Würden Sie bitte etwas zur Entwicklungsgeschichte und Ausrichtung der Münchner Elektronik-Gruppe KATEK SE berichten?

Rainer Koppitz:  Die KATEK SE fungiert als Holding der KATEK-Gruppe mit Töchtern in Grassau, Memmingen, Mauerstetten, Frickenhausen und Wendlingen sowie Horni Suchá (Tschechien), Györ (Ungarn) und Saedinenie (Bulgarien). Hinzu kommen Prototyping-Center der Tochter beflex in München, Witten und Frickenhausen. Der Name KATEK steht seit über 35 Jahren für Technologieführerschaft in der Elektronikfertigung. Wir bündeln unsere umfassenden EMS-Kompetenzen unter dieser bekannten Marke und schaffen dadurch eine schlagkräftige Einheit. Das Leistungsspektrum deckt den gesamten Lebenszyklus elektronischer Baugruppen und Geräte ab.

Durch die Zukäufe hat die KATEK-Gruppe bereits eine beachtliche Größe erreicht. Wie wird oder soll das Wachstum zukünftig stattfinden?

Rainer Koppitz, CEO der Katek SE

Rainer Koppitz,
CEO der Katek SE: „Unsere
ambitionierte Wachstumsstrategie wird aktiv vom erfahrenen PRIMEPULSE-Team unterstützt.“
Katek SE

Rainer Koppitz:  Die KATEK-Gruppe gehört mit rund 2300 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 400 Mio. Euro nächstes Jahr zu den führenden Elektronikdienstleistern in Europa. Als EMS-Anbieter braucht man eine kritische Größe, um dauerhaft ein stabiler Partner zu sein. Dazu gehört, zu besten Konditionen einzukaufen, die nötigen Mittel zu haben und in neueste Technologien zu investieren. Außerdem muss man in der Lage sein, alle wesentlichen Branchen mitsamt der notwendigen Zertifizierungen bedienen zu können, die gesamte Wertschöpfungskette abzudecken, kleinste Losgrößen bis hin zur Großserie zu beherrschen und einen intelligenten Mix an Fertigungsstandorten aufzuweisen. Mit den KATEK-Gruppengesellschaften decken wir diese Kriterien bereits weitgehend ab, werden aber durch gezielte weitere Akquisitionen komplementäre Skills und Fertigkeiten hinzufügen. Der fragmentierte EMS-Markt in Europa spielt uns dabei in die Hände.

Die großen EMS-Konzerne sind weltweit aufgestellt. Ist die weltweite Expansion eine Option für Sie?

Rainer Koppitz:  Wir glauben, dass die räumliche Nähe zu den Kunden ein Vorteil ist, nicht nur in logistischer Hinsicht. Deutsche beziehungsweise  europäische Mittelständler wollen mit Partnern auf Augenhöhe, von Angesicht zu Angesicht arbeiten, dabei hilft dasselbe Verständnis von Engineering und Firmenkultur. Wir könnten uns aber vorstellen, einen Europäer zu akquirieren, der gleichzeitig Produktionsstandorte in Asien zum Beispiel in Malaysia, Thailand oder Vietnam hat. Lateinamerika könnte ebenfalls eine Bereicherung sein.

Das kürzlich gekaufte Unternehmen Bebro und die dazugehörige Firma Beflex bietet Hardware- und Software-Dienstleistungen und Prototyping an. Wie sehen Sie die Zukunft von Entwicklungsdienstleistern?

Rainer Koppitz:  Die Spezialisierung von Beflex ist das Geschäft mit Prototypen und Kleinserien, die in enger Zusammenarbeit mit den Ingenieuren der Kunden erstellt werden. Beflex hat den gesamten Prozess von der Entwicklung, über den Prototyp zur Serie professionalisiert und kann daher Prototypen von elektronischen Baugruppen sehr schnell, kostengünstig und qualitativ hochwertig liefern. Als eigenständige GmbH mit P&L-Verantwortung und maximaler Kundennähe bleibt Beflex wie alle anderen „Schnellboote“ im KATEK-Flottenverband agil, flexibel und unternehmerisch, so wie ihre Kunden. Ich sehe für die Zukunft den Ausbau der KATEK vom reinen, klassischen EMS-Auftragsfertiger zum ODM. Dafür brauchen wir mehr Entwicklungskompetenzen. Wir sind heute sehr stark in der Entwicklung bei Embedded Systems,  im Bereich Leistungselektronik, beispielsweise für die Solarbranche sowie für den Themenkomplex eMobility / Intelligentes Laden. Hier werden wir uns verstärken. Es gibt aber auch noch weitere Felder, wo wir großes Potenzial sehen.