Dr. Hans Egermeier, Business Manager Automation Software: „Bei Mapp View müssen die Projekteure kein HTML 5, CSS oder Javascript programmieren können, um eine Web-Visualisierung zu erstellen.“

Dr. Hans Egermeier, Business Manager Automation Software: „Bei Mapp View müssen die Projekteure kein HTML 5, CSS oder Javascript programmieren können, um eine Web-Visualisierung zu erstellen.“ Redaktion IEE

Ausgehend vom bisherigen Jahresverlauf rechnet General Manager Peter Gucher mit einem Wachstum von 11 bis 14 %. Bezogen auf die 535 Millionen Euro in 2014 kalkuliert er mit rund 600 Millionen. „Aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Unsicherheiten können wir das nicht so exakt vorhersagen, wie in den vergangenen Jahren“, so Gucher, der hier unter anderem China anführt. Parallel zum Umsatz hat sich die Mitarbeiterzahl mit 5 bis 6 % moderater auf inzwischen rund 2 800 erhöht. Davon sind rund 550 Applikationsingenieure, die Maschinen- und Anlagenbauer bei der Umsetzung innovativer Steuerungskonzepte unterstützen. „Immer mehr sind dabei im Bereich Fabrikautomation aktiv“, so Gucher. Das bei B&R noch relativ junge Geschäftsfeld hat einen wachsenden Anteil am Umsatz. Hier kombiniert das Unternehmen die eigenen Standard-Komponenten und Software zu Lösungen. „In unserer eigenen Fertigung leben wir die vollständig vernetzte Smart Factory seit Jahren und entwickeln unsere Lösungen beständig weiter“, erläutert Gucher anhand der eigenen Panel- und PC-Fertigung. Allein hier können Kunden über einen Web-Konfigurator aus theoretisch zwei Milliarden Konfigurationen ihr System spezifizieren. Aus diesen individuellen Konfiguration organisiert das ERP-System automatisch die Fertigung jedes Produkts – bis hinunter zu Losgröße 1. „2014 haben wir auf diese Weise 175 000 Panels und PCs produziert“, so Gucher.

Neuheiten zur SPS IPC Drives: Web-Visu und ARM-Controller

Die Basis für die weitere Unternehmensentwicklung sind Innovationen, für deren Vorstellung B&R seit Jahren SPS IPC Drives als Plattform nutzt. Das diesjährige Highlight ist die nächste Ausbaustufe der Softwareplattform Mapp, die 2014 vorgestellt wurde: Mapp View. Ziel von Mapp ist es, die Produktivität bei der Programmierung durch gekapselte Technologiefunktionen zu steigern. Verantwortlich dafür sind die von jedem Modul bereitgestellten Basis-Verknüpfungen für Diagnose, Fehlermeldungen, Energie/Datenmonitoring, die der Programmierer bei Bedarf einfach aktiviert. „Bis zur SPS werden wir die Anzahl an getesteten und zertifizierten Mapp-Modulen von anfangs 70 auf 150 bis 160 verdoppelt haben,“ erklärt Hans Egermeier, Leiter der Business Unit Software.

„Die B&R-Lösungen für Fabrikautomatisierung beschleunigen die praktische Umsetzung von Industrie-4.0-Anforderungen“, sagt Peter Gucher, General Manager bei B&R.

„Die B&R-Lösungen für Fabrikautomatisierung beschleunigen die praktische Umsetzung von Industrie-4.0-Anforderungen“, sagt Peter Gucher, General Manager bei B&R. Redaktion IEE

Mit Mapp View kommt nun eine wichtige Komponente dazu – eine webbasierte Visualisierungslösung. „Wir geben dem Automatisierer damit die Möglichkeit, Web-Technologien erstmals direkt in der Automatisierungssoftware zu nutzen und einfach zu bedienende Visualisierungslösungen selbst zu erstellen“, so Egermeier. Webbasiert heißt HTML 5. Kenntnisse der dahinterliegenden Technologien, die schließlich nicht für die Automation erfunden wurde, sind nicht notwendig. „Damit das funktioniert und im Automation Studio nutzbar ist, wurde HTML 5 in eine Hülle gepackt, die erst die Modularisierung vergleichbar mit Mapp ermöglicht. In der Entwicklungsumgebung stehen integrierte Visualisierungs-Bausteine – Widgets – zur Verfügung, die alle Funktionen einer Maschinen-Benutzeroberfläche bereitstellen. Die Widgets werden per Drag-and-drop auf die gewünschte Seite gezogen und parametriert. Ein Problem bleibt: Die Implementierung des HTML5-Standards ist nicht in allen Browsern identisch. Egermeier favorisiert daher Google Chrome: „In dem Browser wurde HTML 5 am besten umgesetzt.“

Integriert ins Automation Studio und deren Runtime, läuft die Web-Visualisierung auf den diversen Hardware-Plattformen von B&R. Auch hier bahnt sich ein Novum an: „Wir haben erstmals unsere Automation-Runtime auf eine ARM-CPU portiert und eine CPU-Baureihe mit Cortex-ARM-Prozessoren aufgelegt,“ betont Anton Meindl, Business Manager Controls. Das Ziel der Steuerungsfamilie Compact-S ist, den Energieverbrauch weiter zu senken und die Rechenleistung zu steigern. Im X20-Formfaktor stehen fünf Ausführungen zur Verfügung. Standardmäßig verfügen die Steuerungen über USB-, Powerlink- und Gigabit-Ethernet-Anschlüsse. Optional ist auch eine weitere CAN-Schnittstelle verfügbar. Erfordert die Anwendung zusätzliche Schnittstellen, kann die Steuerung um X20-Schnittstellen-Steckplätze erweitert werden, die weitere Feldbusse unterstützen. Die leistungsstärkste Ausführung erreicht Zykluszeiten bis 400 µs und verfügt über 256 MB RAM und 2 GB internen Flash-Drive. Wer diese Performance nicht benötigt, wählt zum Beispiel die Ausführung mit maximal 800 µs oder mit 1 ms Zykluszeit. Für Maschinen, die kein Echtzeitnetzwerk benötigen, eignen sich die beiden kleinsten Ausbaustufen mit Fast-Ethernet und 2 ms beziehungsweise 4 ms Zykluszeit.

SPS IPC Drives 2015 – Halle 7, Stand 206

Bildergalerie
Die Steuerungen Compact-S von B&R sind modular erweiterbar und zählen mit einer Breite von 37,5 mm inklusive Netzteil zu den kompaktesten Vertretern ihrer Klasse.
Der Site Manager der Fernwartungslösung kann via LAN, WLAN und Mobilfunk angebunden werden und berücksichtigt die gängigen Firewall-Regeln der IT-Abteilungen.
Da bei der Open-Safety-Sicherheits-Lichtschranke jeder Lichtstrahl überwacht und ausgewertet wird, entfallen bei Muting-Anwendungen zusätzliche Sensoren und sichere I/Os.

Maintenance, Servotechnik und Safety-Sensorik

Sichere Fernwartung
Mit der Fernwartungslösung Site Manager können Maschinen und Anlagen im Einklang mit gängigen IT- und Sicherheitsrichtlinien diagnostiziert und gewartet werden. Die Grundlage bildet eine zertifikatgesicherte und verschlüsselte VPN-Verbindung zwischen dem Site Manager an der Maschine und einem Gateway, das typischerweise im Service-Center des Maschinenbauers steht. Dort sind sämtliche Zugriffsberechtigungen für bis zu 10 000 Maschinen hinterlegt – administriert über eine Software für das Maschinen-Pool-Management. Über digitale Ein- und Ausgänge kann am Site Manager zum Beispiel ein Schlüsselschalter angeschlossen werden, um Wartungszugriffe freizuschalten. Vor unerwünschten Zugriffen schützt eine integrierte Firewall. Um Sicherheitskonflikte mit werksseitigen Firewalls zu vermeiden, läuft die Kommunikation über Firewall-verträgliche, verschlüsselte Web-Protokolle. Zusätzliche Ports müssen nicht geöffnet werden. Der Site Manager wird über die Automatisierungssoftware Automation Studio parametriert. Wo eine Anbindung über LAN oder WLAN nicht möglich oder erwünscht ist, kann die VPN-Verbindung via GPRS- und UMTS aufgebaut werden.

2-Achs-Servo mit Netzrückspeisung
Bei den doppeltbreiten Modulen der Acopos P3- Servoverstärkern ist die Rückspeisung effizient umgesetzt. Eine der Achsen des Doppelachsmoduls ist als Rückspeisepfad konfiguriert. Sie speist die überschüssige Energie zurück ins Netz. Bereits bei Rückspeiseleistungen von 500 W amortisiert sich die Funktion innerhalb eines Jahres. Die Netzrückspeisung unterstützen ebenso die aktiven Leistungs-Versorgungsmodule der Multiachs-Antriebe Acopos Multi. Zusätzlich verfügen diese Modelle über weitere Eigenschaften wie die Stabilisierung der Zwischenkreisspannung und Blindleistungskompensation.

Netzwerkfähiges Safety-Lichtgitter
In Kooperation mit Datalogic wurde ein Sicherheitslichtgitter mit integriertem Powerlink-Interface und Open Safety entwickelt, die im Sommer 2016 serienreif sein soll. Die Kombination erleichtert die Verdrahtung und Projektierung bis hin zur Diagnose enorm. Dadurch entfällt nicht nur die aufwendige Verdrahtung der Lichtgitter. Da sich jeder Strahl einer Lichtschranke überwachen und auswerten lässt, können Sicherheits-Applikationen wie Muting ohne zusätzliche Sensoren und deren Verschaltung elegant gelöst werden: Muting, Blanking oder andere Sicherheitsfunktionen sind mittels Automation Studio programmierbar. Schräg montiert erfasst die Safety-Lichtschranke sowohl die x- als auch die y-Achse und erkennt anhand der unterbrochenenen Strahlen die Höhe und Position des Objekts. Für die Volumenmessung von Paketen fehlt eigentlich nur noch die Breite. Die ließe sich mittels Lichttaster und einfacher Differenzbildung ermitteln und mit den Längen und Höhenangaben aus der Safety-Lichtschranke zur Volumenberechnung nutzen. Technisch machbar ist das, da im Controller auch die Safety-Daten zur Verfügung stehen.