Redaktion IEE

(l.) Thomas Naczenski, Prokurist, und Philipp Boehmert, gesamtverantwortlich für Marketing & eCommerce, von der autosen gmbh. Redaktion IEE

Wie kam es dazu, dass Sie als Anbieter von Sensorik beschließen: Wir steigen in Industrie 4.0 ein und bringen Sensordaten einfach in die Cloud?

Philipp Boehmert: Unser Motto ist es, Dinge einfacher zu machen. Daher sind wir 2011 angetreten, die Prozesse in der Beschaffung von Sensorik radikal zu vereinfachen, ohne Bürokratie und ohne Overhead an Sales, Verwaltung und was alles dazu gehört. Zudem sollte der Kunde bei der Bestellung keine Hürden haben. So muss er sich bei uns beispielsweise keine Gedanken um aufwendige Anmeldeprozesse machen.

Wie lässt sich diese Idee der Vereinfachung auf den IO-Key übertragen?

Philipp Boehmert: Angefangen hat es mit IO-Link. Wir sind von dem Konzept überzeugt, da durch IO-Link der Sensor ein bisschen digitaler wird, ein bisschen smarter – eben genau nach unserem Motto: einfacher. Wir können den Sensor leicht parametrieren und einstellen, das konnten wir so vorher nicht. Daher haben wir ab 2014 IO-Link Master, Verbindungstechnik und Software eingeführt. Aber was uns noch fehlte, war diese Plug & Play-Bedienfähigkeit, wie es sie im Alltag gibt. Wenn ich etwa ein Smartphone oder einen USB-Stick benutzen will, muss ich nicht programmieren. Sondern ich schließe ihn an, es taucht eine Meldung auf und dann sehe ich, okay, da ist er und es funktioniert.

Im Zuge der, ich nenne es mal Industrie 4.0- beziehungsweise Digitalisierungsbewegung, haben wir diese Einfachheit für die Industrie schlicht vermisst. Wir haben daher eine Lösung gesucht, die in unser Portfolio passt.

Und nachdem es keine passende Lösung gab, haben Sie selbst eine entwickelt?

Alles, was es an Infrastruktur braucht, ist Strom. Thomas Naczenski, autosen

Alles, was es an Infrastruktur braucht, ist Strom. Thomas Naczenski, autosen autosen

Thomas Naczenski: Die Idee dazu hatte unser Produktmanager Rainer Schniedergers, der sich auch die Frage gestellt hat: „Warum ist das eigentlich so schwer, einen Sensorwert ins Netz zu bringen?“ Wir wollten dafür eine Lösung, die wirklich schlüsselfertig ist. Wie sie ein schlüsselfertiges Haus bauen.

Philipp Boehmert: Aktuell braucht es viele Komponenten, viel Know-how und mehrere Abteilungen, um einen Sensorwert in die Cloud zu bringen. Das dauert, ist arbeitsintensiv und teuer.

Ist Einfachheit das Alleinstellungsmerkmal, der USP, des IO-Keys?

Philipp Boehmert: Es ist die einzige Plug & Play-Komplettlösung. Sie müssen sich, egal bei welcher Lösung, immer Gedanken um alle anderen Assets außer dem Gateway machen. Das heißt im Endeffekt, es kommt kein Gateway zu Ihnen, was eine eingebaute SIM-Karte mit Datenvertrag und eine fest verknüpfte Cloud hat. Sie haben die Cloudfunktionalität, sobald Sie den IO-Key mit Strom versorgen und einen IO-Link fähigen Sensor anschließen – Sie können direkt loslegen. Auch bei uns hat der Kunde so wenig Aufwand wie möglich und muss sich keine Gedanken um Sicherheit, Security und Maschinenfunktionalität machen. Der IO-Key wird dezentral – entweder per Hutschienenadapter, mit Schrauben oder durch Spannbänder – dorthin gebracht, wo ich ihn brauche. Dezentral heißt, das Gateway hat keinen Zugriff auf die Maschinensteuerung oder das Netzwerk des Kunden. Das ist eine Anforderung, die wir sehr häufig hören.

Wie gelangen nun meine Sensordaten in die Cloud?

Thomas Naczenski: Kurz: Plug & Play. Im Wesentlichen sind das drei Schritte, die man machen muss, um einen Sensorwert online sehen zu können. Insgesamt dauert das ungefähr eine Minute. Zuerst versorge ich den IO-Key mit Strom, indem ich ihn entweder an das Bordnetz meiner Maschine bringe, oder ich benutze ein Netzteil, das ich dazu bestellen kann. Dann schließe ich den Sensor an einen der zwei Ports mit M12-Anschluss an. Anschließend logge mich in die Cloud ein und sehe schon meinen IO-Key und den angeschlossenen Sensor. Das war‘s.

Dieser Prozess braucht keine zusätzliche Konfiguration, denn das System lädt die IODD-Datei – die für IO-Link benötigte „Treiberdatei“ – automatisch herunter und damit ist der Sensor eindeutig identifiziert. Ich muss nicht erst den Sensor anmelden, sondern ich sehe ihn, wenn ich ihn anschließe. Wie den USB-Stick. Dabei haben Sie die Wahl zwischen mehr als 6.000 Sensoren von über 200 Herstellern, eben alle, die IO-Link unterstützen.

Was ist mit analogen Sensoren?

Thomas Naczenski: Hierfür gibt es IO-Link-Module bzw. IO-Link-Verteilerboxen. Diese sammeln die Daten von mehreren Sensoren ein, die aber nicht IO-Link sprechen, sondern Standard Input/Output – herkömmliche Sensoren mit binärem Ausgang. Ein Anwendungsfall ist, dass ich acht Füllstände habe und ein Signal brauche, wenn ein Pegel erreicht ist. Diese Sensoren sprechen nicht zwingend IO-Link, da ich nur ein Signal „An-Aus“ habe. Dann brauche ich im Endeffekt auch kein IO-Link. Von diesen Sensoren kann man mehrere an eine Verteilerbox anschließen und diese dann mit dem IO-Key verbinden.

Kann ich auch einen IO-Link Master anschließen?

Thomas Naczenski: Da der IO-Key bereits einen Master enthält, ist dies leider nicht möglich. Der IO-Link-Standard erlaubt es nicht, einen Master direkt mit einem weiteren Master zu verbinden.

Wie die Datenübertragung in die Cloud funktioniert, lesen Sie auf Seite 2

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