„Unsere Kundschaft bewegt sich mehr und mehr in Richtung Carsharing“, begann Sajjad Khan, Vice President Digital Vehicle & Mobility bei Daimler, seine Keynote. Es gäbe viele neue Firmen auf dem Markt, die sich daran versuchen, das Auto als Produkt wie wir es kennen für den Kunden noch besser zu gestalten. Elektronik- und Software-Anbieter sind auf dem besten Weg, die Industrie zu erschüttern. Unternehmen wie Amazon oder Alibaba entwickelten ihre Angebote für den Automobil-Markt zunächst langsam, preschen dann ab einer bestimmten Entwicklungsstufe nach vorn, was für am Markt etablierte Firmen manchmal erschreckend scheint.

Sajjad Khan appelliert, auch bei der Digitalisierung Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wir brauchen uns nicht in die Hose machen; es ist alles machbar in kurzer Zeit.“

Sajjad Khan appelliert, auch bei der Digitalisierung Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wir brauchen uns nicht in die Hose machen; es ist alles machbar in kurzer Zeit.“ Matthias Baumgartner

Für Daimler hat die Digitalisierung drei Perspektiven: Produktentwicklungsprozesse, das Produkt und die Talente: „Talente machen den Unterschied und wir sind von ihnen abhängig – solange Software sich nicht selbst programmiert“, so Khan. Gerade bei der Suche nach Talenten müssten Unternehmen flexibel reagieren und sich international dort zeigen, wo die Talentschmieden sind und neue Ideen wachsen. Daimler ist deshalb unter anderem in Sunnyvale, Berlin, Beijing, Tel Aviv, Bangalore oder Seattle präsent.

Auf der Produktseite war es dem Unternehmen wichtig, dem Kunden so einfach wie möglich zu vermitteln, was er vom Produkt erwarten kann – möglichst mit simplen vier Buchstaben. Zum Produkt Automobil gehören Konnektivität, Autonomie, Sharing und Services und Elektronik. Das Ergebnis dieser Überlegungen ist beispielsweise MBUX – Mercedes-Benz User Experience: einfache Bedienung, die Möglichkeit für OTA-Updates, Ausstattung mit Benchmark-Connectivity und ersten kleinen Schritten in Richtung Künstlicher Intelligenz – mit bester Grafik und natürlicher Sprachführung.

Sajjad Khan; Daimler

Sajjad Khan; Daimler: „Talente machen den ­Unterschied, und wir sind von ihnen abhängig.“ Matthias Baumgartner

Insgesamt dürfe sich die Industrie nicht von den vermeintlichen Quantensprüngen der Quereinsteiger zu sehr beeindrucken lassen und müsse Selbstbewusstsein zeigen: „Wir brauchen uns nicht in die Hose machen; es ist alles machbar in kurzer Zeit,“ ist Khan überzeugt. „Wir betreten eine neue Dimension der Digitalisierung und müssen offen für neue Ideen sein.“

Autonomie heißt aber auch, dass viele alltägliche Tätigkeiten direkt vom Auto aus durchführbar sein müssen: die Autowäsche bezahlen, Lebensmittel bestellen und anliefern lassen oder schauen ob die Reinigung die Wäsche fertig hat. Innovation und Kollaboration seien die Schlüsselfaktoren für die Digitalisierung des Fahrzeugs: viele der genannten Funktionalitäten existierten bereits – es sei kein gangbarer Weg, alles von Grund auf selbst entwickeln zu wollen.