In Summe waren auf der CES 2018 wohl 20 bis 30 selbstfahrende Autos permanent am und um das Messegelände der CES unterwegs.

Diverse autonome Fahrzeuge mussten quasi ihre Feuerprobe bei Regen bestehen, denn am ersten CES-Tag regnete es.

Diverse autonome Fahrzeuge mussten quasi ihre Feuerprobe bei Regen bestehen, denn am ersten CES-Tag regnete es. Alfred Vollmer

Bei allen Fahrversuchen – ob im Realverkehr oder auf abgesperrtem Gelände – saß nach wie vor ein Sicherheitsfahrer auf dem Platz vorn links, um im Bedarfsfall sofort eingreifen zu können. Bei den Fahrten der Redaktion beschränkte sich die sichtbare Aufgabe des Sicherheitsfahrers jedoch darauf, den „Autonomous Driving Mode“ zu starten; die Systeme funktionierten auf den bestens vorvermessenen Strecken auch Dank der zusätzlichen terrestrischen Differential-GPS-Sender während den diversen Kurztests der Redaktion bestens. Mehrere Brancheninsider berichteten jedoch von Schwierigkeiten einzelner Fahrzeuge am ersten Messetag, wo Regen in der Wüste teilweise die Sensoren in die Irre leitete, sodass die Sicherheitsfahrer dann ihre Daseinsberechtigung tatkräftig unter Beweis stellen mussten.

Autonomes „Taxi“ im Regelbetrieb

Gemeinsam mit dem Uber-Konkurrenten Lyft bot Aptiv einen Fahrdienst mit Level-4-Fahrzeugen im Regelbetrieb für beliebige Endkunden an, die in der Lyft-App eine Fahrt vom Messegelände zu über 20 verschiedenen Hotels am Las Vegas Boulevard orderten (Bilder 1-3 der Bilderstrecke). Allein schon der sensortechnische Aufwand dabei ist hoch: An jeder Seite befinden sich jeweils ein vierkanaliger Lidar-Sensor von Ibeo und ein 16-kanaliger Lidersensor von Velodyne.

Fahrerassistenz mit dem Snapdragon von Qualcom Alfred Vollmer

Fahrerassistenz mit dem Snapdragon von Qualcomm Alfred Vollmer

CES 2018

Die all-electronics-Redaktion war für Sie auf der CES 2018 unterwegs – und nahm nicht nur autonomes Fahren in den Fokus. Lesen Sie hier mehr zu Connectivity-Trends, Infotainment, Automotive-Lösungen und den skurrilsten Gadgets.

Hinzu kommen je drei Lidar-Sensoren vorn und hinten, diverse Radarsensoren und Kameras – inklusive einer Tricam (ZF!). Noch in diesem Jahr will Aptiv 180 automatisierte Fahrzeuge von Ford in Las Vegas und Singapur im Dauerbetrieb testen, und bereits 2019 sieht sich der Tier-1 bereit für eine Serienfertigung von AMOD-Systemen (Automated Mobility on Demand).

Bosch, Continental und Denso zeigten dieses Jahr zumindest der Presse keinen Fahrbetrieb mit automatisierten Fahrzeuge in Las Vegas, während Valeo gemeinsam mit Navya zu Probefahrten in einem rein elektrisch betriebenen Robo-Taxi einlud. Auch Renesas hatte zwei automatisierte Fahrzeuge vor Ort im Einsatz, die im Rahmen von Renesas Autonomy gmeinsam mit Unternehmen wie Neusoft, Autonomous Stuff, Hella Aglaia, Leddartech oder QNX entstanden. Autoliv zeigte auf seinem ziemlich großen Test-Track am Messegelände (inklusive Dunkeltunnel und Nachtsicht-Demo) zwar auch autonomes Fahren, setzte den Fokus aber mehr darauf, wie man die Fahrer dazu bringt, die Assistenzsysteme nicht auszuschalten. Auf der kurzen Demofahrt erwiesen sich die Autoliv-Lösungen als clever und hilfreich, während ansonsten alle nervenden Hinweise unterblieben.

Bildergalerie
Aptiv hatte vor Ort gleich 15 hochautomatisierte Fahrzeuge im CES-Einsatz und ließ acht Fahrzeuge quasi im Taxibetrieb fahren.
Diese Self-Driving Vehicles waren gespickt mit zahlreichen Sensoren, von denen hier einer der zehn Lidar-Sensoren pro Auto zu sehen ist.
Als Basis für die selbstfahrenden Autos, die in Kooperation mit einem Fahrdienstleister unterwegs waren, diente ein BMW 540 mit X-Drive.
Autoliv hatte zwar in einem Fahrzeug autonome Fahrfunktionen implementiert, priorisierte aber auf der CES in Richtung aktive, nicht nervende ADAS-Unterstützung beim Selbstfahren.
Im Bereich ADAS / automatisiertes Fahren setzte Continental einen Schwerpunkt auf Fusion und Analyse von Kamera-, Radar- und Lidar-Daten.
Diverse Unternehmen zeigten nicht nur ihre Lidar-Sensoren, sondern auch verschiedene Arten der Daten-Aufbereitung, wobei die ...
... auf der CES vorgestellten Lidar-Sensoren allesamt rein auf Halbleiterbasis arbeiten und damit Solid-State-Lidarsysteme sind.
Arbe Robotics zeigte ein hochauflösendes „4D Imaging“ auf Radarbasis, das 300 m weit „sieht“ und eine Auflösung von unter 10 cm bietet.
Elektrobit ließ selbstfahrende Autos auf seinem Stand umherfahren, wobei die Bilder der Frontkameras nach dem Erkennen entsprechender Ziele per Augmented-Reality von Zusatzinfos überlagert angezeigt wurden.
Sachin Lavande (CEO, links) und Markus Schupfner (CTO, rechts) präsentieren Visteons neue Plattform Drivecore für automatisiertes Fahren bis Level 5.
Torsten Gollewski, Leiter Vorentwicklung bei ZF, stellte in Vegas die neue Pro AI genannte AD-Zentral-ECU vor, die bei Baidu in Serie gehen soll.
Renesas war auf der CES mit zwei Autos autonom unterwegs: mit einem Lincoln (Foto) auf der Teststrecke und mit einem Cadillac im Realverkehr.
Qualcomm und Tomtom kooperieren dabei, die Abweichung zwischen GNSS-Kartendaten und Sensordaten zu minieren. In der Praxis soll ...
... die auf einem Snapdragon realisierte Datenfusion dank neuronaler Datenverarbeitung genauso gut funktionieren wie hier in der Demo auf der CES.
Die beiden geriffelten Boxen im Vordergrund erledigen die Sensorfusion und die Planung der Längs/Querführung im AD-Fahrzeug von Renesas.
Xtra Vue nennt Valeo sein System, das auf dem Centerstack-Display einen Blick quasi durch das vorausfahrende Fahrzeug hindurch ermöglicht: mit einer Kombination aus Kamera, Lidar und 4G/V2X sowie passender Bildverarbeitung.

Lidar, Kamera, Radar auf der CES 2018

Lidar Kamera Fusion

Lidar in Action, fusioniert mit Kameradaten. Alfred Vollmer

An vielen Stellen der Messe zeigten Unternehmen wie Continental, Dibotics, Innoviz, Leddartech, Quanergy, Valeo, Velodyne und ZF/Ibeo ihre neuen Lösungen im Lidar-Bereich. Auf der Messe wurde klar, dass Lidar nach wie vor erst am Anfang steht. Bei den Kameras stach eine 8-MPixel-Kamera von Continental hervor, die Fußgänger aus über 100 m und Fahrzeuge sogar aus über 200 m Entfernung sicher identifizieren kann. Außerdem kristallisierte sich heraus, dass die Intel-Tochter Mobileye massive Konkurrenz bekommt. So zeigten beispielsweise Renesas und NXP/LG jeweils Lösungen zur Verarbeitung von Kameradaten. NXP zeigte auf seinem Stand unter anderem eine Erweiterung seines 77-GHz-Radar-Portfolios, wobei in einer Demo ein 12-Kanal-Transmitter in Kombination mit einem 16-Kanal-Receiver die Erkennung von mehreren Tausend Objekten ermöglichte.

Zentrale Autonomous-Driving-ECUs

Ein exponiertes Thema waren hochintegrierte Steuergeräte und Plattformen für das automatisierte Fahren. Wenn dabei KI zum Einsatz kommen soll, dann sorgte Nvidia sicherlich für die meisten Schlagzeilen, denn das Unternehmen kündigte je eine Zusammenarbeit mit Volkswagen und Aurora (Mitgründer: Chris Urmson, der Teamleiter des ersten AD-Projekts bei Google) an, stellte aber auch seine Computing-Plattform „Drive Pegasus AI“ für das Fahren bis Level 5 vor, in der unter anderem auch eine Aurix-MCU von Infineon zentrale Funktionen übernimmt.

Parallel zur Neuankündigung einer skalierbaren Plattform von Visteon für das automatisierte Fahren zeigten unter anderem ZF, Continental und Renesas Plattformen für das automatisierte Fahren, und auch Samsung/Harman steigen jetzt in diesen Markt ein. Hierfür hat Samsung einen 19-TOPS-Chip entwickelt, der nur 4 W Leistung benötigen soll.

Dabei zeichnete sich ab, dass in den zentralen AD-ECUs von morgen Nvidia zunehmend Marktbegleiter bekommt, weil die GPUs doch ziemlich viel Leistung verbrauchen. Vor allem Qualcomm und Renesas zeigten auf der Messe ziemlich leistungsfähige Ansätze mit geringerem Strombedarf für KI im Auto.