Die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur mittels V2X-Kommunikation bringt ganz neue Herausforderungen für die Anwendungsentwicklung mit sich und stellt auch besondere Anforderungen an die Simulation. Lag der Fokus bei der Anwendungsentwicklung in der Vergangenheit ausschließlich auf den Gegebenheiten im fahrzeugeigenen Bordnetz, kommen mit der V2X-Kommunikation auch solche funktionalen Komponenten hinzu, auf die der Entwickler der Funktionen keinen Einfluss hat. Dabei gilt die V2X-Kommunikation als eine der Schlüsseltechnologien – wenn nicht gar als Voraussetzung – für die Autonomiestufen 4 und 5 autonom fahrender Fahrzeuge. Kooperative Systeme wie etwa Platooning oder die Kooperation zwischen autonom fahrenden Fahrzeugen ist ohne V2X kaum denkbar.

Eckdaten

Mit dem Aufkommen der V2X-Kommunikation, die auch für autonomes Fahren unverzichtbar ist, werden die Testbedingungen komplexer. Über die Restbussimulation fürs fahrzeugeigene Bordnetz hinaus muss eine umfangreiche Restverkehrssimulation hinzukommen und ins Fahrzeug eingehende Nachrichten auf der Luftschnittstelle realitätsnah abbilden. Die Testumgebung WaveBEE von Nordsys unterstützt den Funktionsentwickler und erzeugt synthetische, aber immer valide V2X-Nachrichten für Tests im Labor und auf der Versuchsstrecke.

Heutige Bordnetze bestehen aus einer Vielzahl von Sensoren und den dazugehörigen Steuergeräten, welche die Daten verarbeiten. Die Entwicklung von funktionalen Softwarekomponenten, die auf diese Sensordaten zurückgreifen, war somit in einem in sich abgeschlossenen System möglich. Das bedeutet, dass die Systemgrenzen des Bordnetzes klar definiert waren und sich der Entwicklungsingenieur in einer ihm bekannten Umgebung bewegen konnte. Software-in-the-Loop (SiL), Hardware-in-the-Loop-Systeme (HiL) mit entsprechenden Restbussimulationen bis hin zu entsprechenden Brettaufbauten mit realen Steuergeräten oder Vehicle-in-the-Loop-Umgebungen gehören heute zum Standardrepertoire bei der Funktionsentwicklung und den funktionalen Tests im Labor.

Weiche Systemgrenzen und agile Standards

Die Systemgrenzen, die der Ingenieur bei der Entwicklung von V2X-Funktionen zu berücksichtigen hat, sind dagegen nicht mehr so eindeutig definiert wie bisher. Aus Sicht des bordeigenen Sensornetzes handelt es sich bei der V2X-Kommunikation lediglich um einen weiteren Sensor, der Daten für die verarbeitenden Steuergeräte liefert. Zumindest gilt dies beim Empfang von V2X-Nachrichten. Unter diesem Aspekt betrachtet, ändert sich bezüglich der Vorgehensweise für den Entwickler zunächst nichts. Es gibt im Vergleich zum herkömmlichen, in sich abgeschlossenen Bordnetz, jedoch mehrere ganz entscheidende Unterschiede:

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