„Unsere Forderung an die Politik in Brüssel und Deutschland ist somit ganz klar: Verteidigt den regelbasierten freien Handel!" VDMA-Präsident Carl Martin Welcker

„Unsere Forderung an die Politik in Brüssel und Deutschland ist somit ganz klar: Verteidigt den regelbasierten freien Handel!“ VDMA-Präsident Carl Martin Welcker VDMA

Die Maschinenbauer in Deutschland rechnen für das laufende Jahr mit einer anhaltend guten Konjunktur. Das Wachstum der vergangenen Monate dürfte sich national und international trotz vieler Unsicherheiten fortsetzen, sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Wirtschaftspressekonferenz des Verbands zum Auftakt der Hannover Messe 2018.

Trump: Fluch oder Segen

Da mehr als drei Viertel aller produzierten Güter ausgeführt werden, lebt der Maschinenbau in Deutschland insbesondere vom Export. „Wir erwarten hier ein Wachstum auf breiter Basis mit Unterschieden im Detail“, erklärte der VDMA-Präsident. Der größte Einzelmarkt, die Vereinigten Staaten, werde sich weiterhin expansiv entwickeln, denn durch die von US-Präsident Donald Trump beschlossenen Unternehmenssteuerreform mit ihren deutlich verbesserten Abschreibungsbedingungen können die Unternehmen neue Investitionen ankurbeln – zumal Amerika auf den Import von Maschinen angewiesen ist. „Allerdings schwebt über uns das Damoklesschwert des aktuellen Handelskonflikts, dessen Auswirkungen speziell auf den Maschinenbau heute noch nicht abschätzbar sind. Hier liegt sicher ein nicht zu unterschätzendes Risiko für unsere Produktionsprognose“, warnte Welcker.

China und Brexit

Für China rechnet der VDMA mit einem Tempoverlust der Exporte, auch weil 2017 ein besonders hohes Ausfuhrwachstum gebracht hatte. Die Lieferungen in die EU-Partnerländer werden nach Ansicht der VDMA-Volkswirte dagegen weiter zulegen. „Einzig für das Geschäft mit Großbritannien rechnen wir mit einem stärkeren Rückgang als 2017, als die Exporte um 3 Prozent sanken. Selbst ein Minus in zweistelliger Größenordnung schließen wir nicht aus – der Brexit wird deutliche Spuren bei den Investitionen auf der Insel hinterlassen“, so der VDMA-Präsident.

Künstliche Intelligenz: EU-Kommission ist auf dem richtigen Weg

Künstliche Intelligenz und die Teildisziplin Machine Learning bahnen sich immer stärker ihren Weg auch in den Maschinen- und Anlagenbau. „Noch wissen wir alle nicht, wie genau sich diese Entwicklung vollziehen wird – aber sie hat begonnen.“ Künstliche Intelligenz könne aber nicht durch nationale Alleingänge geregelt werden. „Sowohl die Größe der Herausforderung als auch der Ehrgeiz unserer globalen Wettbewerber erfordern eine mutige europäische Strategie“, sagte Welcker. Der VDMA unterstützt daher den Ansatz der EU-Kommission, die Chancen von Künstlicher Intelligenz für die Wettbewerbsfähig der Industrie zu betonen. „Die derzeitige öffentliche Debatte etwa um eine Roboter- oder Maschinensteuer birgt die Gefahr, dass Risiken überbetont werden“, mahnte Welcker. In unseren Fabriken werde maschinelles Lernen und Datenanalytik in klar definierten Aufgabenstellungen eingesetzt. Künstliche Intelligenz hier zu nutzen, biete erhebliche Chancen für Innovation, aber wenig Anlass für dystopische Szenarien. Daher fordert der Verband die deutsche Politik auf, dem Ansatz der EU-Kommission zu folgen.

Digital Factory und Plattformökonomie

Das kräftige Wachstum der Digital Factory auf der Hannover Messe zeigt die enorme Bedeutung der Digitalisierung für die gesamte Industrie. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die belegte Fläche noch einmal um 50 % erhöht. „Damit hat sich die Digital Factory als ein Zentrum für Digitalisierung auf der Hannover Messe etabliert“, bekräftigte der VDMA-Präsident. Neben datentechnischen Fragen rückt die Suche nach neuen Geschäftsmodellen immer mehr in den Fokus. Für den Maschinenbau lautet die Herausforderung, sich mit den Regeln der Plattformökonomie vertraut zu machen:

  • Wertschöpfungsketten werden sich verschieben hin zu digitalen Services,
  • digitale Angebote müssen entwickelt werden, für die Kunden auch bezahlen,
  • es muss geklärt werden, wie solche neuen Services auf digitalen Plattformen angeboten werden.