Ein unterschätzter Industrie-Standort: Das Elektronik-Valley

Im Kreis Lippe ist ein wenig bekannter Industriestandort beheimatet: das sogenannte Elektronik-Valley. Hier entsteht ein großer Teil der weltweiten Verbindungstechnik wie zum Beispiel von Weidmüller.

Im Kreis Lippe ist ein wenig bekannter Industriestandort beheimatet: das sogenannte Elektronik-Valley. Hier entsteht ein großer Teil der weltweiten Verbindungstechnik wie zum Beispiel von Weidmüller. Weidmüller

Der auf den ersten Blick beschaulich anmutende Landkreis Lippe beheimatet einen bedeutenden Industriestandort: Das Elektronik-Valley, auch „Klemmen-Valley“ genannt, beschreibt einen Radius von rund 70 Kilometern, in dem das Gros der weltweit verwendeten Reihenklemmen und Steckverbinder hergestellt wird. „Nach dem Krieg verlegten mehrere Elektrotechnik-Unternehmen ihren Standort aus anderen Städten nach Lippe, da der Gebäudebestand hier noch relativ intakt war“, sagt Horst Kalla, Fachpresse-Referent von Weidmüller. Hinzu kam eine gute Verkehrsanbindung. So wagte neben Phoenix Contact auch die Weidmüller-Gruppe einen Neuanfang in der Region – 1948 zog das Unternehmen von Chemnitz nach Detmold, und blieb bis heute.

2016 erzielte das Elektrotechnik-Unternehmen einen Umsatz von 680 Millionen Euro. Von den insgesamt 4500 Mitarbeitern arbeiten rund 1800 in Detmold, wo nicht nur die Produktentwicklung und Teile der Fertigung beheimatet sind, sondern von wo aus auch die weltweiten Aktivitäten gesteuert werden. Die weltweite Aufstellung für das Unternehmen mit einem Umsatz-Auslandsanteil von 78,4 Prozent zentral, vor allem China hat sich zuletzt zum bedeutenden Absatzmarkt entwickelt.

Anfang des Jahres etablierte Weidmüller einen Geschäftsbereich, der darauf spezialisiert ist, Maschinen- und Anlagendaten zu erfassen, mittels intelligenter Verfahren auszuwerten und Anomalien aufzudecken. In Detmold begannen zudem die Bauarbeiten zu einem neuen Customer & Technology Center, das die globale Mitarbeiter-Vernetzung vorantreiben und technologische Kompetenzen bündeln soll. „In Nordrhein-Westfalen investieren wir in die Standortsicherung“, erklärt Horst Kalla. „Aktuell suchen wir zum Beispiel nach einem geeigneten Ort, um unseren Automatisierungsbereich auszubauen.“

Nordrhein-Westfalen ist auch als Wissenschaftsstandort bedeutend. Hier lernen Mädchen am Girls' Day an der Universität Düsseldorf die Möglichkeiten technischer Studienfächer kennen.

Nordrhein-Westfalen ist auch als Wissenschaftsstandort bedeutend. Hier lernen Mädchen am Girls‘ Day an der Universität Düsseldorf die Möglichkeiten technischer Studienfächer kennen. Universität Düsseldorf

Von Girls‘ und Boys‘ Day bis Technologiezentrum

„Viele verbinden mit Nordrhein-Westfalen Köln, Düsseldorf und das Ruhrgebiet“, sagt Berni Lörwald vom Automatisierungstechnik- und Elektrotechnik-Hersteller Phoenix Contact. „Ostwestfalen-Lippe fällt in der öffentlichen Wahrnehmung manchmal etwas ab.“ Doch genau dort, genauer gesagt, in Blomberg, hat der „Weltmarktführer mit mittelständisch geprägter Unternehmenskultur“, der jährlich um die 2 Milliarden Euro umsetzt, seinen Stammsitz. Während flexible Arbeitszeiten, eine betriebliche Gesundheitsförderung mit Sportangeboten oder vielfältige Weiterbildungsangebote Fachkräfte ansprechen sollen, bietet die Unternehmensgruppe auch in acht technischen Berufen ein duales Studium an. Elektrotechniker in spe können nach vier Jahren an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe ihren Abschluss machen – Gehalt sowie ein Praxisjahr bei Phoenix Contact sind dabei inklusive.

Noch früher setzt der Bünder Gehäusehersteller Bopla an, der Teil der Schweizer Phoenix-Mecano-Gruppe ist: Regelmäßig nimmt das Unternehmen am Girls‘ und Boys‘ Day teil, um das Interesse an technischen Berufen zu wecken. „Die Jungen und Mädchen können sich an diesem Tag die gesamte technische Kette anschauen:  vom Auftragseingang über die Konzeption und Produktion, bis hin zur Auslieferung“, erklärt Andreas Krömer, Leiter Konstruktion. Sicher gibt es im Reinraum und in den Entwicklerbüros einiges zur Touch-Display-Technik und den 3D-Druck-Verfahren zu entdecken, in die das Unternehmen derzeit investiert.

Punkten können in Sachen Bildung auch die Großstädte, für die Nordrhein-Westfalen weithin bekannt ist. Viele der insgesamt 70 Hochschulen sind hier beheimatet, ebenso viele der 60 Technologiezentren und mehr als 50 hochschulexterne Forschungseinrichtungen. „Die Infrastruktur ist hervorragend und kein anderes Bundesland verfügt über eine derartige Hochschuldichte wie NRW. Die Zahl der Forschungseinrichtungen ist beachtlich“, bekräftigt Michael Hannawald, President of Renesas Electronics Europe. Speziell für einen Halbleiter-Konzern ist die Anbindung an die neuesten Entwicklungstrends ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor. Dass das japanische Unternehmen, das seit 1969 (damals noch als NEC) in Düsseldorf seinen Hauptsitz hat, sich speziell für diese Stadt entschieden hat, hat auch einen anderen Grund: „Knapp 400 japanische Unternehmen sind in der Stadt ansässig.“ Die 7000 Japaner in der Rheinmetropole bilden die drittgrößte japanische Gemeinde in Europa.

 

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