| von Peter Erhard

Viele große Unternehmen und große mittelständische Firmen haben in das Thema investiert, zum Teil mit hohem finanziellem und personellem Aufwand. Kleinere mittelständische Firmen, die so genannten KMUs, haben im Prinzip die gleichen Anforderungen wie größere Unternehmen, verfügen aber nicht über die notwendigen Ressourcen, um derartige Systeme auf angemessen hohem Niveau zu etablieren und zu betreiben. Wie also kann der Mittelstand dieses Dilemma auflösen?

Seit vielen Jahren gibt es bereits klare Anforderungen aus der Automobilindustrie, der Luftfahrt und aus der Medizintechnik nach lückenloser Rückverfolgbarkeit (Traceability). Firmen, die diese Anforderungen am Markt bedienen möchten, kommen nicht daran vorbei in ein Software- und Logistiksystem zu investieren, wenn sie weiter am Markt bestehen möchten. Dies gilt für Produkthersteller (OEMs) gleichermaßen wie für EMS-Dienstleister.

Ein traditioneller Weg wäre nun, einen Projektleiter für das Thema zu benennen und mit entsprechenden Ressourcen zu versorgen. Dieser erarbeitet ein Lastenheft und baut eine ausführliche Entscheidungsmatrix auf. Eine solche Matrix kann oft aus mehreren hundert einzelnen Fragestellungen bestehen. Der Aufwand, diese zu erstellen und auszuwerten, ist sowohl beim Anbieter als auch beim Auftraggeber sehr groß. Der Inhalt dieser Liste wird oft in vielen Teilen von gängigen Normen beeinflusst, was zwar nach objektiv richtigen Fragestellungen aussieht, aber nicht die individuellen Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt.

Um eine Vergleichbarkeit der Anbieter zu erreichen, stellt die Abdeckung dieser Anforderungen ein zentrales Entscheidungskriterium dar. Die Anbieter werden dadurch zwangsläufig einen hohen Aufwand von Individualprogrammierung anbieten müssen, weil sonst die Abdeckung der Featureliste nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Der daraus resultierende Effekt ist häufig fatal – die Wartbarkeit und Upgrade-Fähigkeit der Systeme leidet erheblich unter dieser Vorgehensweise. Der Anwender bekommt das Gegenteil von dem, was er eigentlich haben wollte, nämlich ein Produkt von der Stange, das aber alle seine individuellen Bedürfnisse abbildet.

Teure Individual-Software

Der Anwender muss überlegen, ob er sich für eine Individualsoftware und damit eine genau abgestimmte Abbildung seiner Prozesse entscheidet. Als Nachteil muss er hohe Kosten und hohen Betreuungsaufwand in Kauf nehmen und auf die Upgrade-Fähigkeit zu überschaubaren Kosten verzichten. Eine Stand-Service-Hotline kann Individualsoftware kaum bedienen. Ein Ausweg aus diesem Dilemma kann nur eine hoch konfigurierbare Standardsoftware sein.

Einführung von MES-Teilfunktionalitäten

Bei der Einführung von Enterprise Ressource Planning-Systemen (ERP) haben viele Unternehmen schmerzhafte und teure Erfahrungen gemacht. In der Folge herrscht bezogen auf Softwaresysteme, die üblicherweise mit drei Buchstaben (wie z.B. SCM, PDM, aber auch MES) abgekürzt wird, Respekt bis Ablehnung. Ein ERP-System kann aber nur komplett für ein Unternehmen eingeführt werden. Ein MES unterscheidet sich hier fundamental – es lässt sich zunächst für bestimmte Bereiche, etwa eine Montagelinie, aber auch zum Start mit einer bestimmten Teilfunktionalität eines MES einführen. Eine stufenweise Vorgehensweise ist in jedem Fall ratsam. Dazu muss ein Softwarepaket entsprechend modular und skalierbar sein.

Skalierbarkeit und Modularität

Die Skalierbarkeit muss berücksichtigen, dass bei Ausbreitung eines Systems z.B. von einer Linie auf einen kompletten Fertigungsbereich oder das gesamte Werk auch die Performance eines Systems gewährleistet bleibt. Ebenso muss eine funktionale Erweiterung zu einem kompletten MES möglich sein.

Modularität muss ermöglichen, dass mit beliebigen Funktionen begonnen werden kann und stufenweise weitere Funktionalitäten freigeschaltet werden. Der Anwender möchte z. B. mit Auftragsmanagement beginnen, dann die Planung der Wartungsaufträge hinzufügen und schließlich die Gesamtanlageneffizienz, also die Overall Equipment Effectiveness (OEE) überwachen.

Ein System, das diese Anforderungen erfüllt, ist der Linerecorder. Auftragsmanagement, Material-Monitoring, Alarmmanagement, Traceability, Wartungsplanung und BDE/MDE sind jeweils modulare, einzeln installierbare Funktionen, bei denen der Anwender beliebige Funktionen kombinieren und in beliebiger Reihenfolge beginnen kann. Die Aktivierung der einmal installierten Software erfolgt dann durch Freischaltung eines Lizenzschlüssels.

Die freigeschalteten Funktionen werden nach Bedarf parametriert, z.B. wird ein Wartungsplan für eine Maschine definiert, der festlegt, wann und nach welchen Kriterien die Wartung der Maschine erfolgt. Die Planung der Wartung erfolgt dann in Abstimmung mit den normalen Produktionsaufträgen, um eine optimale Effizienz zu erreichen.

Bei auftretenden Störungen, z.B. Maschinenproblemen oder Materialmangel, benachrichtigt das System den Anwender (E-Mail, SMS usw.), um unerwartete Fertigungsstillstände zu vermeiden.

Durch die Softwarearchitektur, basierend auf Applikations-Server und webbasierten Oberflächen für alle wesentlichen Systemfunktionen, ist eine einfache Handhabbarkeit durch die IT-Abteilung gewährleistet.

Die Software-Agenten

Einen besonderen Beitrag zu hoher Systemverfügbarkeit und gleichzeitig einfachem Handling leisten die Linerecorder-Agenten. Diese Software-Agenten sind „intelligente“ Systeme, die Aufgaben, Ziele und Möglichkeiten zur Problembehandlung haben. Sie „kümmern“ sich z. B. um Maschinen, stellen sicher, dass die Maschine so effizient wie möglich läuft und benachrichtigen den Anwender bei auftretenden Störungen, z. B. bei Maschinenproblemen oder Materialmangel.

Die Agenten überwachen die wichtigsten Key Performance Indicator (KPI) für den Anwender und nehmen ihm so Arbeit ab. Der Anwender kann wählen, ob das System selbst eingreifen soll oder ob er lieber per E-Mail oder SMS benachrichtigt werden möchte.

Peter Erhard

: Handke Industrie Software GmbH

(hb)

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