Dabei unterstreicht ein Blick auf die Ausstellerliste der diesjährigen Messe die zunehmende Bedeutung elektronischer Komponenten im Automobil: Von rund 2600 Ausstellern präsentieren auf der electronica 2014 mehr als 1500 Unternehmen Lösungen aus der Automobilelektronik. Und die einen Tag vor Messestart stattfindende electronica automotive conference stellt mit ihren Themenschwerpunkten Lighting, Sensor Fusion und Connectivity Toptrends des Automotive-Markts in den Mittelpunkt.

Wenn die electronica am 11.11.2014 Ihre Pforten öffnet, dürfte der Andrang wieder ähnlich sein wie auf der electronica 2012.

Wenn die electronica am 11.11.2014 Ihre Pforten öffnet, dürfte der Andrang wieder ähnlich sein wie auf der electronica 2012.Messe München

Der Siegeszug von Automotive-Themen auf der electronica 2014 spiegelt die Entwicklung im Markt wider: In Fahrzeugen des Modelljahres 1964 beschränkten sich elektronische Komponenten auf wenige einfache Funktionen und Bedienelemente. Im Jahr 2014 bezeichnen Automotive-Experten aktuelle Fahrzeuge gern als „Computer auf Rädern“. Allein der in modernen Pkws verbaute Kabelbaum ist heute mehrere Kilometer lang.

Der Bedeutungszuwachs von Elektronik verlief im Auto ebenso rasant wie in fast allen anderen Lebensbereichen. Die Fachmesse electronica begleitete diese Entwicklung sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf Aussteller- und Besucherzahlen. So verzeichnete die Messe allein von 1964 bis 1974 bei den Ausstellern eine Steigerung von 100 auf über 950 und bei den Besucherzahlen einen Sprung von 13.400 auf 73.336.

Für das Fachpublikum war die Münchener Messe immer der richtige Anlaufpunkt, um sich einen Überblick über die Innovationen der nahen Zukunft zu verschaffen. So gab es auf der electronica 1972 die ersten Mikroprozessoren zu begutachten oder im Jahr 1982 die ersten CAN-Steuergeräte für den Einsatz in Automobilen. Elektronische Zündanlagen, elektronisches Motormanagement, vielfältige ECUs und Bussysteme waren auf der electronica zu sehen und hielten danach Einzug in den Markt und die Serienfahrzeuge.

Seit dem Jahrtausendwechsel ergänzen Navigations-, Infotainment- und Assistenzsysteme den Elektronikumfang in den Fahrzeugen. Auf dem Weg in die automobile Zukunft spielen sie die entscheidende Rolle schlechthin: Die Vernetzung mit Infrastruktur und anderen Autos wird mehr Informationen ins Fahrzeug bringen, was nicht zuletzt eine wichtige Basis dafür ist, das Vorwärtskommen im immer dichter werdenden Straßenverkehr weiterhin sicherzustellen. Neben leistungsfähigen Batterien und ausgeklügeltem Energiemanagement – Lösungen, die selbstverständlich auf der electronica präsentiert werden – spielen auch exakte Informationen über die Wegstrecke und Verkehrssituation eine wichtige Rolle in zukunftsorientierten Mobilitätskonzepten wie dem Einsatz von Elektro- und Hybridantrieben.

Automotive ist auch in diesem Jahr wieder ein großes Thema auf der electronica.

Automotive ist auch in diesem Jahr wieder ein großes Thema auf der electronica.Messe München

Darüber hinaus sind vernetzte Sensoren und immer leistungsfähigere Assistenzsysteme der erste Schritt zum zunächst teilautonomen, später hochautomatisierten und schließlich vollautomatisierten Fahren. Schon heute finden sich in vielen Fahrzeugen der Oberklasse und oberen Mittelklasse selbstlenkende Parkassistenten, Abstandsregel-Tempomaten, Notbremsassistenten und Staufolge-Assistenten. Sie basieren auf Systemen und Komponenten, die nicht selten ihr Debüt beim Fachpublikum im Rahmen der electronica gaben: So war die weltweit erste Einparkhilfe 1982 eines der Gesprächsthemen auf der Messe. Bis zum Jahr 2020 sollen sich diese Systeme so stark weiterentwickeln, dass der Fahrer auf Autobahnen und Schnellstraßen die Fahraufgabe für längere Zeit seinem vollautonom agierenden Fahrzeug überlassen kann. Die damit verbundenen Chancen für die Branche sind immens: Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI) geht davon aus, dass das Marktvolumen der Automobilelektronik bis zum Jahr 2025 auf über 430 Milliarden Euro steigen wird.

Bis diese Vision Wirklichkeit wird, sind für die Systemlieferanten und Entwickler noch viele Herausforderungen zu meistern. Doch eines steht fest: Die heute schon in vielen Bereichen unverzichtbare Elektronik im Auto wird in den nächsten Jahren noch weiter an Bedeutung gewinnen. Die electronica begleitet und fokussiert die damit verbundenen Entwicklungen.

Auch das Rahmenprogramm verfolgt dieses Ziel: Schon seit der ersten Fachmesse im Jahr 1964 gab es begleitende Symposien und Fachkonferenzen, die über die Jahre immer den Anforderungen des Marktes Rechnung getragen und auf neue Anforderungen reagiert haben. So wurde 2006 die electronica automotive conference ins Leben gerufen. Hier treffen sich das Topmanagement und Experten aus dem Automotive-Bereich, um über Themen zu diskutieren, die eine tragende Rolle im Wandel der gesamten Branche spielen.

Die Leitthemen der diesjährigen Konferenz repräsentieren die derzeitigen Toptrends in der Automobilelektronik: Unter dem Schlagwort Lighting stehen zum Beispiel die Lichtbauelemente OLED und Laser im Mittelpunkt. Unter der Überschrift Sensor Fusion diskutieren die Experten über die intelligente Vernetzung von Fahrzeugsensoren auf dem Weg zum autonomen Fahren sowie über die Halbleitertechnologien der Zukunft, und der Themenschwerpunkt Connectivity konzentriert sich auf Systeme, Software und Lösungen aus Bereichen wie Car-to-X, Infotainment und Auto-Komfortsysteme.

Eröffnen werden die in diesem Jahr am 10. November stattfindende Konferenz Dr. Wolfgang Huhn von Audi, Jean-Francois Tarabbia von Valeo und Prof. Hermann Eul von der Intel Corporation. Experten von Freescale, International Rectifier, NXP, Rohm, Vishay und anderen namhaften Unternehmen werden diese Inhalte in hochkarätigen Vorträgen vertiefen.

Wir vom Team der Messe München freuen uns deshalb nicht nur auf die electronica 2014, die vom 11. bis 14. November stattfindet, und die electronica automotive conference am 10. November, sondern nicht weniger auch auf die nächsten 50 Jahre electronica. Erlauben Sie mir die persönliche Prognose, dass der Quantensprung vom Jahr 2014 bis zum Jahr 2064 wohl noch bahnbrechender ausfallen dürfte als der von 1964 bis 2014 – obwohl das zugegebenermaßen nur schwer vorstellbar ist.