„Wir sehen keinen Anlass, unsere Anfang Februar bestätigte Prognose zu ändern. Aber eine ‚schwarze Null’ gilt aus unserer Sicht als sicher“, so VDMA Hauptgeschäftsführer Dr. Hannes Hesse zur aktuellen Lage des deutschen Maschinenbaus auf der Hannover Messe Pressekonferenz des Verbandes am Montag in Hannover. „Wie nachhaltig diese Aufwärtsentwicklung sein wird, muss sich noch beweisen. Das Auslaufen der Konjunkturprogramme sowie der positiven lagerzyklischen Effekte, die hohe Verschuldung der öffentlichen Haushalte, die künftige Zinspolitik der Notenbanken, die anhaltenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten einschließlich der weltweit erschwerten Kreditvergabe setzen Fragezeichen“, so Hesse.

Die Produktion lag in den ersten beiden Monaten des Jahres 11,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Im Januar lag die Kapazitätsauslastung bei 72,3 Prozent, weit unter dem langjährigen Durchschnitt von 86,4 Prozent. Ende Februar beschäftigte die Branche 909 Tausend Personen, 12 Tausend Personen weniger als im Dezember. Die Zahl der Kurzarbeiter lag im Dezember bei 171 Tausend Personen.

Deutscher Maschinenbau bleibt Exportweltmeister

Auch wenn noch nicht alle Jahreswerte des internationalen Außen-handels 2009 vorliegen, bestätigt sich die Vermutung: Anderen ging es auch schlecht. In den USA, Maschinenexporteur Nummer zwei weltweit, betrug der Rückgang der Exporte 19,3 Prozent auf 71,3 Milliarden Euro. Selbst China exportierte 16,6 Prozent weniger, 53,4 Milliarden Euro. „Damit konnten die Deutschen – trotz einem Minus von 23 Prozent – ihren Exportweltmeistertitel mit einem Auslandsumsatz von 110,9 Milliarden Euro erfolgreich verteidigen“, erklärte der VDMA Hauptgeschäftsführer.

In China konnten die Deutschen ihre Position sogar mit einem Plus von vier Prozent als zweitgrößter Lieferant leicht ausbauen auf 11,4 Milliarden Euro. Es folgen die Lieferungen in die USA mit 8,4 Milliarden Euro, Frankreich mit 7,4 Milliarden Euro, Italien mit 4,9 Milliarden und Großbritannien mit 4,8 Milliarden Euro

Auf Fachzweigebene spiegelt sich die starke Rolle des deutschen Maschinenbaus deutlich wider. In 18 von 30 international vergleichbaren Gruppen sind die deutschen Hersteller Weltmarktführer (Fördertechnik, Antriebstechnik, Werkzeugmaschinen, Landtechnik, Nahrungsmittel-maschinen und Verpackungsmaschinen etc.). In elf übrigen stehen sie auf Platz zwei und drei. Die chinesischen Hersteller belegen inzwischen allerdings in sechs von 30 Teilbranchen Platz 1 (Allgemeine Lufttechnik, Bekleidungs- und Ledertechnik, Armaturen etc.)

Drei Viertel der deutschen Maschinenimporte kommen aus Europa

Deutschland ist mit insgesamt 39 Milliarden Euro der bei weitem größte Importeur in Europa. Drei Viertel der Maschinenimporte in Höhe von 29 Milliarden Euro kommen aus Europa, nur 6 Milliarden aus Asien und 3,2 Milliarden aus Nord-Amerika. Italien hatte mit 4,2 Milliarden Euro den größten Anteil (10,7 Prozent), gefolgt von der Schweiz mit 3,9 Milliarden Euro (10,1 Prozent), Frankreich mit 3,2 Milliarden Euro (8,1 Prozent), USA mit 3 Milliarden (7,7 Prozent) und Österreich mit 2,6 Milliarden (6,6 Prozent).

Italien – größter ausländischer Anbieter in Deutschland und viertwichtigster Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer

Nach China, den USA und Frankreich ist Italien der viertstärkste Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer, mit einem Volumen von knapp fünf Milliarden Euro. Deutschland ist wichtigster ausländischer Anbieter in Italien. Fast ein Drittel der importierten Maschinen kommen aus Deutschland, insbesondere Produkte der Antriebstechnik, der Fördertechnik und der Allgemeinen Lufttechnik.

Auf dem deutschen Markt sind die Italiener mit einem Importanteil von 4,2 Milliarden Euro (10,7 Prozent) größter Anbieter.

Deutsche Maschinenproduzenten weltweit Nummer 3

2009 wurden nahezu alle bedeutenden Maschinenbaunationen mit zweistelligen Umsatzrückgängen konfrontiert. Allein die VR China konnte dank massiver staatlicher Investitionsprogramme weiter wachsen und ihren ersten Platz im Ranking der weltgrößten Maschinenbauproduzenten erfolgreich verteidigen. Ein Viertel der weltweit produzierten Maschinen werden nun in China gefertigt (2008: 17 Prozent). Asien ist damit größte Fertigungsregion im Maschinen- und Anlagenbau. Mit einem Umsatzvolumen von 178 Milliarden Euro belegten die deutschen Maschinenbauer 2009 im Ranking abermals Platz 3. Die USA behaupteten sich mit 199 Milliarden Euro auf Platz 2.

Weltweit wurden 2009 nach Schätzungen der VDMA Volkswirte Maschinen und Anlagen für 1,38 Billionen Euro hergestellt (2008: 1,6 Billionen Euro). Nach aktuellem Kenntnisstand geht der VDMA davon aus, dass die Welt-Maschinenumsätze 2010 im Durchschnitt um rund sechs Prozent zulegen werden, hauptsächlich durch ein weiteres Umsatzplus am Standort China. Für Westeuropa wird – wie für Deutschland – eine Stagnation erwartet.

Produktpiraterie hat weiter zugenommen

„Wir schätzen den Umsatzschaden, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern 2009 durch Produktpiraterie entstanden ist, auf 6,4 Milliarden Euro“, so das Ergebnis einer im März 2010 durchgeführten repräsentativen Umfrage unter den VDMA Mitgliedsunternehmen. „Das ist eine Steigerung um acht Prozent gegenüber der letzten Umfrage 2008, sagte Hesse. „Ein Umsatz in dieser Schadenhöhe würde der Branche knapp 40.000 Arbeitsplätze sichern.“ Plagiate werden inzwischen vor allem von Komponenten – 58 Prozent – hergestellt, gefolgt von ganzen Maschinen mit 45 Prozent, und Ersatzteilen mit 36 Prozent. China ist weiterhin unangefochten „Plagiatweltmeister“. Das Land wurde von 80 Prozent der betroffenen Unternehmen als Ursprungsland der Nachbauten genannt.

Zwei Drittel der Unternehmen gaben an, bereits in Schutzmaßnahmen zu investieren. Das geschätzte Gesamtinvestitionsvolumen lag bei knapp zwei Milliarden Euro 2009. Mehr als vierzig Prozent der Unternehmen planen weitere Investitionen in Produktschutzmaßnahmen.

Auf der Hannover Messe zeigen die Maschinenbauer den weltweit ersten Werkzeugmaschinen-Prototpyen, der bereits vorhandene Kommunikationsschnittstellen nutzt, um die Maschine als Gesamtsystem zu schützen.

Neue Weltleitmesse MobiliTec schafft Innovationsplattform für E-Mobilität

„Deutschland muss weltweit der „Leitanbieter“ für eine marktfähige Elektromobilität werden“, betonte Hesse. Für Deutschland sei es existentiell, dass dies hierzulande entwickelt und hergestellt werde. „Das wird aber nur gehen, wenn wir die Produktionstechnik beherrschen.“ Und zwar für Batterien, Elektromotoren und Getriebe, genauso wie für Leichtbaukomponenten oder die Leistungselektronik. „Nicht nur einzelne Komponenten müssen kosten- und funktionsoptimiert hergestellt werden, sondern ganze Systeme und Produktionsarchitekturen“, erklärte der VDMA-Hauptgeschäftsführer. „Die Elektromobilität wird erst ins Rollen kommen, wenn sie bezahlbar ist. Kurzum: Gewinne an der Front der Schlüsseltechnologien und zuallererst bei der Produktionstechnik werden das globale Wettrennen entscheiden.“

Die Devise für die Innovationspolitik der Regierung müsse daher lauten: “’Research for Germany’ und sicher nicht ‚Research for Library’ oder ‚Research for Asia’“, so der VDMA Hauptgeschäftsführer (sb).