IoT und Industrie 4.0 verlangen ein flexibles Datenhandling.aber wir machen es als erste richtig.

IoT und Industrie 4.0 verlangen ein flexibles Datenhandling.aber wir machen es als erste richtig. Redaktion IEE

Herr Seifert, wie kommt es, dass Sie als Deutschland-Chef noch in die Entwicklung der aktuellen HMI-Visualisierung eingebunden sind?

Hans Seifert: Ich komme schließlich aus dem Bereich Entwicklung und Produktmanagement und habe meine alten Wege nicht komplett verlassen. Nach wie vor bin ich knapp die Hälfte meiner Zeit im technischen Management in Lamprechtshausen aktiv.

Und was treibt Sigmatek dazu, in eine Web-basierte Visualisierung zu investieren?

Hans Seifert: Unsere grundsätzlichen Überlegungen dazu haben wir vor etwa zwei Jahren begonnen. Ziel war, für uns und unsere Kunden einen Weg in die Industrie 4.0 zu entwickeln. Denn Industrie 4.0 heißt nicht, einfach nur Daten und Informationswege bereitzustellen, sondern die gewonnenen Daten flexibel aufbereiten und darstellen zu können. Mit unserem neuen Lasal VisuDesigner werden wir diesem Trend gerecht und stellen Werkzeuge und Funktionen zur Anbindung der Maschinen in die neue Welt zur Verfügung, vergessen dabei aber nicht die alte Welt.

Bitte konkret, wie unterstützt Ihr Tool denn die Industrie 4.0-Konzepte?

Hans Seifert: Indem wir verschiedenste Schnittstellen zur Verfügung stellen. Eine Visualisierung braucht tief eingebettete Funktionen, um Daten in der Cloud abzulegen, aus einer Cloud zu holen oder aus mehreren Töpfen über verschiedenste Schnittstellen diese Daten zusammenzutragen – und zwar in einer abgesetzten, differenzierten Tiefe.

Das ist ein wesentlicher Unterschied zu aktuellen Lösungen. Bislang hängt die Visu meistens irgendwo an einer CPU, erhält von ihr die Daten und bereitet sie dann mehr oder weniger optisch ansprechend zur Bedienung auf. Das reicht nicht mehr. Künftig greift die Visualisierung auf verschiedenste Ebenen zu. Die Kunst ist es, den Zugriff auf diese Datentöpfe einfach zu halten.

HTML 5 öffnet die Tür zu beliebigen Endgeräten.

HTML 5 öffnet die Tür zu beliebigen Endgeräten. Redaktion IEE

Sorgt die OPC Unified Architecture denn für keine Entlastung?

Hans Seifert: Nach oben in Richtung der großen Datentöpfe und Systeme findet mit der OPC UA eine Konsolidierung der Kommunikationsprotokolle statt. Aber: Nur weil die Maschinen neuerer Generation eine OPC UA-Schnittstelle haben, können und dürfen wir die Vergangenheit nicht vergessen. Wir müssen in der Lage sein, auch mit der alten Welt, der installierten Basis zu kommunizieren. Und hier sind wir nach wie vor mit der kompletten Bandbreite an Schnittstellen konfrontiert.

Dieser Entwicklung mit der bestehenden Software gerecht zu werden, war nicht mehr möglich?

Große Freiheit per Web-Standards

Zur diesjährigen SPS IPC Drives stellt Sigmatek mit dem Lasal VisuDesigner eine neue Visualisierungslösung vor. Grundlage bilden aktuelle Web-Technologien wodurch diese weitgehend hardwareunabhängig ist.

Hans Seifert: Wenn man davon ausgeht, dass die Visualisierung künftig auf verschiedenste Ebenen zugreifen muss und der Fernzugriff darüber hinaus über Tablet und Smartphone erfolgt, wäre dies nur mit einem unverhältnismäßig hohen Aufwand zu handeln gewesen.

Die Bedienoberfläche einer Maschine oder Anlage muss zwingend auf Geräten verschiedenster Hersteller funktionieren. Die dafür prädestinierten Technologien sind HTML5 und Web-Browser. Darauf setzt unsere neue Visualisierung auf. Das ist der grundsätzliche Unterschied zur bisherigen HMI-Software.

Die webbasierte Welt hat über die letzten Jahrzehnte eine fulminante Entwicklung hingelegt und sich in fast allen Bereichen zu einem Weltstandard entwickelt, nur im industriellen Umfeld nicht. Hier gab es zwar immer wieder einige Versuche, durchgesetzt hat es sich bis dato aber nicht.

Warum hat das aus Ihrer Sicht nicht so stark eingeschlagen wie in anderen Bereichen?

Hans Seifert: Industrielle Visualisierungen erfordern eine Dynamik und einen funktionalen Umfang, der sehr viel tiefergehend ist, als bei Standard-Webseiten. Genau daran kränkelt die Technologie noch heute. Den Web-Visualisierungen fehlt bis dato diese Kombination aus Dynamik und einfacher Projektierung. Das ändern wir jetzt.

Wir erreichen mit unserem Tool, dass Anwender, die nur manchmal im Jahr damit zu tun haben, ihre kleine Visualisierung genauso smart projektieren können wie der HMI-Spezialist sehr große Applikationen mit komplexen Verschachtelungen und komplexer Datenstruktur.

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Die Kunst ist, die Dynamik auch bei schlanken Prozessoren zu behalten. Redaktion IEE

Trotz des Standards HTML5 gibt es doch immer wieder unterschiedliche Darstellungen zwischen verschiedenen Browsern. Wie sind denn Ihre Erfahrungen mit dem Phänomen?

Hans Seifert: Ja, es gibt Nuancen und Unterschiede, beispielsweise wie die Rundung eines Buttons oder Icons aussieht. Aber damit lässt es sich es ganz gut leben. Das ist immer noch besser, als für die verschiedensten Browser unterschiedliche Versionen für die Software aufsetzen und warten zu müssen.

Und welche Browser empfehlen Sie?

Hans Seifert: Wir haben eine bestehende Browserentwicklung genommen und für uns beziehungsweise die industriellen Belange adaptiert, sozusagen unseren eigenen Browser daraus generiert.

Wieso das denn?

Hans Seifert: Wenn Sie mit großen, teuren Prozessoren arbeiten, ist die Visualsierung über Standard-Browser eine leichte Übung. Für uns als Automatisierer besteht die Herausforderung darin, auch mit kleinen Prozessoren eine ansprechende und schnelle Visualisierung zu ermöglichen. Daher haben wir eine Browseroptimierung vorgenommen.

Wie sich Bedienphilosophien entwickeln…

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