Bisher erfolgte die terrestrische Ausstrahlung von TV-Programmen über Antenne per DVB-T – und zwar im Videoformat SDTV unter Verwendung von MPEG-2-Komprimierung. Eine Verschlüsselung ist nicht vorgesehen, weshalb sich einige private Senderanstalten aus DVB-T zurückgezogen haben. Für den mobilen TV-Empfang im Auto rücken daher eine Vielzahl neuer Standards in den Fokus zukünftiger Geräte. Im einzelnen handelt es sich dabei um das Modulationsverfahren DVB-T2, die Videokomprimierung HEVC, die Übertragung von Inhalten mit HD-Auflösung sowie die Verschlüsselung per DVB-CI+ (Pay-TV).

Bild 1: Das HD62-Evaluation-Board ermöglicht den DVB-T2-Empfang und die HEVC-Decodierung. Die Darstellung erfolgt über ein externes Display, das über HDMI, CVBS oder Digital-RGB direkt angeschlossen wird.

Bild 1: Das HD62-Evaluation-Board ermöglicht den DVB-T2-Empfang und die HEVC-Decodierung. Die Darstellung erfolgt über ein externes Display, das über HDMI, CVBS oder Digital-RGB direkt angeschlossen wird. Socionext

Der Bayrische Rundfunk und das IRT (Institut für Rundfunktechnik) haben in München einen Feldversuch durchgeführt, an dem die Firma Socionext als einziger Halbleiterhersteller von HEVC-LSIs teilnahm (Bild 1). Einer der Schwerpunkte war dabei die Interoperabilität verschiedener HEVC-fähiger Encoder auf der Senderseite sowie der entsprechenden Decoder auf der Empfängerseite.

Einführung von DVB-T2 in Deutschland

Die oftmals auch als Digital-Dividende II bezeichnete Umstellung von DVB-T auf DVB-2 dient vor allem dazu, den derzeit von DVB-T genutzten 700-MHz-Bereich in Zukunft den Breitbanddiensten sowie dem Mobilfunk zur Verfügung zu stellen, die einen besonders hohen Bedarf an Übertragungskapazitäten haben. Um weiterhin eine gleichbleibende Programmvielfalt über die terrestrische Ausstrahlung zu ermöglichen, beschloss das Bundeskabinett Anfang 2015 den Umstieg von DVB-T auf DVB-T2. Damit steht für die TV-Ausstrahlung eine höhere Bandbreite zur Verfügung, was den Verlust des 700-MHz-Bands kompensiert. Bis 2018 soll der 700-MHz-Bereich freigeräumt und der Umstieg auf DVB-T2 erfolgt sein.

HEVC: High Efficiency Video Coding

Wenn somit die Bereitschaft besteht das Modulationsverfahren zu ändern, dann kann man auch gleich die Formate der Audio- und Videokomprimierung modifizieren, denn wenn der Kunde sowieso gezwungen ist, ein neues Gerät zu kaufen, dann ist es sinnvoll, beide Teile der Kette – sowohl die Kanaldecodierung als auch Kompressionsverfahren – auf den neusten Stand der Technik zu bringen. Zum Vergleich: DVB-T verwendet noch MPEG-2 und strahlt die Programme in SD-Auflösung aus.

DVB-T2 in Deutschland nutzt für die Videokompression HEVC (High Efficiency Video Coding), auch H.265 genannt. Mit HEVC kommt dabei der neuste Standard für die Videokomprimierung zum Einsatz, der im Vergleich zu H.264 bei gleicher Bildqualität 40 bis 50 % weniger Bandbreite benötigen soll. DVB-T verwendet sogar noch MPEG-2, sodass HEVC einen Datenratengewinn von Faktor 4 bringt. Obwohl bei HEVC von höherer Komprimierung gesprochen wird, ist der Komprimierungsalgorithmus immer noch der alte, der auch schon bei MPEG und H.264 zum Einsatz kam. Erweitert wurden dagegen Tools, die zur Bildverbesserung beitragen. Mit diesen Maßnahmen ist es möglich, bei gleicher subjektiver Bildqualität die Datenrate deutlich zu reduzieren.

Die Kombination DVB-T2 und HEVC bietet damit die Möglichkeit einer erweiterten Sendervielfalt oder auch eine qualitativ hochwertige Ausstrahlung aller Programme in HD. Mit der Einführung von HEVC ist Deutschland Vorreiter im Broadcastbereich.

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