auch stark im Bereich unserer Fokusindustrien gewachsen, also in der Automobilindustrie, der Intralogistik und der Konsumgüterindustrie. Der Bereich der Servoantriebstechnik ist uns enorm wichtig, auch hier haben wir ein hervorragendes Wachstum verzeichnen können – auch weil wir bereits als technologisch führendes Unternehmen positioniert sind. Darauf sind wir stolz.

Wurden für dieses Wachstum auch neue Märkte erschlossen?

Lenze ist im Maschinenbau breit aufgestellt. Diese Breite wollen wir auch beibehalten, denn durch die vielfältigen Anforderungen, die aus den unterschiedlichen Marktsegmenten an uns gestellt werden, können wir viel lernen. Auf die Branchen von denen wir glauben, dass unsere Produkte besonders gut passen, um ein überdurchschnittliches Wachstum erzielen zu können, wollen wir uns stärker fokussieren.

Wie sieht es mit den ausländischen Märkten aus?

Ganz klar ist die Internationalisierung sowohl für uns als auch für unsere Kunden ein ganz heißes Thema. Wir wachsen zur Zeit in Asien und in Amerika sehr schnell. Das überdurchschnittliche Wachstum in den asiatischen Märkten führt zu einem Ausbau der Belegschaft an den entsprechenden Standorten. Wir werden uns in Asien personell und strukturell weiter verstärken müssen. Denn für unsere Kunden, auch aus Deutschland, ist es wichtig, einen Partner zu haben, der global aufgestellt ist und vor Ort schnell agieren kann. Trotzdem ist Deutschland unser wichtigster Markt, denn hier werden die innovativsten Maschinenkonzepte entwickelt.

Wie sieht es auf dem amerikanischen Markt aus, der ja gerade stagniert oder sogar eher rückläufig ist?

Klar, sie haben Recht, der amerikanische Maschinenbau stagniert seit einigen Jahren. Aber Amerika ist für viele Kunden aus Europa ein wichtiger Zielmarkt. Beispielsweise sitzen dort viele Endkunden im Bereich der Konsumgüterindustrie. Wir wollen für die großen Endanwender ein starker Partner sein und können heute vor Ort entsprechend auftreten. Und das wird man nicht, wenn man nur Maschinen aus Deutschland nach Amerika liefert. Wir gehen zum einen auf die Endanwender, aber auch auf die amerikanischen Maschinenbauer zu.

Wie ist denn das Image von Lenze in Amerika? Sieht man sie dort als Systemlöser oder eher als Komponentenlieferant?

Wir kommen in Amerika historisch aus dem Komponentengeschäft. Lenze möchte aber global auf allen Märkten mit dem gleichen Lösungsportfolio beziehungsweise mit dem gleichen Markenversprechen auftreten. Wir unternehmen enorme Anstrengungen, um uns dort richtig zu positionieren. Seit zwei Jahren läuft bereits eine Marketingkampagne, in der wir unser europäisches Image auf Amerika übertragen. Dort ist aber der Sprung vom Komponenten- zum Lösungs- und Systemanbieter wesentlich größer.

Mit der Gründung der Lenze Engineering GmbH & Co KG bündelte das Unternehmen sein Engineering-Know-how und seine Erfahrungen im Bereich der Automatisierung. Wie ist das Geschäft angelaufen?

Gut. Das Angebot der neuen Gesellschaft ist gut angenommen worden und wir sind heute voll ausgelastet. Wir haben unser Geschäft klarer strukturiert und ein Geschäftsmodell mit entsprechenden Zielmärkten definiert. Auch früher haben wir schon spannende Projekte durchgeführt, das war aber weniger strategisch und zielgerichtet. Nun können wir unseren Lösungsgedanken auch als Systemintegrator an die Kunden herantragen. An solche Kunden die entweder Kapazitätsengpässe haben oder durch unser Engineering-Know-how schneller auf unsere Technik umstellen wollen. Daneben führen wir aber auch Projekte bei Endanwendern durch, insbesondere in der Konsumgüterindustrie. Dies ist ein wichtiger Mosaikstein in unserer Strategie. Die Nachfrage ist zur Zeit größer als unsere Kapazitäten. Deshalb werden wir die personellen Ressourcen auch in naher Zukunft weiter ausbauen.

Lenze hat seine Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau fortgeführt. Als einer der wenigen Anbieter sind sie, laut Herrn Dr. Tellbüscher, in der Lage, den Kunden ein durchgängiges und vollständiges Angebot für die Realisierung innovativer Maschinen zu machen. Erläutern Sie mir dies genauer?

Wir haben dank der Breite und Tiefe unseres Portfolios komplette Systemlösungen für den Maschinenbau. Wir fokussieren uns seit vielen Jahren, das möchte ich betonen, auf die Automatisierung von Maschinen. Wir nennen das Motion Centric Automation. Das unterscheidet uns von dem ein oder anderen Wettbewerber. Fast unseren gesamten Umsatz machen wir im Bereich des klassischen Maschinenbaus. Als einer der wenigen Komplettanbieter können wir für jede Maschinenaufgabe die passenden Produkte liefern. Lenze kann Maschinen von der Steuerung über die Antriebstechnik bis hin zu den Motoren und Getrieben ausstatten, also den kompletten Antriebsstrang. Aber der entscheidende Unterschied ist unsere Lösungskompetenz, also die Aufgabe in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden, das richtige Konzept zu finden. Unsere Vertriebs- und Engineeringexperten denken sich schnell in die Maschinenaufgaben ihrer Kunden hinein und verstehen aufgrund ihrer Erfahrung jedes noch so kleine Detail. Dadurch helfen wir, Innovationen schnell und verlässlich zur Marktreife zu bringen.

Kommt es oft vor, dass Sie im Gespräch mit dem Kunden, neue Produktideen speziell für diese Anwendungen generieren?

Ja, klar! Wir leiten aus den Gesprächen auch neue Produktideen ab. Ich glaube, dass dies auf Grund der jahrzehntelangen Erfahrung im Maschinenbau auch unsere große Stärke ist.

Der VDMA fand in einer Umfrage heraus, dass viele Maschinenbauer sich die Unterstützung durch das spezielle Know-how und die Erfahrung eines starken Partners wünschen? Welche Auswirkungen hat dies auf Ihren Geschäftsaufbau?

Diese Studie belegt, dass die wichtigsten Trends im Maschinenbau eine wachsende Variantenvielfalt und Komplexität sowie knappere Zeitbudgets sind. Etwa 83 % der vom VDMA befragten Maschinenbauingenieure gaben an, dass die Antriebs- und Steuerungstechnik zunehmend komplexer wird und dass flexible, modulare Maschinenkonzepte an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig sinkt aber die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung. Dadurch stehen die Maschinenbauer unter einem wachsenden Druck. Aufgrund der steigenden Anforderungen wächst die Verantwortung der Zulieferer in der Wertschöpfungskette. Das führt dazu, dass sich mehr als 80 % der Befragten eine engere Zusammenarbeit mit ihrem Zulieferer wünschen. Besonders in der Konzeptions- und Entwicklungsphase. Denken Sie nur an die Themen Safety oder Energieeffizienz. Entsprechend wünschen sich mehr als die Hälfte der Entwickler einen Partner, der ihre Ideen in sichere, innovative und einfache Maschinen umsetzt. Dies hat etwas mit Know-how zu tun, denn sie können nur partnerschaftlich agieren, wenn sie den – ich sage mal – Stallgeruch haben. Wenn sie die Sprache sprechen und die Probleme kennen, auch nach dem eigentlichen Verkaufsprozess, also bei der Maschinenentwicklung und im Service. Und da haben wir Ingenieure, die über diese Erfahrung verfügen. Wir bauen natürlich hier auch weiter aus, insbesondere im Bereich des Lösungsvertriebs.

Sie sagen, sie bauen ihren Lösungsvertrieb aus. Welche Erfahrungen machen sie mit dem viel diskutierten Fachkräftemangel?

Also wir sehen, dass der Fachkräftemangel ein Schlüsselthema der Zukunft ist. Sie können im technischen Bereich nur gute Mitarbeiter bekommen, wenn sie ein attraktiver Arbeitgeber sind und ein innovatives Image haben. Das Employer Branding wir immer wichtiger. Wir tun hierfür alles, um regional sowie international zu punkten.

Die Antriebs- und Steuerungstechnik wird zunehmend komplexer. Gleichzeitig sinkt die Zeit von der Idee bis zur Markteinführung. Was sind Ihre Lösungskonzepte?

Der gesamte Automatisierungsmarkt muss seine Produkte einfacher machen und die Usability verbessern. Wir haben Analysen durchgeführt, um heraus zu finden, wie hoch der Anteil der Kosten ist, der für die Maschinenentwicklung aufgewendet wird. Was kostet die Mechanik, die Elektronik oder die Engineering-Leistung. Dabei hat sich herausgestellt, dass etwa 30 % der Herstellungskosten einer Maschine auf das Engineering entfallen. Hier kann man noch viel Geld sparen! Diese Einsparpotenziale muss man in der Zusammenarbeit mit dem Kunden aufzeigen und umsetzen. Kürzere Time-to-Market ist wichtig und wir unterstützen unsere Kunden dabei. Die Komponenten-Kosten stehen heute nicht mehr so sehr im Fokus. Vielmehr gewinnen Kostenbetrachtungen über den kompletten Lebenszyklus einer Maschine an Bedeutung. Dabei ist die Usability sicherlich bedeutsam. Wir wollen unseren Kunden den Freiraum verschaffen, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können: nämlich ihre Ideen und ihre Innovationen.

Der Servo-Inverter i700 ist zusammen mit dem Controller 3200 C Kern des Lenze-Automatisierungssystems für Maschinen mit zentraler Systemarchitektur. Was unterscheidet dieses Antriebskonzept von dem Wettbewerb?

Einfach auf den Punkt gebracht – ‚Easy to use’. Wir haben ganz konsequent den Aufwand für Inbetriebnahmen, Engineering und Service reduziert.

Der Platzbedarf ist bei Antriebssystemen mit wenigen Achsen und erst recht bei Mehrachsanwendungen ein entscheidender Aspekt. Wie haben Sie das gelöst, ohne Probleme mit der Kühlung beziehungsweise Verlustleistung zu bekommen?

Wir haben bei der Entwicklung des neuen i700 auf eine kompakte Bauform geachtet und auf der Fläche, wo normalerweise nur eine Achse sitzt, heute zwei Achsen untergebracht. Natürlich ist hierfür auch ein ausgeklügeltes Kühlkonzept und ein optimales Zusammenspiel aller Komponenten im Zwischenkreisverbund entscheidend. Da steckt viel Erfahrung in der Entwicklung von Leistungselektronik dahinter. Für den Anwender bedeutet dies dank der einfacheren Montage und Verdrahtung sowie des reduzierten Bedarfs an Zusatzkomponenten einen deutlichen Produktivitätsgewinn. Die Versorgungsmodule benötigen in der Regel keine Filtermaßnahmen sowie keine DC-Sicherung. Der Zwischenkreisverbund wird zwischen den Achsmodulen ganz ohne Kabel durch ein einfaches Schienensystem realisiert, das sich schnell durch das Drehen von Bügeln verbinden lässt. Und auch die Parametrierung und Programmierung des Systems haben wir vereinfachen können.

Eine durchgängige und für die Programmierung der Steuerungs- und Antriebsfunktionalität verwendbare Engineering-Umgebung sorgt für hohe Produktivität bei der Maschinenentwicklung. Was bietet Lenze dafür?

Sie meinen damit bestimmt unsere Engineering-Tools. Wir sind dabei, ein integriertes Toolkit zu entwickeln, das unsere Kunden entlang der unterschiedlichen Aufgaben des Lebenszyklus einer Maschine durchgängig unterstützt – von der Auswahl der optimalen Systemkomponenten über die Programmierung bis hin zum Service. Dabei haben wir uns eine deutliche Vereinfachung für den Anwender zum Ziel gesetzt. Durch entsprechende Schnittstellen lassen sich auch Softwareprodukte anderer Hersteller ankoppeln, beispielsweise zur Simulation. Im Bereich des Engineerings wollen wir in Zukunft weiter kräftig investieren.

Wie lassen sich die Antriebe während aller Phasen des Lebenszyklus’ einfach handhaben und wie erreiche ich dies?

In der Regel muss ich ja schon vor der Auswahl des Antriebes wissen, wie die auszuführende Bewegung aussehen soll. Für die Antriebsauslegung gibt es entsprechende Werkzeuge, wie unseren Drive Solution Designer, mit dem der Mechanik-Konstrukteur bereits in einer frühen Phase der Maschinenentwicklung den Bewegungsverlauf grafisch beschreiben kann. Wenn man diesen Gedanken konsequent weiterführt, kann man die Bewegungsdaten später weiter verwenden, auch für die Programmierung. Eine aufwändige Eingabe durch die üblichen Bewegungsbefehle kann so entfallen. Auch dies steht wieder unter dem Gesichtspunkt der Vereinfachung des Engineerings.

Man redet immer von Lösungs- und Systemanbietern. Wo sehen Sie Lenze?

Ich glaube, man kann dies heute nicht mehr getrennt sehen. Unter Lösungskompetenz verstehe ich den Sachverstand und die langjährigen Erfahrungen unser Vertriebs- und Applikationsingenieure, auf die sich unsere Kunden in einer engen Partnerschaft voll und ganz verlassen können. Außerdem sind natürlich integrierte Automatisierungssysteme erforderlich, deren einzelne Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Lenze ist als Automatisierer in beiden Bereichen entsprechend gut aufgestellt.