Nach dem starken Wachstum in den vergangenen Jahren erfährt der Absatz von Plug-in-Hybrid-Electric-Vehicle (PHEV) in Europa laut LMC Automotive im kommenden Jahrzehnt einen Dämpfer.

Die Nachfrage nach PHEV soll laut LMC Automotive stagnieren.

Die Nachfrage nach PHEV soll laut LMC Automotive stagnieren. LMC Automotive

Der Spezialist für Automobilmarkt-Daten und Prognosen rechnet schneller als erwartet mit einer sinkenden Nachfrage nach PHEV mit ihrer Kombination aus Batteriebetrieb und Verbrennungsmotor, weil Anreize und Kostenstrukturen kontinuierlich zugunsten reiner Elektroautos (BEV) gestaltet werden.

Als Übergangslösung auf dem Weg zu emissionsfreien Autos sollte die Glanzzeit der PHEV, in den vergangenen Jahren mit Verkaufssteigerungen im höheren zweistelligen Bereich, nur temporär sein. Doch obwohl PHEV noch etwas Momentum übrig hätten – mehrere neue Modelle sollen in den nächsten Jahren erscheinen – sei absehbar, dass BEV den Plug-in-Automarkt schneller als vorhergesehen dominieren werden.

„Da Kauf- und Steueranreize Haupttreiber für die Nachfrage nach Plug-in-Hybriden sind, wird dieser Umstand zum Rückgang der Verkaufszahlen von PHEV beitragen“, sagt Al Bedwell, Director Global Powertrain bei LMC Automotive. Diese Fahrzeuge würden mit schwindenden Kostenvorteilen nach und nach ihre Daseinsberechtigung verlieren.

In Großbritannien sollen Verkaufszahlen von PHEV sinken

Der Hauptvorteil von PHEV ist nach Einschätzung von LMC Automotive, dass sie die Angst um Reichweite eliminieren, die mit reinen Elektroautos verbunden ist, und sie haben in vielen Märkten vergleichbare Anreize wie BEV geboten. Zumindest bis vor kurzem. Großbritannien zum Beispiel hat seine Regeln für Kaufprämien von E-Autos geändert und schließt damit derzeit erhältliche PHEV vom Förderprogramm aus. Die neue Regelung trat im Oktober in Kraft, drei Wochen früher als geplant, nachdem der überraschend rasante Absatz von noch förderfähigen Autos verbliebene Fördermittelkontingente aufgebraucht hatte.

LMC Automotive rechnet demzufolge mit dramatisch fallenden Verkaufszahlen für PHEV in Großbritannien, wie es bereits 2015 in den Niederlanden der Fall war, nachdem dort Steuervergünstigungen für PHEV gekürzt worden waren. Frankreich nahm Anfang 2018 PHEV aus seinem Förderprogramm für E-Fahrzeuge heraus, obgleich das Land vorhat, Hybrid-Fahrzeuge nächstes Jahr in seine Abwrackprämie für E-Mobility zu integrieren. Deutschland plant derweil laut LMC ab Januar die Steuer auf elektrifizierte Dienstwagen zu halbieren. Eine Maßnahme, von der PHEV profitieren könnten. Doch das werde den Trend in Europa insgesamt kaum umdrehen können.

PHEV verlieren Boden an BEV auch noch auf andere Art und Weise, denn letztere werden laut LMC  immer besser, was Preis, Reichweite und Auswahl an Modellen betrifft. PHEV hätten nach wie vor Kosten- und Gewichtsnachteile durch zwei Antriebe. BEV, hingegen, seien viel einfacher mit einer Hauptkomponente – der Batterie –, die mit der Zeit immer billiger und effizienter werden wird.

LMC Automotive: Trendwende kommt 2020

Und dann ist da auch noch WLTP, was zu einer dramatischen Verschlechterung der offiziellen CO2-Verbrauchswerte von PHEV führte und die Fahrzeuge somit in vielen EU-Ländern für Kfz-Steuervergünstigung-en nicht mehr infrage kommen lässt. Das neue EU-weite Testverfahren spiegelt die Tatsache wider, dass diese Autos oft allein durch ihren Verbrennungsmotor angetrieben werden. Die unrealistisch niedrigen offiziellen CO2-Werte unter dem vorherigen NEDC-Messverfahren basierten auf Tests mit voller Batterie.

Um PHEV attraktiver zu machen, müssen Autobauer die sogenannte Null-Emission-Reichweite steigern, wenn das Fahrzeug rein auf Strom fährt, fordert LMC Automotive. Doch das erfordere eine größere Batterie, deren Zusatzkosten und Gewicht wiederum zwangsläufig die Wirtschaftlichkeit des Models beeinflussen. Das zu einer Zeit, in der Hersteller ihre Ressourcen auf BEV konzentrieren, die dort, wo vergleichbare Versionen existieren, bereits ähnlich bepreist sind wie PHEV. Es wird erwartet, dass die Kosten weiter fallen werden.

„Wir schätzen, dass die Trendwende Mitte der 2020er stattfinden wird, wenn die Batterie-Technologie soweit verbessert ist, dass Nutzungs- und Produktionskosten von BEV mit denen von konventionellen Autos mit Verbrennungsmotor einhergehen“, fügt Bedwell hinzu. „In diesem Stadium, wird der Absatz von PHEV stagnieren und schließlich abnehmen.“