Christian Wolf, Geschäftsführer der Hans Turck übernimmt ab sofort die Aufgabe des im vergangenen Jahr verstorbenen Dr. Peter Adolphs als Vorsitzender des Ausstellerbeirats der SPS IPC Drives.

„Zur Industrie 4.0 gehört ebenso die Digitalisierung der Geschäftsprozesse.“ Christian Wolf, Geschäftsführer Turck Redaktion

„Wir sehen uns als Wegbereiter für Industrie 4.0“, betont Geschäftsführer Christian Wolf auf der Jahrespressekonferenz im Vorfeld der SPS IPC Drives und legt den Begriff weiter aus, „die weitaus mehr als die Industrie 4.0 ist.“ Es handele sich statt einer industriellen Revolution vielmehr um die fortschreitende Digitalisierung von Geschäftsprozessen. Das Ziel ist eine starke Individualisierung und flexible Produktion auch in kleinen Stückzahlen bis Losgröße 1, höhere Anlagenverfügbarkeit und verbesserte Qualitätssicherung.

Für die erforderliche horizontale und vertikale Integration liefert Turck Lösungen zum Erfassen, Aufbereiten und Übertragen der Produktionsdaten. „Dabei muss aus Big Data auch Smart Data werden“, so Wolf. Von dieser Entwicklung profitiert Turck: Die Kernelemente von Industrie 4.0 sind Kernkompetenzen des Unternehmens, allen voran die Sensortechnik. Neben der Hardware will das Unternehmen daher verstärkt auch als Datenlieferant und Dienstleister auftreten. Hier helfen die weiteren Schlüsseltechnologien, in denen Turck aktiv ist: IO-Link,Ethernet, OPC UA und RFID. Diese Entwicklung zeigt Wirkung im aktuellen Portfolio: Zur SPS IPC Drives erfährt die IP67-geschützte Modul-Serie diverse Erweiterungen, allen voran eine integrierte Codesys-Steuerung.

IP67-Steuerung mit Codesys 3

Block-I/O TNEN-L-8IOL mit 8 IO-Link-Mastern und integriertem Field-Logic-Controller für einfache Verknüpfungen.

Block-I/O TNEN-L-8IOL mit 8 IO-Link-Mastern und integriertem Field-Logic-Controller für einfache Verknüpfungen. Turck

Die Kompaktsteuerung TBEN-L-PLC mit Codesys-3-Runtime kann aufgrund ihres geschützten Aufbaus direkt im Feld installiert werden. Für Flexibilität sorgen die vielen Kommunikationsschnittstellen: Als Master unterstützt das Gerät neben Profinet, Ethernet/IP und Modbus TCP auch Modbus RTU, CANopen und SAE J1939. In den Ethernet-Netzwerken sowie in Modbus RTU- und CANopen-Netzwerken kann die IP67-SPS auch als Slave beziehungsweise Gerät agieren, was den Einsatz als Protokollkonverter ermöglicht. Beispielsweise kann die Steuerung als CANopen-Manager eines damit automatisierten Maschinenmoduls agieren und diesen Anlagenteil an die restliche Produktion anbinden, die mit Profinet vernetzt ist. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung der Industrie lassen sich so bestehende Maschinenkonzepte fit machen für die Herausforderungen einer hochflexiblen Produktion.

Neben den Kommunikationsoptionen hat die Block-I/O-Steuerung acht universelle I/O-Kanäle zur direkten Anbindung von Sensoren und Aktoren. Die seriellen RS232- und RS485-Schnittstellen lassen sich beliebig nutzen – zusammen mit den anderen Komponenten, etwa dem Block-IO in IP67 oder IP69K mit acht IO-Link-Mastern. An vier der acht Ports unterstützt dieses Modul den Class-B-Standard, der einen höheren Ausgangsstrom bis 2 A für die Versorgung von Aktoren wie IO-Link-Ventilinseln oder Robotergreifern spezifiziert. Um Aktorengruppen im Betrieb auszuschalten, kann die Hilfsspannung nicht nur dauerhaft, sondern über die Prozessdaten gesteuert auch zeitweise abgeschaltet werden. Das verbessert das Energiemanagement der IO-Link-Geräte.

Nicht zu verwechseln mit dem Modul TBEN-PLC mit vollwertiger Codesys-3-Steuerung für einzelne Maschinenmodule und kleine Fertigungsinseln.

Nicht zu verwechseln mit dem Modul TBEN-PLC mit vollwertiger Codesys-3-Steuerung für einzelne Maschinenmodule und kleine Fertigungsinseln. Turck

Wie alle IO-Link-Master der TBEN-Reihe verfügt auch diese Variante über die vereinfachte IO-Link-Geräteintegration SIDI (Simple IO-Link Device Integration). Darüber können die IO-Link Devices per Drag and Drop in der Hardware-Konfiguration (bei Profinet) hinzugefügt und konfiguriert werden. Zusätzlich ist in den Modulen ein Field Logic Controller integriert, der einfache Steuerungsaufgaben übernehmen kann. In kleinen Applikationen kann das eine zusätzliche Steuerung ersetzen, in größeren Installationen die übergeordnete SPS entlasten. Konfiguration und Programmierung der FLC erfolgen über das webbasierte Engineering-System ARGEE. Als Multiprotokoll-Gerät kann das IO-Link-Master-Modul ohne spzeile Konfiguration in Ethernet-Netzwerken mit Profinet-, EtherNet/IP- oder Modbus-TCP-Mastern betrieben werden.

Funktionserweiterung per Firmware-Update

Kostenlos verfügbar ist ein Firmware-Update, das den Funktionsvorrat der digitalen Block-I/Os erweitert, konkret um Digital Filtering, Impulse Stretching, Latched Inputs, Counter und PWM. Über Digital Filtering kann die Zeitschwelle, ab der das Modul ein Signal erkennt, bis auf 3 ms heraufgesetzt werden. In Anlagen mit starken EMV-Störungen vermeidet dies Fehlinterpretationen. Signal-Peaks, die so kurz sind, dass sie nicht im SPS-Zyklus liegen, lassen sich mittels Impulse Stretching verlängern. Bei der Funktion Latched Inputs hält das Modul das Signal solange auf ‚High‘, bis es die Steuerung registriert und den Empfang quittiert hat. Der am Eingang 1 implementierte Zähler ist für Frequenzen bis 50 kHz ausgelegt. Und die digitalen Ausgänge unterstützen jetzt auch Pulsweitenmodulation (PWM) bis 100 Hz. Die Einrichtung dieser Funktionen erfolgt über die Projektierungssoftware, über den moduleigenen Webserver oder Pactware. Ohne Konfiguration arbeiten die Geräte wie gewohnt.

Wird Industrie 4.0 im Jahr 2017 umsatzrelevant?

Daten sind das Salz der Industrie 4.0: Zwei Multiprotokoll-RFID-Interfaces schaffen die gemappten und vorverarbeiteten Daten von RFID-Schreib-Leseköpfen zur SPS.

Daten sind das Salz der Industrie 4.0: Zwei Multiprotokoll-RFID-Interfaces schaffen die gemappten und vorverarbeiteten Daten von RFID-Schreib-Leseköpfen zur SPS. Turck

Für 2017 peilt Wolf ein Umsatzwachstum von mindestens 6 % an. Hochgerechnet lautet Turcks Zielmarke für 2017 demnach: 560 Millionen Euro. Allerdings stünden laut Wolf einige Herausforderungen bevor: Beim Brexit sei das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht und es gebe einige „importabhängige Problemfälle“. Die Türkei, als ehemaligen „Rising Star in Europa“, betrachtet Wolf aufgrund der aktuellen politischen Lage „mit ganz, ganz viel Sorge“. Auch Russland sei ein Land, in dem man sich gut überlegen solle, im Moment in neue Anlagen zu investieren.

SPS IPC Drives 2016: Halle 7, Stand 351