Aderendhülsen sind eine Erfindung der sechziger Jahre. Damals ging es primär um den mechanischen Schutz des Kupferleiters in der Klemmverbindung. Häufig kontaktierte die Klemmschraube direkt auf dem Leiter – was zu Beschädigungen oder gar Drahtbruch führte. Hier bietet die Hülse einen mechanischen Schutz. Alternativ wurden die Litzenenden auch verlötet – allerdings zeigt Lötzinn unter Druck- und Temperatureinfluss ein starkes Fließverhalten. Dabei traten häufig Kontaktprobleme auf, was letztlich zum normativen Verbot dieser Methode führte.

Eckdaten

Aderendhülsen bieten in elektrotechnischen Anlagen in mechanischer wie auch in elektrischer Hinsicht viele Vorteile. Ein gewissenhaft durch­geführter Verarbeitungsprozess ist neben der Materialgüte und hochwertigem Werkzeug Grundvor­aussetzung für optimale und wirtschaftliche Arbeitsergebnisse. Unter diesen Voraussetzungen bieten Aderendhülsen – zum Beispiel in Kombina­tion mit Push-in-Anschlusstechnik von Phoenix Contact – ein hohes Maß an Effizienzsteigerung bei der Verdrahtung.

Auch bei den heutigen innovativen Anschluss­techniken ist die Vorkonfektionierung der Litzenenden weit verbreitet. Denn nach wie vor bringt die Aderendhülse einige Vorteile mit sich. Außerdem bietet der Prozess der Leitervor­behandlung – Ablängen, Abisolieren, Vercrimpen – ein hohes Optimierungs- und Einsparpotenzial.

Was sagen die Normen?

Ein flexibler Kupferleiter muss nicht mit einer Aderendhülse konfektioniert werden. Normativ unterliegen alle Schraub- und schraubenlosen Klemmverbindungen der EN 60999-1/VDE 0609. Darin ist eindeutig festgelegt, dass eine mechanische Leiterklemmstelle – unabhängig vom Klemmprinzip – herstellerseitig so ausgelegt sein muss, dass alle unvorbereiteten Leiterarten sicher ange­schlossen werden können: starr-eindrahtige, starr-mehrdrahtige und flexible Leiter sind direkt ohne Vorbehandlung anschließbar. Die Norm bezieht sich dabei ausschließlich auf Kupfer­leiter.

Normativ existiert die Aderendhülse nur als Möglichkeit einer Leitervorbehandlung – sie stellt lediglich einen Verspleißschutz dar, der den Anschluss von flexiblen Leitern erleichtert. In einer Schraub- oder schraubenlosen Klemm­verbindung gemäß EN60999-1 ist die Verwendung einer Aderendhülse weder vorgeschrieben noch ausgeschlossen. Hier haben Anwender die Qual der Wahl. Auch in der Reihenklemmen-Norm IEC 60947-7-1 wird ausgewiesen, dass ein Hersteller eine Leitervorbehandlung angeben muss, wenn sie für einen sicheren Leiteranschluss relevant ist. Bei Phoenix Contact sind alle Klemmstellen über die normativen Anforderungen hinaus für den Leiteranschluss aller Leiterarten – mit und ohne Aderendhülse – qualifiziert (Bild 2).

Vorteile der Aderendhülse

Bild 1: In vielen Schaltschrank-Komponenten werden Leiter mit Aderendhülsen angeschlossen. Mit der Push-in-Anschlusstechnik werden sie direkt und werkzeuglos verdrahtet.

Bild 1: In vielen Schaltschrank-Komponenten werden Leiter mit Aderendhülsen angeschlossen. Mit der Push-in-Anschlusstechnik werden sie direkt und werkzeuglos verdrahtet. Phoenix Contact

Neben dem Schutz vor Beschädigung bietet die Aderendhülse einen weiteren mechanischen Vorteil bei der Verdrahtung: Aufspleißen und Überbiegen einzelner Litzenenden werden vermieden. Gerade bei mehrfacher Umverdrahtung im Schaltschrank ist dies vorteilhaft – auch im Hinblick auf die Sicherheit. Die Hülse bündelt alle Einzellitzen, und durch den Crimp-Vorgang werden Leiter und Hülse dauerhaft und unlösbar verbunden.

In unübersichtlichen Einbausituationen werden Einzellitzen oft nicht sauber kontaktiert, wobei mitunter Luft- und Kriechstrecken verändert und sogar Überschläge ausgelöst werden können. Aderendhülsen mit Kunststoffkragen bieten zudem den Vorteil, dass die Leiterisolierung vollstän­dig in den Hülsenkörper eintaucht und überlappt und damit einen Knickschutz bietet. Der farblich gestaltete Kunststoffkragen identifiziert dabei unterschiedliche Querschnittsbereiche.

Bild 2: Die Reihenklemmen aus dem Produktprogramm Clipline complete sind für alle gängigen Leiterarten qualifiziert und freigegeben.

Bild 2: Die Reihenklemmen aus dem Produktprogramm Clipline complete sind für alle gängigen Leiterarten qualifiziert und freigegeben. Phoenix Contact

Auch auf der elektrischen Seite punktet die Aderendhülse. Marktübliche Aderendhülsen bestehen aus hochleitenden Kupferwerkstoffen. Die Ober­fläche ist meist mit einer Verzinnung als Korrosionsschutz versehen. Aus elektrotechnischer Sicht ist die kraft- und formschlüssig verpresste Aderendhülse eine Übergangsstelle im Stromfluss und daher besser zu vermeiden. Denn schließlich impliziert jede Übergangsstelle auch einen Übergangswiderstand.

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