Plagiatoren, die mancher schon als moderne Produktfreibeuter bezeichnet, verdienen schnelles Geld auf Kosten anderer. Dafür kopieren sie erfolgreiche Produkte und verkaufen sie zu einem Bruchteil des Wertes. Sie tummeln sich in vielen Märkten und nicht wenige Hersteller entdecken ihr eigenes Produkt am Messestand nebenan oder erfahren durch ihre Kunden von täuschend echt aussehenden und minderwertigen Kopien. Leidtragende sind zum Beispiel mittelständische Unternehmen, die in jahrelange Forschungs- und Entwicklungsarbeit investieren. Gruner, Entwickler von gepolten bistabilen Hochstromrelais bis 250 A, kämpft seit zehn Jahren offen gegen das Kopieren ihrer Produkte.

Nur echt mit goldener Nase

Der Zwerg mit der goldenen Nase ist der Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Produktpiraterie.

Der Zwerg mit der goldenen Nase ist der Negativpreis Plagiarius für besonders dreiste Produktpiraterie.Land der Erfinder

Um diese Problematik ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken und zu sensibilisieren, vergibt die Aktion Plagiarius e.V. seit 1977 den gleichnamigen Negativpreis für besonders dreiste Fälscher. Die letzte Verleihung fand am 10. Februar 2012 auf der Frankfurter Konsumgütermesse Ambiente im Rahmen einer internationalen Pressekonferenz schon zum 36. Mal statt. Die Trophäe ist ein schwarzer Zwerg mit der goldenen Nase. Dieser symbolisiert die goldene Nase die sich die Kopierer auf Kosten innovativer Hersteller verdienen. Professor Rido Busse ist Initiator des Plagiarius. Er erläutert: „Die Auszeichnung mit dem Plagiarius sagt dabei nichts darüber aus, ob die jeweilige Nachahmung im juristischen Sinne erlaubt ist oder nicht. Die Aktion Plagiarius kann und darf kein Recht sprechen. Wir können aber auf Unrecht aufmerksam machen und als Sprachrohr der vielen von Nachahmungen betroffenen Unternehmen agieren.“

Made in China

Heutzutage wird beinahe alles gefälscht. Oben ist das Original abgebildet und unten die Kopie.

Heutzutage wird beinahe alles gefälscht. Oben ist das Original abgebildet und unten die Kopie.Michael Matejka

Rund 85 Prozent aller Plagiate und Fälschungen kommen nach wie vor aus China. Entdeckt werden sie oft erst auf Messen, wenn Hersteller ihre eigenen Produkte plötzlich an fremden Ständen sehen. So kommt es immer häufiger vor, dass Ausstellungsprodukte beschlagnahmt werden, weil sie als Kopien identifiziert wurden. Einer Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge haben 53 Prozent aller Firmen schon einmal auf diese Weise Plagiate und Fälschungen ihrer Produkte entdeckt.

Aufgrund der weltweit steigenden Nachfrage nach Relais sind Hersteller von Schaltgeräten auch von der Produktpiraterie betroffen. Der Geschäftsführer von Gruner, Eduard Spreitzer, weiß, worauf es den Fälschern besonders ankommt: „Firmen, die unsere Produkte kopieren, sparen nicht nur an der Qualität der verwendeten Materialien. Den größten Nutzen haben sie dadurch, dass jahrlange Forschungs- und Entwicklungsarbeit einfach übersprungen wird.“ Nur so können Plagiate auf dem Markt zu Schleuderpreisen angeboten werden. Der Weg von der Entwicklung eines Produkts bis zur Serienfertigung ist nicht vorhersehbar und läuft oft nicht nach Plan. Qualität lässt sich nur dann erzielen, wenn man Schritt für Schritt vorgeht und die Bereitschaft zeigt, bis zum letzten Schliff immer wieder Modifizierungen vorzunehmen. 

Kleiner Mangel – große Wirkung

Optisch sind Original (li.) und Plagiat (re.) kaum zu unterscheiden, nur weist letzteres Qualitätsmängel auf. Die Hersteller der Originale haben meist das Nachsehen.

Optisch sind Original (li.) und Plagiat (re.) kaum zu unterscheiden, nur weist letzteres Qualitätsmängel auf. Die Hersteller der Originale haben meist das Nachsehen.Gruner

Spreitzer zufolge sind sich viele Käufer aber nicht bewusst, dass der Qualitätsunterschied zwischen einem Original und einem Plagiat verheerende Folgen haben kann. „Bei Relais kommt es durch minderwertige Materialien und unzureichende Tests oft zu erhöhten Feldausfällen“, erklärt Spreitzer. Schon kleine Mängel können das Relais komplett zerstören. Das ursprüngliche Ziel, mit dem Erwerb von Billigprodukten Geld zu sparen, kann damit nicht erreicht werden. Im Gegenteil, meist muss der Kunde bei Plagiaten sogar mit erhöhten Kosten rechnen, da diese Relais eine geringere Lebensdauer und eine niedrigere Kurzschlussfestigkeit aufweisen. Solche Mängel zeigen sich oft erst nach einiger Zeit unter hoher Beanspruchung. Dabei besteht das Risiko, dass sich beispielsweise ein Kurzschluss entwickelt oder der Kontakt thermisch überlastet wird und folglich das Relais verbrennt.

Unternehmen wie Gruner investieren vor allem in die Entwicklung und Prüftechnik. Werkzeugbau, Prüflabor und Fertigung gehören zusammen und befinden sich im Werk im baden-württembergischen Wehingen. Die Montage der Produkte erfolgt in eigenen Werken in Tunesien, Serbien und Indien. Obwohl die Produkte durch internationale Eigentumsrechte geschützt sind, ist dies für viele Fälscher kein Hindernis, 1:1-Kopien anzufertigen und zu vertreiben. Die meist verkauften Plagiate hat Gruner analysiert. „Ein entscheidendes Qualitätsmerkmal unserer Relais ist die hohe Strombelastbarkeit. Von den untersuchten Kopien konnte keine die Werte des Originals erreichen“, betont Spreitzer.

Preisdruck und Imageverlust

„Bei gefälschten Relais kommt es durch minderwertige Materialien und unzureichende Tests oft zu erhöhten Feldausfällen“, weiß Eduard Spreitzer, Geschäftsführer bei Gruner.

„Bei gefälschten Relais kommt es durch minderwertige Materialien und unzureichende Tests oft zu erhöhten Feldausfällen“, weiß Eduard Spreitzer, Geschäftsführer bei Gruner.Gruner

Da die Produktpiraterie vor allem im Relais-Bereich aber weiterhin zunimmt, muss Gruner mit Folgen rechnen. „Das Preisniveau für Relais wurde bereits deutlich gedrückt“, berichtet Spreitzer. Kommt es beim Einsatz der gefälschten Relais mit Gruner-Aufdruck zu Fehlern, bedeutet dies einen enormen Imageverlust für den Hersteller der Originale. Das Unternehmen versucht daher seit einigen Jahren, vehement gegen die Produktpiraterie vorzugehen. Allerdings sind den meisten Firmen aus rechtlicher Sicht die Hände gebunden. Daher nimmt das Unternehmen immer wieder Kontakt zu Entscheidungsträgern der Bundesregierung auf und versucht, die Problematik ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Speziell für seine Kunden hat Gruner einen Prospekt zusammengestellt, das die Originale den Fälschungen gegenüberstellt. „Derzeit sind sowohl Plagiate als auch nahezu täuschend echte Fälschungen mit dem Gruner-Logo auf dem Markt“, sagt Spreitzer. Um seine Marktposition gegenüber Nachahmern zu behaupten, wird das Unternehmen umso mehr in Forschung und Entwicklung investieren. Spreizer erklärt: „Nur so sind wir den Fälschern immer einen Schritt voraus.“

Auf einen Blick

Immer mehr Produktfälschungen finden den Weg in Produkte. Doch oftmals sind sie noch nicht mal ihren geringen Preis wert, denn nicht nur ihre Qualität lässt zu wünschen übrig sondern auch Ausfälle sind vorprogrammiert. Nicht mal vor dem Firmenlogo machen die Fälscher elektronischer Bauteile halt. Die negativen Folgen wie Imageverlust und Preisdruck treffen in erster Linie den Hersteller, der eventuell in monatelange Entwicklungsarbeit investiert hat.

Iris Gehard

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ist freie Redakteurin beim Pressebüro Gebhardt-Seele in München.

(rao)

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