Mit 80 qm2 Ausstellungsfläche und einem zweiten Stockwerk für Meetings und Präsentationen ist der „NXP IoT Truck“ weit mehr als der Name nahelegt. Um diese Fläche überhaupt zu erreichen, lässt sich der Auflieger des 36-Tonners in der Breite und Höhe ausfahren. Das Resultat sieht aus wie ein Messe-Stand und soll auch als solcher dienen: NXP fährt mit dem Truck quer durch Europa, um neue Technologien, weit über 100 Demos und viele Produkte von Partnerunternehmen vorzustellen. Dabei steuert der Halbleiterspezialist auch die einschlägigen Messen an, zum Beispiel soll der Truck auf der Embedded World in Nürnberg in die Halle rollen.

Bildergalerie
Dichter Andrang bei der Präsentation des IoT-Trucks.
Der 36-Tonner im Colani-Design beherbergt weit über 100 IoT-Demos. Dazu kommen Meeting-Räume im Obergeschoss.
Eines der sechs Schwerpunktthemen des IoT-Trucks ist das Smart Connetced Vehicle.
Blick auf den Bereich Smart Home and Building.
Blick in den IoT-Truck.
Blick in den IoT-Truck.
Blick in den IoT-Truck.

Ursprünglich hatte Freescale die Idee zum mobilen Demo-Point. In den USA war das Unternehmen damit seit zwei Jahren on the road. Den europäischen Ableger hatte denn auch Freescale geplant, ihn aber bereits gemeinsam mit NXP bestückt. Bei der Präsentation Anfang Januar in Paris ist Freescale Geschichte, der Truck läuft unter dem neuen Eigentümer NXP. Nur an verblüffend wenigen Stellen innerhalb der Präsentationen waren Freescale-Logos zu sehen – die Entwickler und Ausstatter haben hier eine Menge geleistet.

Geoff Lees verantwortet das Mikrocontroller-Business von NXP.

Geoff Lees verantwortet das Mikrocontroller-Business von NXP. Achim Leitner

Dabei klingt die Idee einfacher als sie ist: Für Geoff Lees, der als Senior Vice President und General Manager die Mikrocontroller-Abteilung leitet, ist das Gefährt gleichzeitig ein riesiges Testfeld für die Interoperabilität und Koexistenz von drahtlosen Systemen. „Wir haben hier 130 Wi-Fi-Netze und viele weitere Protokolle gleichzeitig. Klar, dass wir bei der Inbetriebnahme viele Einstellungen optimieren und Probleme beheben mussten.“ Letztlich liefert dieser Praxistest einen wertvollen Erfahrungsschatz für das Roll-Out von realen Produkten. Entsprechend will NXP den Truck nicht nur für eigene Demos nutzen, sondern auch für Produktneuvorstellungen von Partnerunternehmen öffnen. Während der Präsentation in Paris waren zum Beispiel Vertreter von Arrow und von Green Hills anwesend. Green Hills zeigte seine Safety- und Security-Lösungen unter anderem anhand eines Beispielangriffs auf den Inhalt von Kreditkarten. Arrow will die eigene Seminarreihe zum IoT mit dem Truck begleiten, Avnet Silica zeigt sicheres Video-Streming und EBV präsentiert einen Sensorhub namens Maren.

Während der Vorstellung in Paris hatte NXP bereits 136 Demos installiert. Alle sechs bis 12 Wochen soll der Truck ein Update erfahren, sprich NXP will die Demos ergänzen und austauschen. Um die Übersicht zu behalten, ist die Ausstellungsfläche in sechs Themenbereiche aufgeteilt: Secure Connected Vehicle, Smart Cities & Energy, Smart Home & Building, Smart Networks, Secure Mobile, Medical & Wearables sowie Start-ups & Communities.

Das neue NXP

Bereits vor dem Merger waren Freescale und NXP in vielen Märkten führend. Gemeinsam haben sie noch mehr erste Plätze eingenommen (Mitte).

Bereits vor dem Merger waren Freescale und NXP in vielen Märkten führend. Gemeinsam haben sie noch mehr erste Plätze eingenommen (Mitte). NXP

Mit dem Truck zeigt NXP auch die neue Stärke im Mikrocontroller- und Wireless-Markt. In den meisten Bereichen sieht man sich jetzt auf Platz 1 der Weltrangliste: Kommunikationsprozessoren, HF-Leistungstransistoren, Non-Automotive-Mikrocontroller, sichere Identifikation, Smartcards und vieles mehr. Durch den Zukauf von Freescale entsteht ein 45.000-Mitarbeiter-Konzern mit 11.000 Ingenieuren und einem Jahresumsatz von gut 10 Milliarden US-Dollar. Damit entsteht nach eigenen Angaben das viertgrößte Halbleiterunternehmen der Welt. Geoff Lees, der bis 2011 bereits bei NXP die Mikrocontroller-Sparte leitete, dann die viel größere MCU-Abteilung von Freescale übernahm und nun im fusionierten NXP die MCUs beider Unternehmen verantwortet, betont wie wenig Überschneidungen es dabei gab – vielmehr ergänzen sich die Produktlinien beider Unternehmen.

Es entsteht ein enorm breites Portfolio über alle IoT-Aspekte hinweg. Dabei engagiert sich NXP laut Lees sehr aktiv in Standardisierungsgremien. Auch der Software-Aspekt wird immer wichtiger: Linux als Basis hilft dabei, trotz teils sehr unterschiedlicher Hardware sehr verschiedener Anwendungen eine standardisierte Middleware zu verwenden, die die Komplexität senkt.

Dr. Mathias Wagner ist Chief Security Technologist bei NXP.

Dr. Mathias Wagner ist Chief Security Technologist bei NXP. NXP

Da Security im IoT eine entscheidende Rolle spielt, zeigt sich NXP auch hier sehr offen. Chief Security Technologist Dr. Mathias Wagner, der die hausinternen Hacker-Abteilung leitet, präsentierte den Ansatz seines Teams: Die Gruppe von Sicherheitsspezialisten untersucht jedes Security-relevante Produkt aus dem eigenen Haus und versucht, Schwachstellen aufzudecken bevor das Produkt in Serie geht. Der Fokus liegt dabei auf der Hardware-Sicherheit. Anders als viele andere Unternehmen sucht NXP dabei auch explizit den Kontakt zur internationalen Hacker-Szene: Hier gibt es einfach sehr viele Forscher und Spezialisten, die viel mehr daran interessiert sind einmal gefundene Lücken zu schließen, als dass sie diese Lücken für illegale Zwecken nutzen wollen. Hier hat NXP offenbar die Zeichen erkannt und diskutiert offen über Security, statt das Thema zu tabuisieren. Letztlich lässt sich nur auf diese Weise das nötige Vertrauen in die Produkte herstellen. Gerade im IoT ist das entscheidend.