Mit dem Digitaldruckprozess von Thieme, Mankiewicz und Folex können Hersteller Folientastaturen neu gestalten, zum Beispiel mit Farbverläufen.

Mit dem Digitaldruckprozess von Thieme, Mankiewicz und Folex können Hersteller Folientastaturen neu gestalten, zum Beispiel mit Farbverläufen.Thieme

Folientastaturen begegnen uns in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Vor allem in industriellen und medizinischen Anwendungen sind sie weit verbreitet, denn im Unterschied zu üblichen PC-Tastaturen trotzen sie Staub, Feuchtigkeit und Chemikalien. Folientastaturen passen sich dem jeweiligen Einsatzbereich an – dies geschieht durch ihre jeweilige Ausführung, ihre Größe und ihre Farbe. Die oberste Folienschicht der Tastatur – die so genannte Dekorfolie – ist einerseits Designelement und wird zusätzlich durch Tastenhübe dynamischen Wechsellasten ausgesetzt.

Vorteile im Digitaldruck

Der Druckprozess ist ein wesentlicher Schlüssel zur Absicherung aller Qualitätskriterien und wird heute im Siebdruck realisiert. Um zusätzlich kleinste Losgrößen wirtschaftlich abbilden zu können, schnelle Lieferzeiten zu ermöglichen und alle Vorteile der Individualisierung auszuschöpfen, können die Folientastaturen zukünftig verstärkt im Digitaldruck gefertigt werden.

Der Digitaldruckprozess für Folientastaturen ist auf die Thieme-Maschinentechnologie abgestimmt. Hier zu sehen ist die Thieme 3020 mit dem Druckformat 750 mm x 1050 mm.

Der Digitaldruckprozess für Folientastaturen ist auf die Thieme-Maschinentechnologie abgestimmt. Hier zu sehen ist die Thieme 3020 mit dem Druckformat 750 mm x 1050 mm.Thieme

Viele Möglichkeiten der kreativen Gestaltung waren bisher aufwändig industriell herstellbar – wie Farbverläufe oder integrierte fotorealistische Motive. Durch den kombinierten Inkjet- und Siebdruckprozess, den Thieme zusammen mit seinen Partnern Mankiewicz und Folex entwickelt und standardisiert hat, lässt sich der komplette Schichtaufbau nun industriell abbilden. Der Prozess besteht aus einer geprüften Kombination spezieller Folien, Digitaldrucktinten, Siebdruckfarben und einer selbst entwickelten Maschinentechnologie. Dadurch können beispielsweise eine Million Tastenhübe ohne sichtbaren Verschleiß der Druckschicht ausgeübt werden.

Verarbeitung der Dekorschicht

Der digitale Druckprozess realisiert kundenspezifische Dekors, zum Beispiel mit Farbverläufen. Die Dekorfolie wird vor der Weiterverarbeitung von der Innenseite bedruckt, die aufgebrachte Farbschicht muss also die beim späteren Prägevorgang entstehenden Spannungen rissfrei überstehen. Hinzu kommt die ständige Bewegung erhabener Tasten bei jeder Berührung, die ebenfalls nicht zu vorzeitigem Verschleiß führen darf.

Die Dekorschicht wird zusätzlich mit Weiß und einer Sperrschicht auf UV-oder Lösemittelbasis hinterdruckt. Diese Schichten werden weiterhin im Siebdruckverfahren aufgebracht, welches hohe Schichtdicken und eine gute Kontaktfähigkeit zum Kleber ermöglicht. Mit dem Kleber verbinden sich in einem Laminierprozess schließlich die verschiedenen Folien der Tastatur.

Austauschbar

Folientastaturen werden sowohl mit dem Digital- als auch mit dem Siebdruck hergetsellt. Thieme hat den Inkjet- und den Siebdruckprozess kombiniert. Die Druckmaschine Thieme 3020 ist als Siebdruck-und auch als Digitalstation verfügbar. Anwender können die Maschinenplattform kundespezifisch anpassen.

Alle Komponenten des neuen Druckprozesses habe das Unternehmen testen lassen, betont Harry Götz, Produktmanager Digitaldrucksysteme bei Thieme. Neben der Prüfung der mechanischen Wechselfestigkeit (Hubtest) wurden Präge-und Laminiertests durchgeführt, außerdem Prüfungen von Wärme-und Kältebelastung, Temperaturwechsel, feuchter Wärme und UV-Belastung. Alle Prüfungen fanden in einem zertifizierten Labor statt. Visuelle Tests ergaben eine hohe Farbtreue sowie einen großen Farbraum (FOGRA39) der Druckergebnisse.

Zwei Prozesse, eine Plattform

Für die Herstellung von Folientastaturen kommen sowohl Digital- als auch Siebdruck zum Einsatz. Für beide Prozesse setzt Thieme dieselbe Maschinenplattform ein. Das Materialhandling (wie fahrbarer Drucktisch, Anlegepunkte, flexible Vakuumzonen) sowie Zusatzausrüstungen zur Druckoptimierung (wie Integration von Reinigungs- und Ionisationsanlagen) sind somit bei beiden Druckverfahren identisch.

Zum Einsatz kommt die Thieme 3020 mit dem Druckformat 750 mm x 1050 mm, die als Siebdruck-und auch als Digitalstation verfügbar ist. Als kostengünstige Alternative für den Einstieg in die digitale Folientastaturherstellung steht die Thieme 500 D mit dem Druckformat 600 mm x 400 mm, womit die meisten Folienformate im Einfachnutzen abgedeckt werden. Darüber hinaus lassen sich auf der Thieme-Maschinenplattform spezielle, kundenspezifische Formate realisieren. Auch eine optische Ausrichtung mittels Kamerasystem in Siebdruck- und Digitaldruckmaschinen ist möglich, sodass Drucke automatisch zueinander ausgerichtet werden können. Für die Hersteller von Folientastaturen eröffnen sich so neue Gestaltungsspielräume.

LOPEC 2015: Halle B0, Stand 307 und 322