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(Bild: Marisa Robles)

Auf eine stattliche Erfolgsbilanz kann Dr. Wolf-Dietrich Herold, Geschäftsführender Gesellschafter von Delo Industrie Klebstoffe, verweisen: „Die Dynamik unseres Unternehmens lässt sich relativ gut an der Gebäudeentwicklung erkennen.“

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Im neuen Verwaltungsgebäude von Delo am Hauptstandort Windach sind Produktmanagement, Marketing, Vertrieb und die Kantine untergebracht. Delo

Seit man sich im Jahr 2005 entschloss, sich in Windach unweit vom Ammersee, dem sechstgrößten Sees Deutschlands, anzusiedeln, wurde der Standort ständig erweitert. Starteten 2006 die Baumaßnahmen für die Produktion auf einem großzügig bemessenen Areal auf der grünen Wiese, so wurden über die Jahre weitere Anbauten notwendig: Gebäude für Labore, chemische Synthese und Verwaltung sowie Forschung und Entwicklung kamen hinzu, Produktions- und Lagerkapazitäten kontinuierlich erweitert. Jüngster Höhepunkt ist das nun Mitte Mai 2017 feierlich eingeweihte Verwaltungsgebäude. Das 4.600 m² umfassende, dreistöckige Gebäude wird 150 Mitarbeiter aus den Bereichen Produktmanagement, Marketing und Vertrieb beherbergen; hier ist nun die Kantine untergebracht. Parallel dazu wurde die Zahl der Mitarbeiter von 180 im Jahr 2007 sukzessive aufgestockt und fast verdreifacht: Derzeit beschäftigt das Familienunternehmen 580 Mitarbeiter, allein 500 in Windach.

Das moderne Gebäude füge sich harmonisch in die bestehende, gradlinige Bebauung mit ihrem lockeren Campuscharakter ein, betont der Unternehmensgründer und Chef. Bei der Innenarchitektur legte das Unternehmen besonderen Wert auf gute Arbeitsbedingungen, Transparenz und Flexibilität. „Es gibt viel Platz für temporäre, interdisziplinäre Projektteams, was ‚agiles Arbeiten‘ fördert und unsere Innovationskraft weiter stärken soll.“ Wie bei den bestehenden Gebäuden besitzen alle Büros im Neubau Glasfronten nach innen. Das sorgt nicht nur für viel natürliches Tageslicht, sondern fördert auch den Austausch: Offenheit, Erreichbarkeit und kurze Wege – das spiegelt unsere gelebte Kommunikationskultur wider.“ Noch in diesem Jahr soll auch die chemische Synthese im Technikum ausgebaut werden, wodurch künftig dort dreimal so viel Platz für die Herstellung eigener Rohstoffe zur Verfügung stehen wird. Bereits im Jahr 2019 will Delo ein weiteres Gebäude fertigstellen und einweihen, dann aber für Forschung und Entwicklung.

Fokus auf Forschung und Entwicklung

70 Prozent seiner Produkte exportiert Delo ins internationale Ausland. „Was uns auszeichnet ist die permanente Innovation. Das bedeutet für uns, einzigartige Klebstoffe und Klebstoffsysteme zu produzieren“, betont Wolf-Dietrich Herold. Jene Einzigartigkeit und Schnelligkeit sei das Überlebensmodell gegenüber dem internationalem und großem Wettbewerb, argumentiert er und untermauert dies mit einigen griffigen Zahlen: „Die chemische Industrie investiert 3 Prozent vom Umsatz in die Forschung. Siemens ist stolz darauf, jährlich 6 Prozent beziffern zu können und wir investieren jährlich 15 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.“ Immerhin erzielte der Mittelständler im letzten Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 18 Prozent auf 95 Mio. Euro. Im Ausland legten die Erlöse zu, in China sogar um 67 Prozent zu. Beeindruckend sei zudem, dass „19 Prozent der Mitarbeiter in der Forschung arbeiten“. Darüber hinaus werden jährlich 6 Prozent des Umsatzes in Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter ausgegeben. Zudem hat Delo im letzten Jahr 20 Prozent Umsatzes in Hard- und Software investiert.

Entscheidend für den Erfolg sei allerdings, dass „man die richtigen Ziele setzt, um verkaufsfähige Produkte zu haben“, erläutert er das Erfolgskonzept, das mit sehr hoher Produktqualität und nicht minder hoher Produktionssicherheit einhergehe. Daher habe die Produktion mit sieben identisch gleichen Produktionslinien „fast schon Pharma-Charakter“. Identisch deshalb, weil Teile der Produktion sich im Fast-Dunkel befinden, da auch lichthärtende Produkte gefertigt werden. Jährlich entwickelt der Hersteller etwa 30 neue Produkte. Das Portfolio erstreckt sich über 400 Klebstoffe.

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Klebstoff, das verbindende Element

Wie groß die Innovationskraft ist, zeigt Sabine Herold, Inhaberin und geschäftsführende Gesellschafterin von Delo Industrie Klebstoffe. „38 Prozent des Umsatzes von 95 Mio. Euro haben wir mit Produkten erzielt, die jünger als drei Jahre sind.“ Kaum eine Branche kommt ohne die High-Tech-Klebstoffe, Aushärtelampen, Dosiersysteme nebst Dosierventilen des Mittelständlers aus. Und so ist Delo in den Marktsegmenten Aerospace, Automotive, Consumer Electronics, Displays, Glas, Maschinen- und Anlagenbau, Optoelektronik, Photovoltaik, RFID, Halbleiter-Packaging und Smartcards gleichermaßen zuhause.

Delos Produktmanager suchten stets nach Märkten und Bereiche, die hohe Stückzahlen versprechen: kleinste Bauteile, die mit Klebstoffen einen Mehrwert erhalten und in Millionen-Stückzahlen hergestellt werden, argumentiert sie und nennt als Beispiel Sensoren: „Kein autonomes Fahren ohne Sensoren und wir sagen, kein Sensor ohne Klebstoff.“ Klar, dass man in den Feldern, in denen man strategisch unterwegs ist, auch Marktführer sein will, weshalb sie präzisiert: „Bei den Smartphones haben wir es geschafft, dass in jedem zweiten Handy der Welt unser Klebstoff enthalten ist. 80 Prozent aller Smartcards weltweit, worunter SIM- und EC-Karten fallen, wurden mit Delo-Klebstoffen verarbeitet.“

Als Megatrend wurde darüber hinaus das weite Feld der Kameras identifiziert: „Kameras sind mittlerweile überall, sei es in Ipads, Smartphones beherbergen sogar zwei Kameras oder auch im Automobil wie etwa der Rückfahrkamera.“ Diese winzigen Kameras lassen sich nur mit High-Tech-Klebstoffen zuverlässig verarbeiten, betont sie, die Brücke zu den Displays schlagend: „Das Schöne an der Kamera ist, dass auch ein Display notwendig ist. Und auch das Display ist geklebt.“ Eigens für Displays hat Delo mit Optical Bonding ein transparentes Klebstoff-Verfahren entwickelt, das die Reflektionen weitestgehend reduziert. Die optisch völlig transparenten, im Brechungsindex angepassten Klebstoffe füllen den Zwischenraum zwischen Display und Deckglas aus und reduzieren so die Reflexion um zwei Drittel. Dadurch spart man zusätzlich noch Energie, die für die Hintergrundbeleuchtung des Displays benötigt wird. Delo wurde hierfür vom Bundesforschungs-Ministerium mit dem Innovationspreis der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet.

Hoher Besuch: Bundesministerin Wanka nimmt sich Zeit

Als erfolgreiche Unternehmerin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes engagiert sich Sabine Herold heute in vielen Verbänden und Gremien. Seit 2014 gehört sie dem Steuerkreis „Innovationsdialog“ der Bundeskanzlerin an, der sich aus Vertretern der Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft zusammensetzt. Dem relativ kleinen Gremium gehören neben Angela Merkel seitens der Bundesregierung auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries und Bundesministerin für Bildung und Forschung Prof. Dr. Johanna Wanka an, die gemeinsam über Rahmenbedingungen für Forschung und technische Entwicklung diskutieren. Mit ihr am Tisch sitzen unter anderem Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende von Boehringer, Bosch, BMW und United Internet.

Den Erfolg von Delo als mittelständisches Unternehmen wird daher auch in Berlin mit Respekt beobachtet. Bundesministerin Wanka fand in ihrer Festansprache lobende Worte hinsichtlich des außergewöhnlichen Umfangs an geleisteten Innovationen: „Solch eine Gebäudeeinweihung ist ein sichtbarer Ausdruck für Wachstum. Ein solcher Unternehmenserfolg kommt nicht von alleine. Dazu gehört nicht nur Fachwissen, sondern auch eine starke strategische Orientierung“, lobte sie das Gründer- und Eigentümer-Ehepaar Herold. Die extrem hohe weltweite Marktpräsenz von Delo sei „ein großartiger Erfolg und eigentlich unvorstellbar.“ Das sei zugleich ein Beleg dafür, dass sich Investitionen in Forschung, Entwicklung und Weiterbildung lohnten. Auf dem internationalem Innovationsparkett ist Deutschland im 2017er Davos-Ranking in Sachen „Global Performance“ auf dem vierten Platz der Industrienationen, vor Japan und den USA. „Wie kann eine Nation, die nur ein Prozent der Weltbevölkerung umfasst, so leistungsstark sein?“ fragt Wanka und gibt die Antwort selbst: „Deutschland ist stark als Innovationsführer und Exporteur von forschungsintensiven Gütern. Dafür brauchen wir neben guten politischen Rahmenbedingungen mutige Unternehmen wie Delo, die mit innovativen Produkten internationale Märkte erreichen und erfolgreich Nischen besetzen. Solche Hidden Champions unterstützen wir, mit Forschung und mit einer modernen Fachkräfteausbildung.“

Allerdings mahnt sie, dass die Digitalisierung, Globalisierung und Migration eine erhebliche Herausforderungen darstellen: „Wir können diese Position leicht wieder verspielen“. Deshalb betont sie, dass die Bundesregierung auch in schlechten Zeiten die Ausgaben für Bildung und Forschung erhöht hat – in den vergangenen vier Jahren sogar um 27 Prozent. „Dadurch ist die Attraktivität Deutschlands für Forscher aus aller Welt enorm gestiegen.“ Die Wirkungen seien ablesbar: „Wir gehören zu den drei größten Hightech-Exporteuren. Bei weltmarktrelevanten Patenten sind wir weit vor den Amerikanern. Und jede sechste deutsche Publikation wird global zitiert.“

Wanka ist Mathematikerin und lehrte im mitteldeutschen Chemie-Dreieck um Leuna und Buna an der Universität Chemie und Verfahrenstechnik. Dadurch hat sie „eine hohe Affinität zu den Produkten von Delo“. Für Sabine Herold hatte die Regierungspolitikerin eine gute Nachricht dabei. Die Firmenchefin setzt sich für eine unbürokratische steuerliche Forschungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen ein. Wie Wanka in ihrer Festansprache sagte, sei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für das Thema „jetzt soweit“. Bislang habe er sich dagegen gewehrt. „Nun müssen nur noch eine Lösung gefunden werden, wie steuerliche Anreize geschaffen werden können“, bekräftigt sie.

Intelligente Klebetechnik

Beim anschließenden Firmenrundgang wurden Labore und auch Teile der Produktion gezeigt. In kleinen Versuchen konnten sich die Gäste von der Leistungsfähigkeit der Klebstoffe überzeugen: Ein kleiner Klecks Klebstoff verband zwei Plexiglasplatten binnen einer 0,5 s Aushärtung unter sichtbarem Licht. Trotz kräftigen Ziehens ließ sich die Verbindung nicht mehr lösen.

Delo legt den Fokus klar auf Zukunftsmärkte und passt das Produktportfolio und Unternehmensstruktur den stetigen Veränderungen an. Rund 30 Prozent des Gesamtumsatzes generiert der Mittelständler mit Produkten, die jünger als drei Jahre sind. Möglich wird es durch die hohen Investitionen in Forschung und Entwicklung, die das Unternehmen mit jährlichen 15 Prozent des Umsatzes beziffert.

Marisa Robles

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Chefredakteurin Productronic

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