Genauso wie in den Jahren zuvor brachte auch in diesem Jahr wieder auf der Bosch-Pressekonferenz die Rede von Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, die wesentlichen Fachthemen der IAA auf den Punkt. So sieht er erstens „klar eine weitere Verschiebung der Automobilproduktion in die aufstrebenden Länder Asiens“, wobei der automobile Nachholbedarf in diesen Ländern „zunächst vor allem mit kleinen und kostengünstigen Fahrzeugen gedeckt“ werde, und damit lege „die weltweite Produktion von Light Vehicles im Laufe der Dekade nach ihrem Wert weniger zu als nach Stückzahlen“.

IAA 2011

IAA 2011Alfred Vollmer

Als dritten Punkt sieht Fehrenbach ein Ansteigen der technischen Ansprüche: „Auch kleine und kostengünstige Fahrzeuge müssen sicher, sauber und sparsam sein … Wir setzen alles daran, den Unfall- und Umweltschutz erschwinglich zu machen.“ Allerdings sei eine Weiterentwicklung der Technik nur ein Aspekt: „Zugleich müssen wir uns auf technische Umbrüche einstellen – sei es mit dem Weg von der Fahrerassistenz zum autonomen Fahren, sei es mit dem Übergang zur Elektromobilität“, führt Fehrenbach weiter aus. „In diesem Spagat liegt die vierte und größte Herausforderung für die Automobilindustrie, und damit auch für Bosch.“

Nachdem Bundeskanzlerin Merkel die IAA eröffnet hatte, besichtigte sie unter anderem den Opel Ampera und informierte sich über dessen deutsche Inhalte, Der Aufforderung, sich in den City-Flitzer „RAK e“ zu setzen, kam sie allerdings nicht persönlich nach.

Nachdem Bundeskanzlerin Merkel die IAA eröffnet hatte, besichtigte sie unter anderem den Opel Ampera und informierte sich über dessen deutsche Inhalte, Der Aufforderung, sich in den City-Flitzer „RAK e“ zu setzen, kam sie allerdings nicht persönlich nach.Alfred Vollmer

Gute Chancen räumt Bosch beispielsweise dem Plug-in-Hybrid ein mit einer Batterie, die sich einfach an der Steckdose aufladen lässt und für alltägliche Stadtfahrten reicht. Das Unternehmen sieht sich in der Lage, den Verbrauch von Diesel- und Benzinmotoren „mit einer Reihe technischer Maßnahmen nochmals um ein Drittel (zu) senken“. Franz Fehrenbach weiter: „Was ökologisch sinnvoll ist, nützt uns bei Bosch auch ökonomisch.“

Außerdem habe Bosch beispielsweise die Systemkosten seiner Radarsensoren binnen drei Jahren halbiert. „Die Entwicklung geht weiter – in den kommenden Jahrzehnten hin zum unfallfreien, ja zum autonomen Fahren“, erklärt Fehrenbach. „Dies wird sich zunächst in überschaubaren Situationen durchsetzen, etwa mit der automatischen Längs- und Querführung des Fahrzeugs bei Stop-and-go. Solche Anwendungen werden wir stufenweise ausbauen – für höhere Fahrgeschwindigkeiten oder auch komplexere Situationen.“ Entscheidend dafür sei es, die Systeme der Fahrerassistenz zu erweitern: „Der Weg zum autonomen Fahren ist dem Übergang zur Elektromobilität beinahe vergleichbar – ein Thema, für das wir gut 800 Entwickler beschäftigen.“ Schon bis 2013 werde Bosch im Bereich der Elektromobilität über das Unternehmens-Portfolio hinweg „nahezu 20 Projekte bei zwölf Automobilherstellern beliefern“.

Side Distance Warning von Bosch warnt bei zu engen Fahrmanövern. Das System auf Ultraschallbasis soll Ende 2012 erstmals im Serieneinsatz sein.

Side Distance Warning von Bosch warnt bei zu engen Fahrmanövern. Das System auf Ultraschallbasis soll Ende 2012 erstmals im Serieneinsatz sein.Bosch

„Klar erkennbar“ ist für Bosch der Trend, die Displayfläche im Bereich Kombiinstrument zu vergrößern, wobei auch ein Voll-Display im Kombiinstrument auf den Markt kommen soll, das ganz auf mechanische Funktionen verzichtet und die Inhalte rein elektronisch situationsabhängig aufbereitet anzeigt. Ab 2015 erwartet Bosch dann den Serieneinsatz seiner dreidimensionalen Anzeigen, wobei Bosch sich offensichtlich noch nicht festgelegt hat, ob dabei ein Mikrolinsen-Array (MLA) oder eine Barrier-Maske zum Einsatz kommen soll, die das Unternehmen bereits beim Dual-View-Display im Serieneinsatz nutzt. Die 3D-Technik erzeugt eine Tiefenwirkung, die sich zum Beispiel für die räumliche Anordnung von Menüstrukturen oder zur Priorisierung von Anzeigen nutzen lässt.

Continental

Dr. Elmar Degenhart, CEO der Continental AG berichtete auf der IAA über den „Megatrend Sicherheit“, wobei Continental im Rahmen seiner Strategie die „Vision Zero Accidents“ habe. Als Highlight zeigte das Unternehmen am Stand eine Stereokamera, die „Hindernisse sicher erkennen und deren Distanz und Größe messen“ kann, wodurch eine neue Generation von Notbremsassistenten möglich werde.

Continental zeigte nicht nur ein Headup-Display...

Continental zeigte nicht nur ein Headup-Display…Continental

Weitere Megatrends sieht Dr. Degenhart im Bereich der ressourcenschonenden Technologien, bei „erschwinglichen Fahrzeugen“ – früher hätten wir wohl (Ultra) Low-Cost-Car oder Mini-Car gesagt – im Preisband 1600 bis 9500 Euro sowie im „Megatrend Information“, wobei Continental die „Vision Always On“ fest im Blick hat. Dr. Degenhart zitierte in diesem Zusammenhang eine Studie, die ABI Research im Dezember 2010 veröffentlichte: Während 2010 nur 10% aller Fahrzeuge über eine fest verbaute Telematik-Einheit enthielten, sollen es 2016 bereits 60% sein.

...sondern auch eine Stereokamera (rechts oben), die unter anderem zur Fußgängererkennung dient.

…sondern auch eine Stereokamera (rechts oben), die unter anderem zur Fußgängererkennung dient.Continental

Als IAA-Highlight zeigte Continental einen Digitalen Schlüssel, der im Handy abgelegt ist. Es handelt sich hierbei um eine „sichere Integration des Autoschlüssels als verschlüsseltes Datenpaket im Mobiltelefon“, wobei der Fahrzeugzugang sowie die –personalisierung per NFC-Technologie (NFC: Near Field Communication) erfolgt. 

Die Elektromobilität kategorisiert der Continental-CEO als „Spezialtrend“. Dabei wies er darauf hin, dass sein Unternehmen über ein „weltweites Netzwerk aus rund 1600 Spezialisten“ verfügt. Am Stand von Conti war eine Synchronmaschine zu sehen, deren Großserienproduktion im September 2011 anlaufen sollte, um damit die Elektrofahrzeugflotte von Renault auszurüsten. Zunächst soll die jährliche Produktionskapazität 60000 Motoren pro Jahr betragen, ab 2012 dann 75000 Stück/a.

Einsatz einer Stereokamera als Fußgängerschutz

Einsatz einer Stereokamera als FußgängerschutzContinental

An seinem Stand zeigte Continental unter anderem ein automotives Head-Up-Display der zweiten Generation. Bosch entwickelt laut Franz Fehrenbach unter anderem „Head-Up-Displays, die Navigationspfeile nicht bloß auf die Windschutzscheibe projizieren, sondern virtuell auf die Fahrspur legen“. Mit hoher Wahrscheinlichkeit werden wir somit derartige Systeme auf der IAA 2013 in serienreifen Fahrzeugen sehen – und zwar wohl nicht nur vom Zulieferer Bosch.

TRW

Als Motto für ihren IAA-Auftritt wählte die TRW Automotive Holdings Corp. den Slogan „Sicherheit steht jedem zu“.

John C. Plant, CEO von TRW, will “Sicherheit weltweit für alle Autofahrer erschwinglich machen“.

John C. Plant, CEO von TRW, will “Sicherheit weltweit für alle Autofahrer erschwinglich machen“.Alfred Vollmer

John C. Plant, Chairman, President and CEO von TRW erklärte auf der Messe, dass TRW sich auf die Fahnen geschrieben hat, “Sicherheit weltweit für alle Autofahrer erschwinglich (zu) machen“. Im Mittelpunkt stehen dabei skalierbare und modulare Technologien für globale  Fahrzeugplattformen, die weltweit leicht an die individuellen Marktanforderungen angepasst werden können.

Zu den neuesten Entwicklungen zählen ein laut TRW kostengünstiges skalierbares Radarkonzept namens AC1000 zur 360-Grad-Sensierung sowie ein modulares integriertes Bremsregelsystem mit vakuumunabhängigem Bremskraftverstärker (Future Brake System – FBS). „AC1000 bietet dank der Rundumsicht zahlreiche Sicherheits- und Komfortfunktionen wie Spurwechselassistent, Toter-Winkel-Erkennung, Kreuzungsassistent, Seitenaufprallerkennung sowie Kollisionswarnung bei niedrigen Geschwindigkeiten“, erläuterte John Plant.

AC1000 nennt TRW sein neues Nahbereichsradar zur 360-Grad-Sensierung für Funktionen wie Toter-Winkel-Erkennung, Spurwechselassistent, Kreuzungs- und Parkassistent.

AC1000 nennt TRW sein neues Nahbereichsradar zur 360-Grad-Sensierung für Funktionen wie Toter-Winkel-Erkennung, Spurwechselassistent, Kreuzungs- und Parkassistent.TRW

John Plant überAC1000: „Der Sensor kann darüber hinaus auch mit dem Bremssystem und der elektrischen Lenkung integriert werden, um eine limitierte Notbremsung oder einen Stauassistenten zu ermöglichen. Fahrzeughersteller können diese Funktionen dank des skalierbaren Ansatzes je nach Fahrzeugmodell und Ausstattungsvariante anbieten, beziehungsweise nach und nach erweitern.“ Dieses System könnte 2015 in Produktion gehen.

Preh

Preh zeigte auf der IAA das Konzept einer Mittelkonsole mit einer Black-Panel-Oberfläche der dritten Generation. Unter der Oberfläche befindet sich ein Bildschirm, der verschiedene Menüs anzeigt, die ein Nutzer über einen Dreh- und Drückteller mit integriertem Touchpad anwählt: Navigation, Telefon, Multimedia und Memo-Board. In den Menü-Unterpunkten kann die Funktionsauswahl über das Touchpad erfolgen. Beispielsweise werden im Menüpunkt „Memo-Board“ im Modus „Schreiben“ alle mit einem Finger auf das Touchpad geschriebenen Schriftzeichen angezeigt. Darüber hinaus gibt es einen „Zeichnen“-Modus, in dem der Bildschirm alles anzeigt, was der Finger auf das Touchpad zeichnet.

In der Mittelkonsole befindet sich auch ein Klimabediensystem mit drei Drehstellern, bei deren Berühren ein Pop-up-Menü detaillierte Auswahlmöglichkeiten zur Klimaeinstellung bietet. Zusätzlich integrierte Preh in die Black-Panel-Oberfläche berührungsempfindliche Flächen mit Tastenfunktion und akustischem Feedback.

Michael Valentine-Urbschat, CEO Inside e-Car bei Siemens' Drive Technologies Division mit einem neuen 60-kW-Motor für den Kfz-Einsatz

Michael Valentine-Urbschat, CEO Inside e-Car bei Siemens‘ Drive Technologies Division mit einem neuen 60-kW-Motor für den Kfz-Einsatz Alfred Vollmer

Preh stellte in Frankfurt aber auch Steuergeräte der Typen CSC (Cell Supervisory Circuit) und BMU (Battery Management Unit) zur Überwachung von Temperatur und Ladezustand der Akkuzellen sowie für das Batteriemanagement in Hybrid- und Elektrofahrzeugen vor. Dabei übernimmt die BMU auch das passive Cell-Balancing, das Ladungsunterschiede der Batteriezellen ausgleicht, da bekanntlich die gleichmäßige Ladung und Entladung von Batterien deren Lebensdauer verlängert. Im Marktsegment des Batteriemanagements für E-Fahrzeuge erhielt Preh bereits einen ersten Serienauftrag.

Drahtlos laden über eine Bodenplatte

Drahtlos laden über eine BodenplatteDelphi

Viele andere

Vor den IAA-Hallen wehten Fahnen, auf die Renault „100% elektrisch wird jetzt 100% alltäglich“ schreiben ließ. Auch die anderen großen OEMs versuchten ganz klar den Eindruck zu vermitteln, dass die Elektromobiliät ein Teil des Alltags wird. Viele Zulieferer stellten auch entsprechende Lösungen für diesen Bereich aus, zumal es sogar eine eigene Halle zu diesem Thema gab.

So war der automobile Wiedereinsteiger Siemens mit seinen Elektromotoren vertreten, und Brose erläuterte Details über die Motorenkooperation mit SEW Eurodrive.

Kim Metcalf-Kupres, VP bei Johnson Controls Power Solutions: „Die Anzahl der Start-Stopp-Systeme wird von 3,5 Millionen in 2011 auf 35 Millionen in 2015 ansteigen.“

Kim Metcalf-Kupres, VP bei Johnson Controls Power Solutions: „Die Anzahl der Start-Stopp-Systeme wird von 3,5 Millionen in 2011 auf 35 Millionen in 2015 ansteigen.“Alfred Vollmer

Brose-SEW stellte darüber hinaus ein induktives Ladesystem für E-Fahrzeuge vor, bei dem die Energie über eine Distanz von bis zu 20 Zentimetern zwischen einer auf dem Boden liegenden Platte und der Fahrzeugunterseite durch ein magnetisches Feld erfolgt. Bei Annäherung an die Bodenplatte aktiviert ein E-Fahrzeug das Einspeisegerät über Nahfeld-Kommunikation, so dass dieses vom Standby-Modus in den Ladebetrieb wechselt. Ist die Batterie des Elektrofahrzeugs aufgeladen, schaltet die Einspeisung wieder in Standby-Modus. Auch Delphi zeigte ein induktives Ladeverfahren zwischen einer Bodenplatte und der Fahrzeugunterseite, während Kostal auf das induktive Laden über das Nummernschild als Schnittstelle setzt. Darüber hinaus waren natürlich an zahlreichen Ständen sehr viele Ladestecker und Ladekabel für EVs zu sehen.

Porsche zeigte auf der IAA 2011 auch diesen Nachbau des Lohner Porsche – immerhin das erste Elektroauto der Welt; ein echtes Prachtstück, das auch auf der IAA 2013 nicht fehlen sollte.

Porsche zeigte auf der IAA 2011 auch diesen Nachbau des Lohner Porsche – immerhin das erste Elektroauto der Welt; ein echtes Prachtstück, das auch auf der IAA 2013 nicht fehlen sollte.Alfred Vollmer

Bevor E-Fahrzeuge sich zum echen Mainstream-Produkt entwickeln, stehen noch diverse Übergangslösungen auf der Agenda. So sieht Johnson Controls zunächst beim Micro-Hybrid gute Geschäftsmöglichkeiten, obwohl das Unternehmen mit seinem Lithium-Ionen-Batteriesystem „noch vor 2013 in Serie“ sein will. Warum Johnson Controls gerade 100 Millionen Euro in eine neue Fabrik für Start-Stopp-Batterien investiert hat, erfahren Sie im obenstehenden Bild.

Darüber hinaus zeigten diverse Unternehmen Hardware- beziehungsweise Software-Lösungen für das Infotainment im vernetzten Fahrzeug. Harman beispielsweise stellte eine 3D-Navigationslösung aus, die zwei voreinander montierte Bildschirme in zwei Ebenen nutzt. Außerdem demonstrierte Harman zusammen mit Slacker die Nutzung von Internet-Radio im Auto über die „AHA-Plattform“.

Die IAA 2011 lockte 928.000 Besucher an. Das ist eine hohe Messlatte für die IAA 2013.

Die IAA 2011 lockte 928.000 Besucher an. Das ist eine hohe Messlatte für die IAA 2013.Alfred Vollmer

IAA 2013

Die Anbindung des Autos ans Internet und dessen sinnvolle Einbindung sowie Car-to-x-Kommunikation zeichnet sich bereits jetzt als großes Randthema für die IAA 2013 ab.