Kommunikation, Cybersecurity und Kooperation in der Automotive-Branche waren die großen Themen beim NXP-Connects-Event. Der Automotive-Sektor sei nicht sehr beliebt gewesen, als er seine Karriere vor zwei Jahrzehnten in der Halbleiterindustrie startete, meint Kurt Sievers: „Er war langweilig, langsam und bot nur wenige Möglichkeiten.“ Das sieht heute ganz anders aus. Vernetzte und autonome Fahrzeuge bringen den Automotive-Bereich und die Halbleiterindustrie zusammen. „Die Möglichkeiten, die sich dadurch bieten, betreffen nicht nur das Geschäft, sie werden unser Leben verändern“, erklärt Sievers (Bild 1).

NXP spricht nicht mehr nur von Automotive, sondern von sicherer und geschützter Mobilität. Dies sei einer dieser Megatrends, die große Veränderungen mit sich bringen – wie zum Beispiel Megacities in China mit Einwohnerzahlen höher als so manches europäische Land. Der typische Einwohner einer Megastadt steht 33 Tage pro Jahr im Stau, ganz zu schweigen von Smog, CO2-Belastung und Unfällen. Weltweit sterben immer noch etwa 1,3 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen: „Ich denke, das sind 1,3 Millionen zu viel“, so Sievers.

Bild 1: Kurt Sievers, Executive VP und General Manager Automotive bei NXP, setzt auf die Zusammenarbeit der Automotive- und Halbleiterindustrie auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug.

Bild 1: Kurt Sievers, Executive VP und General Manager Automotive bei NXP, setzt auf die Zusammenarbeit der Automotive- und Halbleiterindustrie auf dem Weg zum autonomen Fahrzeug. Nicole Ahner

Drei Dinge treiben den Automotive-Sektor voran: vollständig mit ihrer Umwelt vernetzte Fahrzeuge, Elektroautos und autonome Fahrzeuge, die praktisch Roboter auf Rädern seien. Dass Qualcomm mit dem Erwerb von NXP ins Automotive-Geschäft einsteigt, ist laut Sievers nahezu selbstverständlich, soll sich der Wert der Halbleiterprodukte im Auto doch mit autonomen Fahrzeugen verdreifachen. Aktuell sind Halbleiterbauelemente im Wert von 350 US-Dollar im Fahrzeug verbaut. In einem ähnlichen Fahrzeug mit Level-4-Autonomie kommen weitere 400 bis 500 US-Dollar dazu – ist dieses Auto komplett elektrifiziert, kommt noch einmal der gleiche Wert an Halbleiterkomponenten ins Auto.

Strategien für vernetzte und autonome Fahrzeuge kämen immer häufiger von Newcomern in der Branche: IT-Unternehmen. Deren Strategien unterscheiden sich jedoch drastisch von denen der traditionellen Automobilindustrie, die eine eher evolutionäre Entwicklung nimmt. Autos werden mit immer mehr Fahrassistenzsystemen Schritt für Schritt sicherer.

Bild 2: Die Automobilindustrie entwickelt sich evolutionär, IT-Unternehmen arbeiten eher revolutionär - beide Ansätze können durchaus parallel existieren, mein Kurt Sievers.

Bild 2: Die Automobilindustrie entwickelt sich evolutionär, IT-Unternehmen arbeiten eher revolutionär – beide Ansätze können durchaus parallel existieren, mein Kurt Sievers. NXP

Der Ansatz der IT-Unternehmen ist völlig anders, eher revolutionär (Bild 2): Warum sollten sie durch Level 1, 2 und 3 bei der Autonomie gehen, wenn sie auch gleich auf Level 4 oder 5 springen können? Sievers vertritt die Meinung, dass beide Ansätze durchaus parallel existieren können. Wichtig ist dabei vor allem die Erkenntnis, dass kein Unternehmen in der Lage ist, die Herausforderungen auf dem Weg zum vernetzten, autonomen Fahrzeug allein zu bewältigen – weg vom Egotrip, hin zum Ökosystem. Die Kooperation von Herstellern, Zulieferern, Forschern und auch der Gesetzgebung sei ausschlaggebend, denn gerade rechtlich und gesellschaftlich gibt es noch viele offene Fragen auf dem Weg zur Level-5-Autonomie.

 

Auf der nächsten Seite stellt Delphi sein Konzept vor, mit 150 Terabyte stündlichem Datenaufkommen im vernetzten Fahrzeug umzugehen.

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