Im Rahmen des Umweltschutzes schreiben die Gesetzgeber Emissionsrichtlinien für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor vor, und dafür ist eine OBD-Dokumentation erforderlich. Mit dem steigenden Umweltbewusstsein wurden diese Vorschriften in den letzten Jahren auf immer mehr Fahrzeugklassen ausgeweitet und die Grenzwerte stetig verringert.

Bild 1: OBD-Dokumentation am Beispiel des CARB Summary Sheets.

Bild 1: OBD-Dokumentation am Beispiel des CARB Summary Sheets. Vector Informatik

Abhängig vom Zulassungsland, Zulassungsjahr und Fahrzeugtyp unterscheiden sich diese Regelungen. Die Vorschriften regeln nicht nur die Obergrenzen für den Schadstoffausstoß, sondern fordern auch die Überwachung aller emissionsrelevanten Bauteile während des Betriebs. Versagt eine Baugruppe, versagt und erzeugt sie mehr Emissionen als vorgesehen, dann muss das Steuergerät dies erkennen, speichern und den Fahrer darüber informieren. Darüber hinaus fordert die Gesetzgebung, dass standardisierte Scan-Tools diese Überwachungsfunktionen und Fehlerspeicher abfragen können, um Kontrollen durch Behörden, Werkstätten und Verbraucher zu ermöglichen.

Bild 2: Die domänenspezifische Ansicht im Function-Inhibition-Editor liefert eine klare Zuordnung von Fehlercode und Steuergerätefunktion im Rahmen der OBD-Dokumentation.

Bild 2: Die domänenspezifische Ansicht im Function-Inhibition-Editor liefert eine klare Zuordnung von Fehlercode und Steuergerätefunktion im Rahmen der OBD-Dokumentation. Vector Informatik

Der erforderliche Aufwand zur Umsetzung und Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften stellt heute einen wesentlichen Bestandteil der Steuergeräte-Software dar. Zum Nachweis der Umsetzung der gesetzlichen Vorschriften müssen die Fahrzeughersteller für die Zulassung jeder Fahrzeugvariante umfangreiche Dokumente einreichen. Die sogenannte OBD-Dokumentation beschreibt dabei eine Liste von emissionsrelevanten Fehlern, deren Auswirkung, Überwachung und Erkennung (Bild 1).

Alle notwendigen Informationen für dieses Dokument entstehen im Laufe des Entwicklungsprozesses automatisch, jedoch häufig in ungeeigneter Form. So ist die Strategie zur Erkennung eines Fehlers beispielsweise in der Software implementiert und muss in Klarschrift beschrieben werden. Grenzwerte für Sensoren, die bei Überschreitung einen Fehler auslösen, sind als Parameterwerte in der HEX-Datei des Steuergeräts kalibriert und müssen als Überwachungsbereich ausgewiesen werden. Diagnose-Fehlercodes sind in den Diagnosebeschreibungen aufgeführt und müssen einem standardisierten SAE-Code zugeordnet werden.

Bild 3: Die Verknüpfung von Wissensinhalten mit Kalibrierdaten ermöglicht die Wiederverwendung und stellt sicher, dass in Dokumenten immer aktuelle Inhalte angezeigt werden.

Bild 3: Die Verknüpfung von Wissensinhalten mit Kalibrierdaten ermöglicht die Wiederverwendung und stellt sicher, dass in Dokumenten immer aktuelle Inhalte angezeigt werden. Vector Informatik

Die Erstellung der OBD-Dokumentation ist somit in erster Linie eine organisatorische Herausforderung. Es gilt sicherzustellen, dass alle Informationen in der geeigneten Form sowie auf dem korrekten Stand zusammengetragen werden und von Sachexperten, entsprechend den gesetzlichen Anforderungen, aufbereitet werden können.

Diese Aufgabe erfolgt heute weitgehend ohne spezielle Werkzeugunterstützung. In Text- oder Tabellen-Dokumenten sammelt der für die OBD-Dokumentation Verantwortliche diese Informationen und bereitet sie auf. Dabei entsteht erheblicher Aufwand, denn neben der initialen Erhebung der Daten muss sichergestellt sein, dass alles zur Freigabe auf dem aktuellen Stand ist:

  • Wurde der Erkennungsalgorithmus während der Entwicklung geändert?
  • Passen die Kalibrierdaten zur aktuellen Fahrzeugvariante?
  • Welche Informationen lassen sich für Derivate wiederverwenden?
  • Wer ist der Ansprechpartner für eine Diagnosefunktion im Falle von Rückfragen?

Es ist von großer Bedeutung, dass alle Informationen zum Zeitpunkt der Einreichung korrekt sind. Für eine fehlerhafte OBD-Dokumentation sehen die Behörden Strafzahlungen vor, die sich an der Stückzahl der zugelassenen Fahrzeuge orientieren. Die Regelungen der CARB (California Air Resource Board) sehen Strafen zwischen 25 und 50 US-Dollar je Mangel und zugelassenem Fahrzeug vor. Abhängig von der verkauften Stückzahl ergeben sich schnell Strafzahlungen in beträchtlicher Höhe.

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