Toshiba bereitet den Börsengang und Verkauf von 20 bis 30 Prozent seiner Halbleitersparte vor. Das Unternehmen benötigt nach Verlusten aus dem Kernenergiegeschäft dringend Kapital.

Toshiba bereitet den Börsengang und Verkauf von 20 bis 30 Prozent seiner Halbleitersparte vor. Das Unternehmen benötigt nach Verlusten aus dem Kernenergiegeschäft dringend Kapital. Josef Thiel, own work, CC BY-SA 3.0

Update 14.02.2017: Am heutigen Stichtag zur Bekanntgabe der Höhe der Abschreibungen aus dem Atomenergiegeschäft konnte Toshibas CEO Satoshi Tsunakawa auf einer laut EETimes „chaotischen“ Pressekonferenz nur geschätzte Zahlen von etwa 6,3 Milliarden US-Dollar vorlegen. Diese Zahlen sind vorläufig und nicht auditiert; sie könnten somit noch höher ausfallen. Dem Unternehmen wurde ein Aufschub bis 14. März 2017 gewährt, um zuverlässige Zahlen vorzulegen. Bisher wollte Toshiba lediglich 19,9 Prozent seines Flashspeichergeschäfts verkaufen. Dafür sind bereits mehrere Angebote eingegangen.

Nun könnte das Unternehmen gezwungen sein, die Mehrheit an der Halbleitersparte abzugeben: „Wir erwägen unterschiedliche Angebote für das Chipgeschäft und werden flexibel handeln, auch wenn dies bedeutet, die Mehrheit der Sparte abzugeben. Alles ist möglich.“ sagte CEO Satoshi Tsunakawa. Das Unternehmen kündigte außerdem den Rücktritt von Vorstandsmitglied Shigenori Shiga mit Wirkung zum morgigen Mittwoch an. Shiga übernimmt damit die Verantwortung für die massiven Verluste in Verbindung mit dem Atomenergieunternehmen Westinghouse.

Update 27.01.2017: Toshiba hat am heutigen Freitag die Entscheidung bekanntgegeben, seine Speichersparte inklusive dem SSD-Geschäftsbereich vom Unternehmen abzuspalten. Der Bereich Bildsensoren verbleibt jedoch beim Mutterkonzern. Die Abspaltung soll bis zum 31. März 2017 abgeschlossen sein. Wie groß der abgespaltene Anteil sein wird, ist noch nicht entschieden und Toshiba plant diesbezüglich für Ende März diesen Jahres eine Aktionärsversammlung zur Abstimmung. Als Gründe für die Abtrennung der Speichersparte nennt Toshiba neben dem benötigten Kapital für den Ausgleich der Verluste aus dem Kernenergiebereich die größere Flexibilät einer eigenständigen Firma hinsichtlich Reaktionsfähigkeit auf Technologieänderungen und Investitionen. Die Pressemitteilung von Toshiba steht englischer Sprache hier zum Download bereit.

Toshiba hat Goldman Sachs damit beauftragt, beim Verkauf von 20 bis 30 Prozent seines Halbleitergeschäfts behilflich zu sein. Laut Handelsblatt will das Führungsgremium von Toshiba am Freitag den Börsengang des Chipsektors genehmigen. Nach einem Finanzskandal in 2015 benötigt das Unternehmen dringend Kapital. Bereits am Dienstag habe Unternehmenschef Satoshi Tsunakwa die wichtigsten Gläubiger über die Pläne informiert. Toshiba bewertet die Halbleitersparte mit etwa acht bis zwölf Milliarden US-Dollar. Erste Angebote werden für Anfang Februar erwartet, und die Auswahl eines Käufers soll bis Ende März erfolgen. Interesse am Kauf haben bereits Canon, Western Digital, Tokyo Electron und verschiedene andere Beiteiligungsunternehmen bekundet.

Derzeit verfügt Toshiba über drei Milliarden US-Dollar Eigenkapital, verbucht jedoch Verpflichtungen von vier bis sieben Milliarden US-Dollar aus dem Kernenergiegeschäft in den USA. Explodierende Projektkosten haben das bereits durch den Finanzskandal in 2015 geschwächte Unternehmen 2016 noch weiter in die Krise geführt.

Toshibas Problem ist, dass potenziellen Käufern bekannt sein dürfte, wie dringend das Unternehmen Kapital benötigt. Es wird erwartet, dass Toshiba den Anteil am Chipsektor für weniger als zwei Milliarden US-Dollar verkaufen muss, um zum Ende des Geschäftsjahres im März einen Profit von 1,3 Milliarden US-Dollar vorweisen zu können. Toshiba hat bereits seinen Medizintechniksektor für sechs Milliarden US-Dollar an Canon verkauft und ist derzeit auf der Suche nach einem Käufer für ein privates Krankenhaus im Zentrum von Tokio. Auch der Verkauf weiterer Geschäftsbereich werde geprüft. Die genaue Höhe der Abschreibungen will Toshiba am 14. Februar bekanntgeben.