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Industrielle Softwarelösungen für die Produktion und Produktentwicklung stehen im Mittelpunkt der Digital Factory.
Auch das Trendthema Cloud Computing kommt nicht zu kurz. Der Fokus für industrielle Prozesse liegt hier besonders auf ERP-Lösungen.
Eine Ausbaustufe der Cloud-Nutzung ist die Erweiterung des Datenzugriffs über zusätzliche In-House-Anwendungen hinaus, etwa per App von mobilen Geräten.
Auch 3D-Visualisierung wird wie 2011 erneut ein Thema der Digital Factory sein

Die Interessengemeinschaft der Anbieter von Software und Service rund um PLM, dem SendlerCircle, wartete in einer Gesprächsrunde über die allgemeine Geschäftsentwicklung der Branche mit einem interessanten Ergebnis auf: Allen Unkenrufen zum Trotz geht es weiterhin aufwärts. Nachdem das Geschäftsjahr 2011 bestens verlaufen ist, startet die Branche mit hohen Erwartungen ins Jahr 2012. Daran hat offenbar auch der hier, wie in anderen Industriezweigen, zu verzeichnenden Mangel an einer ausreichenden Zahl von Fachkräften nichts geändert. Es könnten freilich noch mehr Projekte abgeschlossen werden, wenn dieser Mangel nicht wäre. Aber es geht diesem Spezialzweig deutlich besser als den anderen Bereichen der IT-Industrie. Während der Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien) für das laufende Jahr eine Steigerung der Umsätze mit Software-Produkten in Deutschland von 4,4 % voraussagt, vermelden die PLM-Anbieter weiterhin zweistellige Zuwachszahlen. Im SendlerCircle sind derzeit Unternehmen wie Acatec, Aucotec, Dassault Systèmes, Edmpro, Eplan, IBM, ICP Solution, Procad, PTC, SAP, Siemens PLM Software, Tesis PLMware, XPLM Solution vertreten. Organisiert hat den Circle Ulrich Sendler, seit über 30 Jahren Fachmann, Journalist und Buchautor für Engineering Software und seit 1995 Leiter des SendlerCircle.

Der Grund für die gute Stimmung bei den PLM-Firmen ist vermutlich der gleiche, wie ihn der Bitkom für die Software generell formuliert: „Die Nachfrage nach neuen Anwendungen für Unternehmen, Behörden und Privatanwender ist ungebrochen. Insbesondere Produkte um die betrieblichen Abläufe effizienter zu gestalten und den Kunden einen besseren Service zu bieten, stehen hoch im Kurs. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Unternehmen dabei offenbar besonders stark in das Management des Produkt-Lebenszyklus investieren. Das könnte helfen, die immer wieder an die Wand gemalte Delle am Standort Deutschland zu vermeiden.“

Neuer Standort

Industrielle Softwarelösungen für die Produktion und Produktentwicklung sowie deren Einbindung in die Unternehmensprozesse stehen im Mittelpunkt der Digital Factory auf der Hannover Messe. Die Messe für integrierte Prozesse und IT-Lösungen wird in diesem Jahr in der Halle 7 zu finden sein. Damit werden die IT-Themen näher an die Industrial Automation herangerückt. Zudem wird die Schnittmenge zwischen den Digital Factory-Ausstellern und ihren IT-Anwendern im Zulieferbereich der Industrial Supply aufgezeigt. Schwerpunkte für die integrierten Prozesse und IT-Lösungen sind: Virtuelle Produktentwicklung (CAx), Produkt-Lebenszyklus-Management (PLM), Enterprise Resource Planning (ERP), Manufacturing Execution Systems (MES), Rapid Manufacturing und Rapid Prototyping. In diesem Jahr liegt der Fokus auf der Prozessintegration. Denn dieses Thema betrifft alle Anwendungsbereiche und wird an jedem Ausstellungsstand explizit dargestellt.

Trendthemen 2012

Eines der großen Themen der Informationstechnologie, auch für die Digital Factory, ist das Cloud-Computing: Immer mehr Anbieter von Software für industrielle Prozesse gehen dazu über, ein Angebot in der Cloud zu positionieren. In der Digital Factory betrifft dies vor allem ERP. Aber auch in den Bereichen CAx, MES und PLM werden zunehmend internetbasierte Applikationen angeboten, die der Endnutzer lediglich zeitweise nutzt und bezahlt. Ein weiteres Thema ist die Nutzung von mobilen Endgeräten: Ob Entwicklung, Fertigung, Logistik oder Service – die kleinen Geräte mit Touchscreen sind überall angekommen und erleichtern die Arbeit. Das gilt für den laufenden Betrieb an der Maschine ebenso wie für Servicedienste, die mit einem mobilen Endgerät auch per Fernwartung vorgenommen werden können.

Aber auch die Prozessintegration darf nicht fehlen. Nur wenn in der automatisierten Fertigung auch die richtigen Daten aus der Entwicklung zur Verfügung stehen, lassen sich Fehler nachhaltig reduzieren. Um Produktionsanlagen zu simulieren oder virtuell in Betrieb nehmen zu können, müssen grundlegende Informationen wie Produktions- und Montagedaten aus der Produktentwicklung zur Verfügung stehen. Um eine bessere Synchronisation der verschiedenen Fachdisziplinen im Engineering zu erreichen, ist die Integration aller relevanten Prozesse notwendig.

Aucotec stellt eine Lösung vor, mit der sich die Vorteile von Cloud Computing und Apps praktikabel und Effizienz-steigernd für das Engineering von Maschinen, Anlagen und mobilen Systemen nutzen lassen. Das Software-System Engineering Base (EB) ermöglicht es, Zulieferer und externe Mitarbeiter kostengünstig von außen in Projekte einzubinden. Und dies, ohne lange Rüstzeiten, aufwendige Absprachen oder Datentransfers und -abgleiche. Nur die Drei-Schicht-Architektur des vorgestellten Systems ermöglicht die flexible Skalierbarkeit vom Einzelplatz bis zur globalen Unternehmens-Lösung, heißt es. Eine Ausbaustufe der Cloud-Nutzung ist die Erweiterung des Datenzugriffs über zusätzliche In-House-Anwendungen hinaus, etwa per App von mobilen Geräten. Der Hersteller will auf der Hannover Messe seine Lösung vom Dashboard-Projektüberblick bis hin zu Wartungs-Anwendungen vorstellen.

Wie kann ein Mensch mit einem Computer ohne Tastatur, Maus oder Touchscreen interagieren? Dieser Frage geht Heitec mit einem Versuchsprojekt auf der Hannover Messe nach. Das Unternehmen die zugrunde liegende Kameratechnik des Kinect-Sensors der Spielekonsole Xbox 360° von Microsoft näher unter die Lupe genommen und eine Versuchsanwendung programmiert. Auf dem VDMA-Gemeinschaftsstand wird bei einem ‚Blick in die Werkstatt‘ gezeigt, wie ein Mensch beispielsweise ein 3D-Modell mit bloßen Handbewegungen drehen, kippen und skalieren kann. Darüber hinaus kann er mit Sprachbefehlen den Computer anweisen, ein bestimmtes Bauteil anzufliegen. Es handelt sich um eine reine Konzeptstudie, wird betont, mit der die Möglichkeiten des Kinect-Sensors erforscht und ausgelotet werden sollen.

Sonderschauen der Digital Factory

Neben dem regulären Ausstellungsprogramm wartet die Digital Factory mit zwei Sonderveranstaltungen auf. Am Messe-Mittwoch und Messe-Donnerstag steht die vierte MES-Tagung mit Erfahrungsberichten aus der Praxis im Convention Center auf dem Programm. Dabei geht es um die diskrete Fertigung und um die kontinuierliche Produktion. Eröffnet wird der erste Tag mit einer Key Note von Stefan Hoppe von der Firma Beckhoff Automation, gleichzeitig Präsident der OPC Foundation Europe.

Das Technology Cinema 3D zeigt in seiner dritten Ausgabe – in Gestalt einer Container-Architektur – Visualisierung quer durch die industriellen Anwendungsbereiche. Zahlreiche Partner tragen die Veranstaltung in diesem Jahr, unter anderem ESI-Group mit Icido, Eyevis, Schneider Digital, PI-VRA und Christie. Die Sonderveranstaltung Rapidx demonstrierte in den vergangenen Jahren, wie aus digitalen Modellen schnell Prototypen werden. 2012 startet die neue Sonderveranstaltung Integratix. Sie zeigt das Entstehen intelligenter Produktsysteme – von der Auslegung der Systemarchitektur über die Entwicklung der Komponenten aus Elektrik, Elektronik, Mechanik, Informatik und anderen Disziplinen bis zur Simulation des kompletten Systems.