Auf Anfrage von all-electronics erklärte Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto, dass sein Unternehmen langfristig im Bereich Elektromobilität Umsätze erzielen möchte, die „den Dachsystemen ebenbürtig“ sind – und mit letzteren generierte Webasto in 2019 über 3 Milliarden Euro Umsatz.

Dr. Holger Engelmann (Webasto): „Wir wollen führender Systemanbieter für Elektromobilitätslösungen werden.“

Dr. Holger Engelmann (Webasto): „Wir wollen führender Systemanbieter für Elektromobilitätslösungen werden.“ Webasto

Noch erzielt Webasto nur 1 % seines Umsatzes im Bereich Batterien und Ladelösungen, aber langfristig soll sich das gewaltig ändern und im Milliardenbereich liegen. Ziel sei es, „führender Systemanbieter für Elektromobilitätslösungen“ zu werden, betont Dr. Holger Engelmann. Einer der Gründe dafür, dass Dr. Engelmann derart progressive Pläne verkündet, liege in der Tatsache, dass Webasto „aus einer Hand umfassende Elektromobilitätskompetenz“ biete – und zwar mit einem „ganzheitlichen Ansatz und globalen Standards“. Auf der Produktseite sollen „leistungsstarke Batteriesysteme, intelligente Ladelösungen, innovative Heizungssysteme und ein integriertes Thermomanagement“ dieses rasante Wachstum ermöglichen. Auf der CES hat Webasto in diesem Jahr bereits indirekt seine Lösungen präsentiert – und zwar auf dem Stand von Ford im E-Mustang sowie an der zugehörigen Ladesäule.

Batterie-Auftrag aus Südkorea

Gemeinsam mit einem „global tätigen Pkw-Hersteller“ läuft bereits ein Webasto-Entwicklungsprojekt für mehrere Fahrzeugmodelle der Klein- und Mittelklasse auf Hochtouren. Bereits ab dem Jahr 2022 soll dann die Produktion in Südkorea erfolgen, denn der entsprechende Auftrag ist bereits erteilt.

Nicht nur Pkws sondern auch Nutzfahrzeuge

Auch Nutzfahrzeuge elektrifiziert das Unternehmen aus Stockdorf bei München. So soll bereits „Anfang 2020“ (was immer das in Corona-Zeiten heißt) die Serienproduktion für einen europäischen Bushersteller anlaufen, und auch der Auftrag eines japanischen Herstellers für leichte Nutzfahrzeuge, der in China produziert, sei bereits eingegangen. Zudem laufen derzeit weitere Projekte und Kooperationen in Europa und den USA wie zum Beispiel die Umrüstung von Bussen am Münchener Flughafen oder die Ausstattung von Kommunalfahrzeugen.

Mit einem „effizienten ganzheitlichen Thermomanagement“ und der Vernetzung aller Komponenten eines Busses, die Heiz- oder Kühlbedarf haben, erziele Webasto eine „Reichweitenerhöhung um bis zu 25 % und eine Verlängerung der Batterielebensdauer“, hebt Dr. Engelmann hervor. Durch das Baukastenprinzip seien „alle Elemente aufeinander abgestimmt, aber nicht voneinander abhängig“. Erste Projekte auf dieser Basis mit europäischen Herstellern von Stadtbussen laufen bereits; sie sollen konstante Temperaturen für Fahrgäste, Batterie, Antrieb und Elektronik ermöglichen.

Hoher Auftragseingang bei Batterien, Heizung und Thermomanagement

Mit einem „effizienten ganzheitlichen Thermomanagement“ und der Vernetzung aller Komponenten eines Busses, die Heiz- oder Kühlbedarf haben, will Webasto die Reichweite um 25 % erhöhen.

Mit einem „effizienten ganzheitlichen Thermomanagement“ und der Vernetzung aller Komponenten eines Busses, die Heiz- oder Kühlbedarf haben, will Webasto die Reichweite um 25 % erhöhen. Webasto

In 2019 machte das Stockdorfer Unternehmen 84 % seines Gesamtumsatzes von 3,7 Milliarden Euro mit Dachsystemen, 15 % im Bereich Heizen und Kühlen sowie 1 % (43 Millionen Euro) mit Batterien und Ladelösungen. In diesem Jahr verzeichnete Webasto allerdings bereits einen Auftragseingang von 900 Millionen Euro im Gesamtbereich Batterien, Heizung und Thermomanagement. Auf Anfrage der Redaktion betonte Dr. Engelmann, dass in den 900 Millionen Euro „nur der Webasto-Anteil, aber nicht die Kosten für die Batteriezellen selbst“ enthalten ist.

Globale Lage in Zeiten von Covid-19

Die globale Lage sieht Dr. Engelmann als „extrem unsicher“, so dass aktuell keine seriöse Jahresprognose möglich sei, zumal der „Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht erreicht“ sei. All das werde natürlich gravierende Auswirkungen auf die Geschäftszahlen haben. In Summe schaut Dr. Engelmann positiv nach vorn: „Sobald die Konjunktur wieder anzieht, werden wir unseren Wachstumskurs fortsetzen.“