Bild 1: Anthony Fox, US Secretary of Transportation (der Verkehrsminister der USA), betrachtet auf dem Stand von Delphi ein 3D-Cockpit im Armaturenbrett.

Bild 1: Anthony Fox, US Secretary of Transportation (der Verkehrsminister der USA), betrachtet auf dem Stand von Delphi ein 3D-Cockpit im Armaturenbrett. Alfred Vollmer

Wer nur in Sachen Automotive auf der CES unterwegs war, der hätte den Eindruck gewinnen können, dass die Abkürzung „CES“ nicht ursprünglich von „Consumer Electronics Show“ kommt, sondern für „Cockpit Electronics Show“ steht, weil die Neuheiten in diesem Bereich so vielfältig sind. Es herrscht eine gewisse Form von Aufbruchstimmung bei den OEMs und Zulieferern. Zum einen bietet die Digitaltechnik zunehmend neue Möglichkeiten und zum anderen müssen sich die Beteiligten ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie die Fahrer(innen) während assistierten oder (hoch)automatisierten Fahrten in der Loop beziehungsweise bei Laune halten.

Ein echtes Highlight waren ganz klar das OLED-Cluster-Display von Visteon (Bild 9), das eine Diagonale von 12,3 Zoll aufweist und gerade einmal 1,09 mm dick ist, was einer Reduktion der Bautiefe im Vergleich zu TFTs um etwa 90 % entspricht. Das rekonfigurierbare OLED-Display, das im Jahr 2019 bereits in Serienfahrzeugen auf der Straße sein soll, bietet mit seinen 1920 x 720 Pixeln ein faszinierend brillantes Bild, das bei entsprechender Ansteuerung auch wie eine edle Uhr aussehen kann. In wenigen Monaten wird Visteon SOP für das in Vegas gezeigte 10,1-Zoll-Display mit einem Dual-View-TFT von Sharp haben. 2018 soll dann zusätzlich eine Touch-Variante folgen.

Bild 2: Das Highlight am Stand von Bosch war ein Touchscreen mit haptischer Rückmeldung, das im Edag-Showcar integriert war.

Bild 2: Das Highlight am Stand von Bosch war ein Touchscreen mit haptischer Rückmeldung, das im Edag-Showcar integriert war.

Alfred Vollmer

Delphi wiederum montierte in einem Demofahrzeug zwei LCDs im Abstand von 10 cm hintereinander, um so einen 3D-Effekt zu erzielen, der auch den US-Verkehrsminister (Bild 1) sichtlich beeindruckte.  Als Einzeldemo ohne Fahrzeug zeigte auch Visteon ein solches 3D-Display mit zwei TFTs in 10 cm Abstand.

DLP-Head-up-Display

Wer aufmerksam auf dem Freigelände unterwegs war, der konnte ein Head-up-Display (HuD) mit höchst beeindruckender Farbwiedergabe entdecken, wobei der abgedeckte Farbraum (Gamut) noch größer ist als beim NTSC-Standard. Yazaki nutzte dabei einen Buick als Versuchsträger, um dieses Breitfeld-HuD auf DLP-Basis (Digital Light Processor von TI) zu demonstrieren. Fotos und Testfahrten waren allerdings verboten – vermutlich auch, weil die Applikation auf der HMI-Seite noch nicht ganz ausentwickelt war.

Bild 3: Dieser Technologiedemonstrator war am Stand von Denso zu sehen.

Bild 3: Dieser Technologiedemonstrator war am Stand von Denso zu sehen.

Alfred Vollmer

Auf jeden Fall projezierte das DLP nicht nur die üblichen Daten wie aktuelle Geschwindigkeit oder Navi-Pfeil sondern auch eine rote Bremsaufforderung („Brake!“) vor einem AEB-Einsatz unübersehbar und mit bisher bei HuDs nicht gekannter Brillanz direkt 2,5 m vor das Sichtfeld des Fahrers, der sogar eine Polarisations-Sonnenbrille tragen darf.  Yazaki will das DLP-HuD bereits für das Modelljahr 2018 mit einem Projektionsfeld von 10 ° x 3 °, einem Kontrast von 1000:1 und einer Helligkeit von mehr als 15.000 cd/m2 anbieten.

Während Yazaki die Vorentwicklung seiner DLP-HuD-Lösung im Wesentlichen abgeschlossen hat, gab Texas Instruments in einem Augmented-Reality-HuD (AR-HuD) bereits einen Vorgeschmack darauf, was die zweite DLP-Generation für den Einsatz im Automobil leistet. TI gelang es bei diesem in Bild 12 sichtbaren Demosystem, die Schärfeebene 10 m vor die Windschutzscheibe zu legen. Insgesamt 400.000 individuell ansteuerbare MEMS-Spiegel von jeweils 7,6 µm x 7,6 µm Größe erzeugten zumindest im abgedunkelten Raum ein Bild mit wirklich beeindruckender optischer Leistung. Zur Positionierung der Elemente im Rahmen der Augmented Reality wertet TI die Blickrichtung der Augen aus, was in Bild 12 links oben zu sehen ist.

Bild 4: BMW lud als Demo für sein Combiner-ähnliches Motorrad-Head-Up-Display zu einer Probefahrt vor einem Bildschirm ein.

Bild 4: BMW lud als Demo für sein Combiner-ähnliches Motorrad-Head-Up-Display zu einer Probefahrt vor einem Bildschirm ein.

Alfred Vollmer

Combiner-HuD

Damit HuDs auch in die besonders preissensitiven Segmente einziehen können, nutzt Continental ein einziges Cluster-TFT-LCD für zwei Anwendungen. Während der untere Teil in bekannter Art und Weise zwischen den Zeigerinstrumenten sichtbar ist, erzeugt der obere Teil des LCDs das im Combiner-HuD sichtbare Bild.

Visteon stellte gleich eine ganze Serie von Combiner-HuDs aus, die sich für die Integration in Fahrzeuge der Klassen A bis C/D eignen und einen Bildwinkel von 6 ° x 2 ° bis 3 ° x 1 ° aufweisen, letzeres für ein Value-Car in Indien. Auch Visteon arbeitet übrigens an Augmented-Reality-HuDs. Derzeit testet das Unternehmen in 10 °-x-4,5 °-HuD in einem VW Golf als Versuchsfahrzeug, bei dem das virtuelle Bild 15 m vor dem Fahrer schwebt. Ein (allerdings nicht in Las Vegas gezeigter) Visteon-Versuchsträger projeziert derzeit Informationen in 2 m sowie in 10 m (unten) bis 30 m (oben) Abstand sein virtuelles Bild. Die große Herausforderung dabei ist die Kompensation der Neigung des Fahrzeugs, aber es sieht so aus, als ob die OEMs den SOP von AR-HuDs zwischen 2020 und 2025 planen. Bei Panasonic konnten die Besucher sogar auf dem Beifahrersitz den Komfort eines HuDs genießen und berichtete lediglich, dass im Labor des Unternehmens bereits ein DLP-HuD arbeitet.

Bild 5: Hyundai-Mobis setzte einen besonderen Schwerpunkt auf das Head-Up-Display in Kombination mit ADAS.

Bild 5: Hyundai-Mobis setzte einen besonderen Schwerpunkt auf das Head-Up-Display in Kombination mit ADAS. Alfred Vollmer

Bedienkonzepte

Panasonic zeigte eine ungewöhnliche Kombination aus Vollflächen-TFT und Drehknopf. Der „Magic Knob“ (Bild 7) lässt sich frei auf dem Schirm platzieren und registriert sowohl Dreh- als auch Drückbewegungen. Außerdem demonstrierte das Unternehmen Gestenbedienung über dem Display wie Wischen und Rotieren (lauter/leiser) sowie im Lenkrad integrierte kapazitive Schalter mit dahinter liegenden Tastern, die ein Zwei-Wege-Schalten ermöglichen.

Fahrerbeobachtung

Harman demonstrierte, wie weit ein Forschungsprojekt zur Erkennung der kognitiven Belastung des Fahrers bereits fortgeschritten ist (Bild 15). Das Unternehmen nutzt Infrarot-Messungen der Iris als Basis und nutzt hierzu gängige Standardkameras sowie einen Algorithmus, an dem Forscher gut 20 Jahre lang gearbeitet haben. Harman hat dabei die exklusiven Nutzungsrechte für die Automobilbranche und will jetzt das System in Fahrzeuge integrieren. Auch ZF beschäftigt sich mit dem Thema Fahrerzustandsermittlung und zeigte auf der CES 2016 publikumswirksam diese Vorentwicklung.

Bildergalerie
Bild 6: Panasonic ermöglichte einen direkten Vergleich seiner Display-Technologien von konkav (links) über konvex (Mitte) bis flach (rechts) und HUD.
Bild 7: Nur bei Panasonic war auf der CES ein solcher „Magic Knob“ (magischer Knopf) zu sehen, der auf dem Display befestigt ist.
Bild 8: Dieses Exponat am Stand von FCA (Fiat Chrysler Automobiles) spricht mit seinem individuellen Design für sich selbst.
Bild 9: Nur 1,09 mm dünn ist dieses OLED-Clusterdisplay von Visteon.
Bild 10: Beim gebogenen Centerstack-System von Continental eröffnen besonders dünne Fronten neue Freiheiten in punkto Design und Produktion.
Bild 11: Das HUD  nutzt bei  dieser Continental-Lösung den oberen Teil eines LCDs, das Cluster den unteren Teil.
Bild 12: Die optische Leistung des DSP-basierten AR-HUDs von Texas Instruments ist wirklich beeindruckend.
Bild 13: In einem Cadillac demonstrierte Qualcomm die Performance seines Snapdragon-Prozessors.
Bild 14: Audis E/E-Leiter Ricky Hudi präsentiert auf der Qualcomm-Pressekonferenz ein MMX-Modul auf Snapdragon-Basis, wobei 
Audi Snapdragon parallel zu Nvidias Tegra nutzen wird.
Bild 15: Auf Basis von Infrarot-Vermessungen der Iris bestimmt ein Harman-Forschungsteam die kognitive Auslastung des Fahrers.
Bild 16:  Valeo machte sich konkrete Gedanken darüber, wie ein kostengünstiges Cockpit für das automatisierte Fahren aussehen kann.
Bild 17: Bei Continentals „OIP HMI Experience“ kann der Fahrer Inhalte seines Infotainment-Systems frei verschieben.
Bild 1: Anthony Fox, US Secretary of Transportation (der Verkehrsminister der USA), betrachtet auf dem Stand von Delphi ein 3D-Cockpit im Armaturenbrett.
Bild 2: Das Highlight am Stand von Bosch war ein Touchscreen mit haptischer Rückmeldung, das im Edag-Showcar integriert war.
Bild 3: Dieser Technologiedemonstrator war am Stand von Denso zu sehen.
Bild 4: BMW lud als Demo für sein Combiner-ähnliches Motorrad-Head-Up-Display zu einer Probefahrt vor einem Bildschirm ein.
Bild 5: Hyundai-Mobis setzte einen besonderen Schwerpunkt auf das Head-Up-Display in Kombination mit ADAS.