Seit 30 Jahren beliefert Helmut Beyers Unternehmen aus der Telekommunikations-, Automobil-, Gebäudetechnik- und Medizinbranche mit elektronischen Baugruppen und Komplettsystemen. Eine konsequente Entwicklung hin zur digitalen Intelligenz in der Elektronikfertigung ist seit Jahren wichtiger Bestandteil der unternehmerischen Ausrichtung. Diese machte auch vor der internen Materialwirtschaft nicht halt. „Seit mehr als vier Jahren beschäftigt sich unser Unternehmen mit dem Thema Digitalisierung in der Elektronikfertigung“, erklärt Timo Dreyer, Leiter operatives Geschäft. Mehr als 76 Mio. Bauteile kauft Beyers pro Jahr ein. „Das ist eine beträchtliche Zahl und somit waren wir schon früh auf der Suche nach Digitalisierungslösungen für die Materialwirtschaft“, erklärt Wolfgang Beyers, geschäftsführender Gesellschafter von Beyers. Die Gründe dafür waren vielfältig. Neben intransparenten Materialbeständen je Kundenauftrag war das frühzeitige Erkennen von Bauteilengpässen eine Herausforderung. Nur mit einem hohen Aufwand manueller Überprüfungen war Problemstellungen beizukommen.

Fehlende Transparenz

Aus diesem Grund nahm das Unternehmen 2014 mit dem Softwareanbieter Perzeptron, Eschborn, Kontakt auf. Vor allem der Einkauf war die treibende Kraft, da dieser oftmals unter Druck Bauteile nachbestellen oder Liefertermine neu verhandeln musste. In einem ersten Workshop wurde zusammen mit dem Softwareanbieter der Ist-Stand der Materialwirtschaft erarbeitet. Dabei kam heraus, dass die fehlende Transparenz dazu führte, dass die Weiterentwicklung von internen Prozessen und der Einsatz von bestehenden Werkzeugen nur eingeschränkt umgesetzt werden konnte. Kennzahlen konnten nur mit größerem Aufwand ermittelt werden. Dies ließ eine Weiterentwicklung und eine schnelle Reaktion auf mögliche Engpässe nicht zu.

Timo-Dreyer-Leiter-operatives-Geschaeft-und-Wolfgang-Beyers-geschaeftsfuehrender-Gesellschafter (v.l.n.r.)

Timo-Dreyer-Leiter-operatives-Geschaeft-und-Wolfgang-Beyers-geschaeftsfuehrender-Gesellschafter (v.l.n.r.) Helmut Beyers

Im Anschluss wurden die Ziele formuliert. So sollten Kennzahlen, die Materialtendenzen aufzeigen, in Zukunft leichter ermittelt werden und auch deren Nachvollziehbarkeit. „Daraus ableitend haben wir verschiedene Kontrollwerte definiert“, so Markus Renner, geschäftsführender Gesellschafter der Perzeptron. Hierbei wurden der Lageranteil, der die mittlere Kapitalbindung zur Jahresleistung in Vergleich setzt, sowie das Lageralter zur Minimierung der Kapitalbindung, die Umschlagshäufigkeit der Bauteile und die Reichweite als Kennzahlen bestimmt.

Tool zur Unterstützung der Produktionsplanung

„Im zweiten Schritt müssen diese Kennzahlen grafisch so aufbereitet werden, dass wir dem Ziel der leichten Kennzahlenermittlung und Nachvollziehbarkeit so nahe wie möglich kommen“, führt Renner weiter aus. Dies passiert unter anderem in der Software MiG und in zusätzlichen Cockpits, die gemeinsam entwickelt wurden. Bei MiG handelt es sich um ein Spezial-BI-Tool zur Unterstützung der Produktionsplanung und Steuerung der Materialwirtschaft in der Elektronikfertigung. MiG verkürzt die Laufzeit von Aufträgen und sichert die Lieferfähigkeit durch frühzeitige Identifikation von Engpässen. Dabei sorgt die Software für ein ausgeglichenes Material- und Auftragsmanagement, bei dem Lieferfähigkeit und Kapitalbindung kontinuierlich ausbalanciert werden.

Mittels einer Reihe von Materialwirtschafts-Cockpits werden nun die unterschiedlichen Kennzahlen dargestellt. „Aufgrund des hohen grafischen Anteils in den Cockpits können wir auf einen Blick erkennen, wo wir gerade mit einzelnen Aufträgen stehen“, erklären Dreyer und Reiner Hambach, Einkaufsleiter der Beyers, übereinstimmend. Des Weiteren können Bauteilbestellungen, die zu früh kommen oder aufgrund einer Auftragsverschiebung erst später benötigt werden, frühzeitig bearbeitet werden. Damit geht auch ein Reduzieren des Kapitalbedarfs einher. „Durch die Einführung von MiG hat sich die Transparenz unserer Materialwirtschaft deutlich erhöht. Wir können heute viel zielgerichteter agieren, reagieren und optimieren, was ein Ziel jeder Digitalisierung sein sollte“, so Beyers.