Als disruptive Technologie wird Industrie 4.0 bezeichnet, soll heißen: Unsere aktuellen Produktionsabläufe werden auf den Kopf gestellt. Wir stehen also vor gewaltigen Herausforderungen. Die Frage ist: Soll oder kann ich mit der Umsetzung erster Projekte beginnen? Sind die Technologien vorhanden, einen konkreten Versuch zu starten? Und wenn ja, wo anfangen und wie? Fragen, die sich Techniker, Produktionsverantwortliche und Management landauf, landab stellen. Antworten gibt die Redaktion IEE zusammen mit den Experten und Machern der Industrie 4.0

Interessanter Cocktail aus Theorie und Praxis

JU-RAMI 4.0 soll den Einstieg in das Neuland juristischer Risikobereiche erleichtern und das Finden von Lösungen ermöglichen.

JU-RAMI 4.0 soll den Einstieg in das Neuland juristischer Risikobereiche erleichtern und das Finden von Lösungen ermöglichen. IIT

Auf dem Automation Summit – Praxisreport Industrie 4.0 berichten Fachleute aus Forschung und Industrie über ihre Fortschritte und Erkenntnisse aus Implementierungen, Testbeds und konkreten Applikationen und stehen Ihnen Rede und Antwort. Spätestens wenn die Systeme autonomes Verhalten entwickeln sollen, sich automatisch miteinander koppeln und ‚Vereinbarungen‘ treffen, kommen auch Themen wie Haftung und Schadenersatz ins Spiel.

Schnittstelle zwischen Technik und Recht

Recht kann Innovation hemmen, kann sie aber auch vorantreiben“, weiß Uwe Seidel, Seniorprojektmananger System Innovation am Institut für Innovation und Technik (IIT) in Berlin. Ob das eine oder das andere der Fall ist, hängt sehr oft davon ab, wie gut Entwickler und Techniker mit Juristen kommunizieren können – und umgekehrt. Seidel zeigt die rechtlichen Aspekte kollaborierender und selbst­organisierender Maschinen und Komponenten auf. „Leider hat es oft den Anschein, als seien die technische und die juristischen Sphäre durch eine tiefe Kluft des wechselseitigen Unverständnisses getrennt“, so Seidel.

An diesem Punkt soll das juristische Referenzarchitekturmodell ‚Ju-RAMI 4.0‘ Abhilfe schaffen. Das Referenzmodell soll helfen, Vertrautes mit Unvertrautem zu verknüpfen und so neue Erkenntnisse in bislang fremden Fachgebieten zu gewinnen. Konkret geht es darum, ein technisches Referenzmodell so fortzuentwickeln, dass es juristisch relevante Risikobereiche mit bestimmten Rechtsgebieten verbindet. Der Betrachter soll in die Lage versetzt werden, die Dimensionsvielfalt des für ihn einschlägigen Rechts auf einen Blick zu erfassen sowie die Verbindung zwischen Schadenstyp und konkret ‚zuständigem‘ Rechtsgebiet zu erkennen. Am Ende kann der Techniker ohne großen Aufwand erste Informationen finden, die helfen können, Problemlage und möglicherweise auch schon in der Zukunft denkbare Problemlösungen mit juristischen Experten zu besprechen.

Daten-Moloch Industrie 4.0 will gefüttert werden

Stefan Schönegger von B&R zeigt anhand konkreter Implementierungen Potenzial und Grenzen von Ethernet TSN in Kombination mit OPC UA.

Stefan Schönegger von B&R zeigt anhand konkreter Implementierungen Potenzial und Grenzen von Ethernet TSN in Kombination mit OPC UA. B&R

Stefan Schönegger (B&R) zeigt das Potenzial von OPC UA in Kombination mit Ethernet Time-Sensitive Networking (TSN) auf. Maschinen- und Anlagenbauer setzen große Hoffnungen in diesen Mix. Während diese Hoffnungen bisher auf theoretischen Überlegungen und Technologien in der Entwicklung basierten, haben Automatisierungsspezialisten wie B&R Versuche durchgeführt, um die Leistungsfähigkeit von OPC UA TSN für die Kommunikation von der Linien- bis zur ERP-Ebene zu erproben. Zeitkritische Anwendungen auf Linienebene, wie die Synchronisierung von Förderbändern mit unterschiedlichen Maschinen- oder Anlagenteilen wurden getestet. Die Ergebnisse lassen hoffen, zumal in einem Testbed des Industrial Internet Consortiums die Eigenschaften im Zusammenspiel mit Komponenten von National Instruments, Cisco, Schneider Electric, Bosch, GE, Intel und TTTech den Beweis antreten.

KMU aufgewacht!

„Kleine und mittlere Unternehmen aus dem Produktionsbereich sind gegenüber Industrie 4.0 noch viel zu zurückhaltend“, ist Prof. Gunther Reinhart von der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) sicher. Viele Unternehmen spüren die Dringlichkeit nicht, sich mit Industrie 4.0 zu beschäftigen, weil sie die Potenziale noch nicht erkannt haben. Zeit für einen Perspektivenwechsel aus Sicht der Produktion auf Industrie 4.0.

Mehr Informationen zum Automation Summit – Praxisreport Industrie 4.0 unter www.automation-summit.de.