Sven Kopetzki, der bei Delphi in Bad Salzdetfurth in der Vorausentwicklung den Bereich Fahrzeug-Kommunikation betreut, sieht den Begriff der Kommunikation sowohl im Sinne seines lateinischen Ursprungswortes „communis“, was so viel wie „teilen“ bedeutet, als auch im Sinne einer sozialen Interaktion, die bei der Lösung von Problemen hilft, die der Mensch als Individuum nicht lösen kann, als Team aber sehr wohl. „Wir müssen einen Übergang schaffen von ‚ich empfange Radio, TV‘ hin zu einem ‚wir‘, zu einem kooperativen System, in dem ich auch Informationen preisgebe und mit anderen Verkehrsteilnehmern teile, um damit kooperative Systeme aufzusetzen, die es mir ermöglichen, viel mehr aus dem vorhandenen Wissensschatz, den Fahrzeuge heutzutage haben, zu nutzen.“

Bild 1: Die Car-to-Car-Kommunkation dient als vorausschauender Sensor im Bereich bis etwa  2000 m (rote Linie). In der unmittelbaren Umgebung des Fahrzeugs bis maximal 200 m liefern On-Board-Sensoren die Daten (blaue Linie).

Bild 1: Die Car-to-Car-Kommunkation dient als vorausschauender Sensor im Bereich bis etwa 2000 m (rote Linie). In der unmittelbaren Umgebung des Fahrzeugs bis maximal 200 m liefern On-Board-Sensoren die Daten (blaue Linie).Delphi

Um die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten weiter zu senken „müssen wir unsere Sicherheitssysteme im Fahrzeug verbessern und den Sicherheits-Kokon verbessern, den wir um die Fahrzeuge spannen wollen – und hierbei spielt die Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation einen wesentlichen Beitrag“, erklärt Sven Kopetzki. „Die Kommunkation zwischen Fahrzeugen ermöglichen es, die Sensorik anderer Fahrzeuge in meinem eigenen System mitzunutzen, so dass meinem Fahrzeug deutlich mehr Informationen zur Verfügung stehen. Diese Informationen bekomme ich früher, und ich habe eine höhere Reichweite als nur mit meiner eigenen On-Board-Sensorik.“

Diese Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation (C2C) soll standardisiert im Bereich knapp über 5 GHz mit einer Art Automotive-WLAN arbeiten und dabei wenige 100 m weit reichen. Da Informationen über Fahrzeuge hinweg weitergereicht werden, ergibt sich jedoch eine Reichweite von über 2 km – unter anderem, indem beispielsweise entgegenkommende Fahrzeuge die Nachricht über ein Stauende nach vorn übermitteln. Bei größeren Distanzen kommen dann auch Lösungen auf Basis von 3G/LTE/UMTS zum Einsatz. Hinzu kommen Meldungen von stationären Sendebaken, die beispielsweise die aktuell auf diesem Abschnitt erlaubte Höchstgeschwindigkeit oder den Status einer Ampel übermitteln. Besonders interessant ist für ihn die schnelle Verfügbarkeit der C2C-Daten, die Latenzzeiten von einigen Mikrosekunden ermöglichen. Im Normalbetrieb ohne Überlastung ließen sich zumindest Latenzzeiten von etwa einer Millisekunde erzielen. Dabei ist es wichtig, die Authentizität der Daten zu gewährleisten. Aus diesem Grund erfolgt die Datenübertragung zwar anonym aber über eine digitale Signatur signiert. „Damit achten wir die Privatsphäre des Fahrers, weil ein Tracking nicht möglich ist, während wir gleichzeitig die Datenintegrität sicherstellen, so dass wir die Daten auch als Inputs für sicherheitskritische Systeme nutzen können.“

Status-Update

Da jedes Fahrzeug permanent zumindest eine Statusnachricht vom Typ „Here I am“ zusammen mit einigen Basisdaten aussendet, lassen sich Staus, Unfälle und Glatteis-Situationen, die einen ESP-Eingriff erfordern, sowie andere dedizierte event-getriggerte Daten direkt aus den anonymen Daten herausfiltern. Das größte Poten­zial sieht er allerdings in der Kollisionsvermeidung (Forward Collision Avoidance) sowie in der Signalisierung von herannahenden Einsatzfahrzeugen von Polizei, Feuerwehr und anderen.

Da On-Board-Sensoren meist recht kostenintensiv, Kommunikationselemente aber relativ preiswert seien, sieht Sven Kopetzki C2C als kostengünstige Lösung, bei der jedoch ein gewisses Anfangsmoment erforderlich ist, zumal alle Beteiligten eine weltweit einheitliche Lösung anstreben: „Wir gehen davon aus, dass für eine sinnvolle Funktion der meisten Car-to-Car-Applikationen mindestens 10% der Fahrzeuge mit C2C ausgerüstet sein müssen. Es wird aber ein gemeinsames Momentum der Fahrzeughersteller geben.“