Der neue zweijährliche Turnus passt besser zur Innovations­geschwindigkeit der Branche. Die Aussteller versprechen sich davon mehr Topentscheider an ihren Messeständen.

Der neue zweijährliche Turnus passt besser zur Innovations­geschwindigkeit der Branche. Die Aussteller versprechen sich davon mehr Topentscheider an ihren Messeständen.Messe Stuttgart

Herr Dr. Ley, die größeren Unternehmen der Bildverarbeitungsbranche begrüßen den Wechsel der Vision hin zu einer zweijährlichen Veranstaltung, so auch Basler. Was ist denn der größte Vorteil des zweijährlichen Turnus im Vergleich zum jährlichen?

Wir hatten als einer der langjährigen Aussteller der Vision in den vergangenen Jahren den Eindruck, dass die Branche dabei ist, in einen reiferen Zustand überzugehen. Dieser Reifungsprozess zeigt sich auch daran, wie häufig die Branche wirklich bahnbrechende neue Technologien präsentieren kann. Ein Beispiel ist das Thema USB 3.0, das zwei Jahre lang propagiert wurde, bevor überhaupt die ersten Produkte am Start waren. Diese langsamere Innovationsgeschwindigkeit haben wir zum einen selbst be­obachtet, zum anderen haben wir auch festgestellt, dass dies unseren Besuchern auffällt. So haben sich etliche unserer Kunden dazu entschieden, die Messe nur alle zwei Jahre zu besuchen. Sie hatten also den Eindruck, dass nicht genug Neuigkeiten zu sehen sind, um den Aufwand zu rechtfertigen, jedes Jahr nach Stuttgart zu fahren. Durch den zweijährlich Turnus kann sich die Branche nun noch stärker als bisher darauf konzentrieren, ihre Innovationen so zu timen, dass sie zum Vision-Termin erstmals präsentiert werden – und der Vision damit noch stärker dieser Leuchtturmcharakter zukommt als in der Vergangenheit.

In der Berichterstattung rund um die Terminverschiebung klang auch das Stichwort Besucherqualität an. Wie wirkt sich der Rhythmuswechsel darauf aus?

Wenn wir auf die Besucherqualität der letzten Jahre gucken, dann haben wir festgestellt, dass zwar nicht weniger Leute gekommen sind als jeweils im Vorjahr, aber dass die Firmen andere Leute geschickt haben. Die Besucher haben also gewissermaßen durchgetauscht. Man hat es dann unter Umständen mit einer weniger erfahrenen Kundschaft zu tun. Deshalb erwarten wir uns von dem neuen Termin eben auch, dass mehr Topentscheider anwesend sind.

Dr. Dietmar Ley, Vorstandsvorsitzender von Basler: „Die Branche ist dabei, in einen reiferen Zustand überzugehen.“

Dr. Dietmar Ley, Vorstandsvorsitzender von Basler: „Die Branche ist dabei, in einen reiferen Zustand überzugehen.“Basler

Statt im November sollte die Vision zum ersten Mal im September stattfinden, weil auf dem Gelände der Messe Stuttgart inzwischen ein größeres Event stattfindet, das alle Messehallen belegt. War diese Verschiebung ein weiteres Argument für den Turnuswechsel?

Ich glaube, das war ein zusätzlicher Faktor. Ganz unabhängig von dem zweijährlichen Rhythmus muss man sich natürlich die Frage stellen, wann ist der richtige Zeitpunkt für die Umstellung? Im Vorfeld hatten sich die Aussteller in der Mehrheit gegen den Septembertermin ausgesprochen. Zum einen weil er nicht gelernt ist und zum anderen weil die Firmen ein Vierteljahr weniger Zeit haben als sonst, um ihre Neuigkeiten fertigzustellen. Die Vision 2013 hätte ja nur zehn Monate nach der letzten stattgefunden – wenn man dann die Sommerferien noch berücksichtigt, sind es im Grunde genommen sogar nur knapp neun Monate. Außerdem wäre die Vision mit einigen gleichzeitig stattfindenden, auch international konkurrierenden Messen kollidiert: Für die Aussteller wäre es dann auch logistisch anstrengend geworden. Dementsprechend war die Frage ‚Turnuswechsel jetzt oder später‘ relativ schnell entschieden.

Inwiefern waren Sie denn als Unternehmen in die Entscheidung der Messe Stuttgart involviert, die Vision 2013 abzusagen?

Ich bin Mitglied im Vorstand der Fachabteilung Industrielle Bildverarbeitung innerhalb des VDMA. Dort beschäftigen wir uns regelmäßig auch mit Messepolitik und haben in den letzten Jahren das Feedback der Mitglieder zu Messeveranstaltungen unterschiedlichster Art aufgenommen und an die Messeveranstalter in Form von konstruktivem Feedback weitergegeben. Zudem ist der VDMA seit vielen Jahren ideeller Träger der Vision. Insofern waren wir seit einiger Zeit mit der Messe Stuttgart im Gespräch, um diese Strömung widerzuspiegeln, was Innova­tionsgeschwindigkeit oder ähnliches angeht.

Inwiefern wirkt sich der zweijährliche Wechsel auf Ihre Marketing-Planung aus?

Wenn Sie als Aussteller ein Komponentenprodukt haben, welches sie in den verschiedensten Vertikalmärkten absetzen wollen und können, dann stellt sich natürlich auch die Frage, wie sie Ihre Marketing-Mittel investieren. Insofern haben die Aussteller durchaus ein Interesse daran, Mittel für das Erschließen neuer Geschäftsfelder zur Verfügung zu haben. Hier bietet sich jetzt die Chance, das Messe-Budget alle zwei Jahre anderweitig zu nutzen. So könnte man beispielsweise mal in eine andere Messe hineingehen und auf diese Art das Wachstum des eigenen Unternehmens unterstützen. In den geraden Jahren ist die Vision natürlich gesetzt, aber gerade vor dem Hintergrund des weltweiten Trends zu Spezialmessen empfinde ich es durchaus als Vorteil, in den ungeraden Jahren mal Ausflüge in diese Richtung zu unternehmen, beispielsweise in die Medizin-, Verkehrs- oder Sicherheitstechnik. In diesen Branchen hat in den letzten Jahren ein recht starkes Wachstum stattgefunden.