Mit ihrer wachsenden Größe und Anzahl im Fahrzeug rücken einzelne Displays tendenziell immer dichter aneinander heran. Dabei können auch Displays mit unterschiedlichen Technologien (etwa mit oder ohne berührungssensitiver Oberfläche) direkt nebeneinanderliegen.

Trends wie der Ersatz von Außenrückspiegeln durch aerodynamisch günstigere Kameras und die Darstellung der „Spiegelinhalte“ auf Displays im Innenraum können in künftigen volldigitalen Cockpits durchaus dazu führen, dass der Fahrer und der Beifahrer vier bis sechs Displays mehr oder weniger gleichzeitig im Blick haben. Manche dieser Displays liegen inzwischen auch unter dreidimensional geformten, gebondeten Oberflächen. Zusätzlich werden immer mehr Displays nicht von einer Hutze geschützt (anders als beispielsweise das Kombi-Instrument), womit die Dynamik der Umgebungslichtverhältnisse an Einfluss gewinnt. Hohe Kontraste und hohe Leuchtstärken sind unter diesen Einsatzbedingungen wichtig, um ein Überstrahlen des Displays durch helles Licht zu vermeiden. Gerade hohe Kontraste von >1000:1 machen jedoch auch etwaige Toleranzen bei der Schwarzhomogenität deutlicher sichtbar. Technische Trends wie schmalere Ränder mit weniger als 5 mm Breite machen beispielsweise Kantenlichteffekte auffälliger.

Sensible Wahrnehmung

Eck-Daten

Wegen der Toleranzketten bei Automobildisplays sowie den fertig montierten Geräten ist es zur Harmonisierung verschiedener Anzeigeelemente empfehlenswert, den Weißort und die RGB-Farbwerte für jedes einzelne Display am Bandende zu korrigieren. Im Beitrag beschreibt Continental die dabei zum Einsatz kommenden Algorithmen, die bei Bedarf im Zuge einer 100-Prozent-Prüfung sowohl den Weißwert als auch die dominanten Wellenlängen bei RGB korrigieren. Mit einem neuen Messverfahren wird außerdem der Einfluss mechanischer Belastungen auf die Schwarzhomogenität untersucht, um einer Mura-Bildung entgegen zu wirken.

Bild 1: Die Streuung des Weißwertes bei 100.000 gemessenen Displays bekräftigt die Bedeutung der Kalibrierung des Farbortes Weiß; blau: initialer Weißort, rot: Weißort nach Kalibrierung.

Bild 1: Die Streuung des Weißwertes bei 100.000 gemessenen Displays bekräftigt die Bedeutung der Kalibrierung des Farbortes Weiß; blau: initialer Weißort, rot: Weißort nach Kalibrierung. Continental

Zudem sind Displays noch eingebettet in ein optisches Gesamtsystem, zu dem auch beleuchtete Schalter und Taster sowie möglicherweise ein Ambient Lighting gehören, deren Anmutung ebenfalls zu harmonisieren ist, um einen „Farbkasten“ zu vermeiden. Das Auge des Fahrers und der Passagiere ist in diesem Punkt erfahrungsgemäß sensibel: So nimmt der Nutzer gerade im Weißbereich schon kleine Abweichungen zwischen einzelnen Displays, aber auch Fehler in der Schwarzhomogenität vor allem im Nachtdesign, als störend wahr. Bei Weißunterschieden gilt: Erst bei Abweichungen von weniger als 60 Kelvin Farbtemperatur ist das menschliche Auge nicht mehr in der Lage, die Unterschiede aufzulösen. Bei Berücksichtigung der – trotz aller großen Optimierungserfolge seitens der Displayhersteller – unverändert hohen Toleranzbänder sogar innerhalb eines einzigen Displaymodels, so wird klar: Die Kundenanforderungen bei Displays liegen permanent an der Grenze des Machbaren mit Zielvorgaben, die teilweise jenseits der aktuellen Technologiefähigkeiten festgelegt sind.

Die Liste der Anforderungen an einen Systemintegrator ist folglich lang, denn typischerweise stammen die Displays im Cockpit eines Fahrzeugmodells von unterschiedlichen Lieferanten, was die mögliche Streubreite bei Weiß, Farbe und Schwarz noch vergrößert. Das Technologieunternehmen Continental als automobiler Displayeinkäufer und -integrator hat deshalb umfangreiche Mess- und Kalibrierverfahren etabliert, mit denen sich die fertigungsbedingte Streuung bei Displays sehr sorgfältig durch automatisierte Kalibration in einer 100-Prozent Einzelprüfung sicherstellen lässt. Ziel ist es immer, die Streuung bei Weiß und Farbe auf Zielwerte zu justieren. Daneben gilt es eine gute Schwarzhomogenität zu erreichen, wobei auch der Einfluss zu berücksichtigen ist, den der Einbau des Displays in das Gerät ausübt.

 

Wie der Weißabgleich im Detail funktioniert, beschreibt der Artikel auf der nächsten Seite.

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