Die Zahlen sprechen für sich: Rund 646 Milliarden Euro haben Unternehmen zwischen Rhein und Ruhr laut Weltbank 2015 erwirtschaftet – das sind 21,3 Prozent des deutschen oder 4,4 Prozent des  gesamteuropäischen BIP. Kein anderes Bundesland erzielte einen höheren Anteil. Neben Konzernen haben viele mittelständische Unternehmen und „Hidden Champions“ in Nordrhein-Westfalen ihren Stamm- oder Hauptsitz. Zu diesen wenig bekannten Marktführern zählen auch Firmen der hiesigen Elektroindustrie: Besonders stark ist die Region in der Licht- und Installationstechnik aufgestellt, darüber hinaus spielt die Automatisierung eine gewichtige Rolle. Laut ZVEI ist die Branche der drittgrößte Industrie-Arbeitgeber im Bundesland. So beschäftigten im Jahr 2015 1100, überwiegend mittelständisch geprägte Elektro-Unternehmen insgesamt 155.000 Arbeitnehmer. Der Export ist dabei unverzichtbarer Motor, denn 16,6 der insgesamt 33 Milliarden Euro Jahresgesamtumsatz stammen aus dem Ausland.

Wirtschaftsfaktor Familienunternehmen

Die Geschwister Schukat führen ihre Distributionsfirma als Familienunternehmen - typisch für NRW.

Die Geschwister Schukat führen ihre Distributionsfirma als Familienunternehmen – typisch für NRW. Schukat

Trotz aller Internationalität ist die nordrhein-westfälische Wirtschaft geprägt von der unternehmerischen Initiative einzelner Familien. Laut einer Studie des BDI waren 2016 die meisten deutschen großen Familienunternehmen in Nordrhein-Westfalen ansässig, 1195 insgesamt. Eines davon ist der Bauelemente-Distributor Schukat Electronic aus Monheim am Rhein. 1964 von Hans-Georg Schukat gegründet, wird das rund 145 Mitarbeiter zählende Unternehmen mittlerweile von der zweiten Generation geführt.

Die Geschwister Bert, Georg und Edith Schukat haben sich vorgenommen, 2017 zum ersten Mal in der Firmengeschichte die Umsatzschwelle von 100 Millionen Euro zu durchbrechen. „Wir setzen allein auf organisches Wachstum und investieren nochmals in weitere Vertriebsspezialisten“, erläutert Vertriebsleiter Axel Wieczorek die Wachstumsstrategie. „Zugleich bauen wir unseren Bereich Business Development aus.“ Zudem soll der Bau eines komplett automatisierten Lagers zusätzlichen Stauraum bringen. Platz wird auch für den Ausbau des Portfolios benötigt: 2017 soll unter anderem das Power-Supply-Programm kontinuierlich erweitert werden.

Der Messestand von Harting auf der Hannover Messe 2016. In diesem Jahr gab es ein rundes Jubiläum zu feiern.

Der Messestand von Harting auf der Hannover Messe 2016. In diesem Jahr gab es ein rundes Jubiläum zu feiern. Harting

Ein weiteres Familienunternehmen feiert in diesem Jahr Jubiläum: Seit 70 Jahren ist Verbindungstechnik-Spezialist Harting in 2017 auf der Hannover Messe vertreten und gehört damit dem exklusiven Klub der noch immer aktiven Besucher der ersten Stunde an. Noch länger, seit ihrer Gründung 1945, ist die Firma Nordrhein-Westfalen verbunden. In Minden wurden zunächst Alltagshelfer wie Waffel- oder Bügeleisen hergestellt, die Mitgründerin Marie Harting schon einmal per Fahrrad auslieferte und gegen Brot oder Fett eintauschte. 1950 ließen sich Dietmar und Marie Harting im ostwestfälischen Espelkamp nieder und bauten Firma und Stammsitz sukzessive aus. Durch die Jahrzehnte änderte sich nicht nur die Produktpalette von Musikboxen hin zu Zigarettenautomaten und Steckverbindern. Auch in der Chefetage übernahmen Jürgen und Dietmar sowie dessen Ehefrau Margit Harting das Ruder. Mittlerweile steht die dritte Generation – Philip F.W. Harting und Maresa W.M. Harting-Hertz – einem international ausgerichteten Unternehmen vor.

 

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