Alfred Vollmer: Herr Schiefer, wie laufen die Geschäfte?

Peter Schiefer: Die Automotive-Geschäfte laufen sehr gut. 2016 war ein wirklich gutes Jahr – vor allem in China und Asien, aber auch in Europa und Nordamerika. Und 2017 sieht bisher ebenfalls rundum gut aus. Infineon steht für Qualität, Kontinuität und Innovation. Wir wollen mitgestalten. Unser Weg: vom bloßen Produktdenken hin zum übergreifenden Systemverständnis. Wir wollen die Systeme, Anwendungen und Erfolgsfaktoren der weiterhin sehr dynamischen Autobranche immer noch besser verstehen. So können wir unseren Kunden – System- und Autoherstellern – neue Lösungen aufzeigen oder gemeinsam mit ihnen entwickeln. Global ausgerichtet und in enger Partnerschaft, machen wir so das elektrische, autonome und datensichere Fahrzeug zum Erfolg.

Wie positioniert sich Infineon?

Peter Schiefer: Wir sehen Infineon als Breitenanbieter für die Halbleiter der Automobilindustrie. Daher setzen wir uns mit den vier Megatrends der Branche auseinander – das sind Fahrerassistenzsysteme und automatisiertes Fahren, die Elektrifizierung, die Vernetzung der Fahrzeuge untereinander beziehungsweise mit der Infrastruktur sowie Security, also Datensicherheit.

Peter Schiefer, Infineon: „Wir sehen Infineon als Breitenanbieter für die Halbleiter der Automobilindustrie. Daher setzen wir uns mit den vier Megatrends der Branche auseinander."

Peter Schiefer, Infineon: „Wir sehen Infineon als Breitenanbieter für die Halbleiter der Automobilindustrie. Daher setzen wir uns mit den vier Megatrends der Branche auseinander.“ Alfred Vollmer

Bei der Elektrifizierung widmen wir uns nicht nur den reinen E-Fahrzeugen und den Hybriden; vielmehr beschäftigen wir uns mit allen Fahrzeugkomponenten, die dazu beitragen, den Energieverbrauch zu senken. Mittlerweile trägt die Division Automotive mehr als 40 Prozent zum Gesamtumsatz des Unternehmens bei. Infineon zeigt mit mehr als 40 Jahren im Automotive-Business ein klares Commitment zur Automobilelektronik.

Was bedeutet „Automotive-Commitment“ für Sie in der Praxis?

Peter Schiefer: Vor allem Null-Fehler-Kultur und kontinuierliche Qualitätsverbesserung. Unsere Produkte liegen über den Anforderungen des Standards AEC Q100 oder Q101; wir wollen sichergehen, dass es über ihre gesamte Lebensdauer keine Ausfälle gibt. Das Thema Zero-Defect hat bei uns einen ganz hohen Stellenwert. Bei unseren rund 5,5 Milliarden in 2016 gelieferten Produkten gab es im Feld quasi keine Ausfälle oder Defekte. Selbst bei sehr komplexen Produkten wie den Mikrocontrollern haben wir bereits Werte von 0,5 ppm, bei Spannungsreglern sogar 0,03 ppm erreicht. Mit dem Anstieg des Marktanteils von 10,4 Prozent im Kalenderjahr 2015 auf 10,7 Prozent für 2016 hat Infineon seine Position als Nummer zwei im 30,2 Milliarden Dollar schweren Markt für Automotive-Halbleiter weiter gefestigt; laut Strategy Analytics im April 2017. Den größten Marktanteilszuwachs erzielte Infineon mit 0,6 Prozentpunkten im Bereich Sensoren.

Was heißt das konkret?

Peter Schiefer: Infineon zeigt, wie autonomes Fahren möglich wird – dank Technologien wie 77-GHz-Radar und Lidar, 3D-Kameras zur Fahrerüberwachung und sicherer drahtloser Softwareupdates Over-the-Air (SOTA). Heute ist Infineon Weltmarktführer bei 77-GHz-Radarchips: Mit insgesamt mehr als 50 Millionen verkauften Radarsensorchips ist Infineon der Standard in radarbasierten Fahrerassistenzsystemen von Ober- und Mittelklasse sowie Kleinwagen. Und bei Sensoren werden wir unsere Marktposition in den nächsten fünf Jahren weiter erhöhen, sei es bei Radar, bei Lidar oder bei Drucksensorik für die Sicherheit, unter anderem für Airbags und TPMS.

Peter Schiefer (links, im Gespräch mit Alfred Vollmer, Chefredakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK): „Derzeit sind in einem Durchschnittsfahrzeug Halbleiter im Wert von etwa 380 US-Dollar verbaut. Dabei beläuft sich der Halbleiterwert für die Automatisierung gemäß Level 2 heute auf 130 US-Dollar, und bis 2025 für die Automatisierung gemäß Level 3 wird dieser Wert auf 550 US-Dollar steigen.“

Peter Schiefer (links, im Gespräch mit Alfred Vollmer, Chefredakteur AUTOMOBIL-ELEKTRONIK): „Derzeit sind in einem Durchschnittsfahrzeug Halbleiter im Wert von etwa 380 US-Dollar verbaut. Dabei beläuft sich der Halbleiterwert für die Automatisierung gemäß Level 2 heute auf 100 US-Dollar, und bis 2025 für die Automatisierung gemäß Level 3 wird dieser Wert auf 400 US-Dollar steigen.“ Alfred Vollmer

Mit unseren Mikrocontrollern sind wir in verschiedenen Bereichen erfolgreich – Powertrain, xEV, ADAS, Chassis und Connectivity. Beim Motormanagement haben wir 40 bis 50 Prozent Marktanteil, bei Getriebesteuerungen 20 Prozent. Derzeit bringen wir die zweite Generation der Aurix-MCUs auf den Markt, die Schlüsselkomponenten fürs elektrifizierte und autonome Fahrzeug sind. Aurix bietet Echtzeitfähigkeit, Datensicherheit und funktionale Sicherheit, um ISO 26262-Systemanforderungen bis zu ASIL-D zu ermöglichen. Die dritte Generation befindet sich in der Definitionsphase.

Im am stärksten wachsenden Automotive-Teilbereich Leistungshalbleiter hat Infineon seine Marktposition um 0,4 Prozentpunkte auf 25,6 Prozent ausgebaut. Und weil wir für die Elektrifizierung der Fahrzeuge bestens aufgestellt sind, können wir trotz unseres hohen Marktanteils bei Leistungshalbleitern weiter wachsen. Wir sind besonders stolz darauf, dass wir im Wachstumsmarkt China auf Platz zwei vorgerückt sind. Hier haben wir bei regionaler Betrachtung den höchsten Marktanteilsgewinn erzielt: 2,2 Prozentpunkte. Wir beliefern mittlerweile über 500 lokale chinesische Unternehmen. In Korea sind wir Marktführer; es besteht eine langjährige Kooperation mit Hyundai.

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