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Die ‚Zukunftsmeile Fürstenallee‘ beherbergt viel Automatisierungstechnik wie Embedded-PCs und Ethernet-Switches.
Die ‚Zukunftsmeile Fürstenallee‘ beherbergt viel Automatisierungstechnik wie Embedded-PCs (links unten) und Ethernet-Switches (obere Schiene).

Auf einer Grundfläche von rund 5.000 m2 bietet Gebäude 1 der Zukunftsmeile 3.200 m2 vermietbare Fläche auf drei Stockwerken. Derzeit nutzt diese die Universität Paderborn mit ihren Fachgebieten Softwaretechnik, Datenbank und Informationssysteme beziehungsweise Schwarmintelligenz. Außerdem gehören zu den ersten Mietern das Software Quality Lab (S-Lab), das Paderborn Institute for Advanced Studies (Pace), die Fraunhofer-Projektgruppe Entwurfstechnik Mechatronik sowie die Kompetenznetzwerke Inno-Zent OWL und OWL Maschinenbau. Auch die Fachhochschule der Wirtschaft (MLAP) und das Technologie-Netzwerk ‚It‘s OWL – Cluster Management‘ sind dabei. Die große Zahl der Mieter weist auf die drei wichtigsten Anforderungen an die Gebäudeautomatisierung hin, wie Simone Probst, Geschäftsführerin der Zukunftsmeile Fürstenallee Infrastruktur GmbH, erläutert: „Die größte Herausforderung war, dass die Gebäudetechnik auf die unterschiedlichen Nutzer abgestimmt sein musste. Es war daher ein hohes Maß an Flexibilität gefordert.“ Als zweiter Aspekt lag ihr viel an einer Gebäudetechnik, die der Besitzer selbst weiterentwickeln kann. Schließlich wussten die Verantwortlichen zum Zeitpunkt der Ausschreibung und des Baus noch nicht, wie die künftige Mieterstruktur aussieht. Und die dritte wesentliche Forderung gilt dem Kosten-Nutzen-Aspekt: „Das Gebäude und die Ersteinrichtung wurden mit insgesamt 11,5 Millionen Euro von der öffentlichen Hand finanziert und demgemäß EU-weit ausgeschrieben. Die Lösung musste daher funktional und preiswert sein“, sagt Probst.

Zukunftsmeile-Geschäftsführerin Simone Probst (rechts) freut sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Elektro-Beckhoff-Projekt­leiter Ingo Wagner.

Zukunftsmeile-Geschäftsführerin Simone Probst (rechts) freut sich über die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Elektro-Beckhoff-Projekt­leiter Ingo Wagner.Beckhoff

Das Gebäude vernetzen

Über alle Gewerke hinweg bilden Komponenten des Automatisierungstechnik-Herstellers Beckhoff die Basis für die Gebäudesteuerung. Dazu erläutert Ingo Wagner, Projektleiter von Elektro Beckhoff: „Wir haben in der Zukunftsmeile Fürstenallee die komplette Elektrifizierung übernommen. Hierunter fallen das Steuern der Innen- und Außenbeleuchtung über eine Dali-Schnittstelle (Digital Adressable Lighting Interface), das Anbinden der MSR-Technik und Multimedia.“ Für die Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik war die Heger Gebäude­automation Ingenieurgesellschaft (HGI) verantwortlich. Auch HGI setzt in den Lösungen Beckhoff-Komponenten wie das Busklemmensystem ein sowie Standard-Ethernet für die Vernetzung. „Auf diese Weise ließen sich die im jeweiligen Gewerk benötigten Daten ohne Schwierigkeiten austauschen“, erklärt Wagner. HGI-Abteilungsleiter Burkhard Brüning ergänzt: „Unsere Netzwerke kontrollieren von der Energieerzeugung über das Verteilen und Speichern bis hin zum Verbraucher alle Energieflüsse im Gebäude. Und ohne ein leistungsfähiges und zuverlässiges IP-Netzwerk kann heute kein Gebäude mehr im Wettbewerb bestehen. Hier setzt unser System Building Automation 2.0 an, das die Gebäudeautomation mit der IT verbindet.“ Besondere Anforderungen stellte das Einbinden der Erdwärmepumpen in das Gesamtkonzept. Die Ethernet-basierte Kommunikationstechnik bildet hier die Basis für ein durchgängiges System. In diesem tauschen beispielsweise Raumbediengeräte, diverse Feldgeräte unterschiedlicher Hersteller sowie das 12″-Touchscreen-Panel CP­6901 und die Embedded-PCs CX9010 von Beckhoff Daten aus. Die PCs steuern in Verbindung mit LON-Busklemmen die Primäranlagen, also Heizung, Lüftung und Kälte, sowie übergeordnete Funktionen der Einzelraumregelung.

Jedem sein eigenes Licht

Für die Gebäudenutzung sieht Wagner einen großen Vorteil in den 215 Pendelleuchten und den 550 m Lichtkanälen mit Dali-Technik: „Durch sie können die verschiedenen Mieter das Gebäude ihren jeweiligen Bedürfnissen anpassen.“ Das heißt, die Räume lassen sich durch programmtechnische Änderungen erweitern oder teilen. Auf diese Weise werden aus einem Großraum ohne großen Aufwand mehrere Kleinräume. Ohnehin bleibt die zugrundeliegende Automatisierungstechnik, die eine komfortable und einfache Gebäudenutzung ermöglicht, vor dem Mieter verborgen: „Deshalb muss die Insta­llation vordergründig standardisiert, also mit normalen Bedienschaltern umgesetzt werden. Diese Serien- und Wechselschalter sind als kommunikationsfähige Taster ausgeführt und ermöglichen ein simples Ein- und Ausschalten des Lichts. Gleiches gilt für die Steuerungstechnik, die wir mit der Automatisierungs-Software Twincat umgesetzt haben.“ Probst ergänzt: „Die Büros sind zum Beispiel hinsichtlich der Raumgröße standardisiert, um einen für alle Nutzer akzeptablen Kompromiss zu bieten. Eine gewisse Individualisierung ist aber möglich. So wird in den größeren Büros beispielsweise das Licht zuerst in der Raummitte angeschaltet. Auf Wunsch des Mieters kann dies aber auch am Schreibtisch oder im Besprechungsbereich geschehen.“ Hierfür oder auch für veränderte Türöffnungszeiten bei Abendveranstaltungen und den VPN-Fernzugriff dient ein Passwort-­geschütztes 5,7″-Control-Panel CP6607 im Hausmeisterraum.

Bei Bedarf sind Änderungen an der Gebäudetechnik möglich. Denn aufgrund der durchgängigen Hardware-Basis lässt sie sich per Software ohne großen Aufwand anpassen und verbessern. So kann man die bereits auf dem Dach des Gebäudes stehende Wetterstation bei Bedarf stärker in die Automatisierungstechnik integrieren oder im Rahmen des Fern­zugriffs einen SMS-Alarm für den Hausmeister im Fehlerfall umsetzen.