Traco Power ist bekannt für DC/DC-Wandler, wird aber nun immer aktiver bei kundenspezifischen Stromversorgungslösungen. Wie kommt es dazu und wohin entwickelt sich das Schweizer Unternehmen?

 Luis de Sousa:  Traco Power kann bereits auf eine 30-jährige Entwicklungsgeschichte von kundenspezifischen Stromversorgungslösungen zurückblicken. Jedoch waren solche Lösungen nie das Kerngeschäft von Traco Power. Heute und in Zukunft sehen wir aber bei uns genau in diesem Bereich entscheidende Stärken. Der Grad der Anpassung kann von einer kleinen Änderung von Standardprodukten bis hin zu einem brandneuen Produkt reichen, dass von Grund auf neu entwickelt wurde.

Luis de Sousa, Leiter Forschung & Entwicklung bei Traco Power, Geschäftsführer bei Traco Power Solutions

Louis des Sousa ist Diplom-Elektroingenieur mit über 25 Jahren Erfahrung in der Leistungselektronik. Karrierestationen: Chefingenieur bei McLaren sowie Projekt-, Team und Abteilungsleiter bei Renault und Valeo. Traco

Unabhängig von der Komplexität der Anforderung finden wir schnell eine optimale Lösung, da die Expertise im Haus und unsere Pre-Compliance-Testfähigkeiten vorhanden sind. Zudem haben wir uns bei der Entwicklung von Lösungen neben technischen auch eine Vielzahl von anderen notwendigen Fähigkeiten angeeignet – System-Engineering sowie Projekt-, Test- und Qualitätsmanagement.

Für viele Ingenieure ist das Wort „kundenspezifische Lösung“ eher ein Graus als ein Segen. Was hält Traco Power davon?

 Luis de Sousa:  Dank Jahrzehnte langer Erfahrung kennen wir alle Facetten und Möglichkeiten von kundenspezifischen Anforderungen. Ingenieure und Einkäufer denken oft, dass ein maßgeschneidertes Produkt teurer ist, wir erleben aber oft das Gegenteil. Es ist oft eine Frage des Volumens. Ein Standardprodukt kann beispielsweise Funktionen haben, welche für die Anwendungen gar nicht erforderlich sind, oder es passt aufgrund der Größe oder fehlender Zertifizierungen möglicherweise nicht genau ins System. Ein kundenspezifisches Design ist so in vielen Fällen die richtige, bessere und kostengünstigere Lösung.

Als ehemaliger Chefingenieur beim Formula-E-Team von McLaren kennen Sie sich mit Innovationen aus. Wo sehen Sie die größten Trends in der Stromversorgung?

 Luis de Sousa:  Die Landschaft der Energieerzeugung, der Energieverteilung und des Energiemanagements entwickelt sich aufgrund der Interferenz zweier Wellen rasant: Mit der ersten Welle sind nachhaltige, erneuerbare Energien gemeint, welche effiziente und intelligente Umrichter und Wandler erfordern.

Die zweite Welle beschreibt neue Leistungselektronik-Technologien, die hocheffiziente, breitbandige Halbleiter hervorbringt sowie neue, magnetische und keramische Materialien und sehr kostengünstige digitale Controller. Mit diesen neuen Gegebenheiten müssen wir unseren bisherigen Entwicklungsweg von Leistungselektronik überdenken, sonst wird man schnell abgehängt. Es wird Gewinner und Verlierer geben. Als Mitstreiter möchte ich, dass mein Team dieses „Rennen“ wie in der Formel 1 führt und gewinnt.