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Franz Pfluegl – Fotolia.com

Gut, das Rascheln gehört dazu, aber reicht allein das Rascheln? Nicht viel besser sind Gesellschaftsspiele: Da steht nach dem Kauf meist ein Regal-Umbau an, damit die viel zu große Schachtel mit all ihren Plastikeinlagen irgendwo Platz findet. Verpackungen – eine Materialschlacht ohne Sinn und Verstand?

Manche Verpackungen haben durchaus ihre Berechtigung. Das Goldpapier um den Butterklotz zum Beispiel, oder Milchtüten – Milch geht nicht ohne Verpackung. Milchtüten sind überhaupt ein gutes Beispiel für den Sinn und Zweck von Verpackungen. Sie schützen Lebensmittel vor Sauerstoff, in dessen Umgebung sie schneller verderben würden. Oder vor UV-Licht, das denselben Effekt hätte. Doch Verpackungen leisten vielleicht bald noch viel mehr. Unsere Milchtüte könnte uns in Zukunft über eine variable Farbskala warnen, wenn die Milch verdorben ist, was wiederum durch antimikrobielle Beschichtungen viel später der Fall sein wird als bisher. Im Supermarkt könnten RFID-Chips per Fernauslesegerät anzeigen, welche verderblichen Waren das Haltbarkeitsdatum überschritten haben.

Bei all den potenziellen Innovationen sollte jedoch eines nicht zu kurz kommen: Fast jede Verpackung endet aktuell als Abfall. Und meist können beim Recycling weder die für die Herstellung aufgewandte Energie noch alle Rohstoffe komplett zurückgewonnen werden – ein Minusgeschäft also, und noch dazu eines, das das Klima schädigt und Ressourcen verbraucht und damit eigentlich nicht zeitgemäß ist.

Von zentraler Bedeutung sind daher nachhaltige Verpackungskonzepte. Neben der vollständigen Kompostierbarkeit ist vor allem das Cradle-to-cradle-Konzept zukunftsweisend. Es basiert auf der simplen Einsicht, dass Abfall nichts anderes als ein Rohstoff ist. Anstatt Verpackungen einfach nur zu entwerfen und sich später um deren selten ganz rückstandsfreie Entsorgung zu bemühen, sollte in Zukunft schon bei der Entwicklung das spätere Recycling mitbedacht werden, damit dieses nicht zum Downcycling gerät – schließlich ist der Bedarf an Recycling-Parkbänken endlich. Die verwendeten Materialien und Additive müssten also so ausgewählt werden, dass die Eigenschaften des Recyclingproduktes denen einer neuen Verpackung gleichen. Auf RFID-Chips gespeichert könnten Informationen über die verwendeten Materialien dafür sorgen, dass Abfall mit gleicher Zusammensetzung den Weg zum Hersteller zurück findet und dort in den Produktionsprozess eingespeist wird. Das klingt zunächst teuer. Langfristig können Unternehmen aber durch Einsparungen beim Rohstoffbedarf betriebswirtschaftlich profitieren – und nicht zuletzt auch beim Image punkten. Viel entscheidender ist jedoch die gesamtwirtschaftliche Perspektive: Je mehr Unternehmen dem Cradle-to-cradle-Ansatz folgen, desto mehr könnte sich unsere Gesellschaft dem Ideal einer Kreislaufwirtschaft annähern, in der das Wort Müll aus dem Wortschatz verschwunden ist.

Wer weiß, vielleicht können wir also schon in einigen Jahren ganz ohne schlechtes Gewissen Chips essen – aus einer raschelnden Tüte, die wir später auf ihre Reise zurück zum Hersteller und damit in ein neues Leben schicken werden. Eine Utopie?