Tischtennis-Profiturniere und die Welt der Automatisierung haben unter normalen Umständen wenig Berührungspunkte. Wie kam es dazu, dass Sie heute auf der Hannover Messe gegen einen Roboter antreten?

Dimitrij Ovtacharov: Ich stamme ja aus Niedersachsen und bin in Hameln aufgewachsen, das nicht weit entfernt von Hannover liegt. Weil ich Verwandte und Freunde in Hannover habe, habe ich schon viel von der jährlich stattfindenden Messe gehört. Als Omron mich dann wegen der Forpheus-Aktion angeschrieben hat, war ich gleich neugierig. Ich fand das Unternehmen spannend. Und auch wenn ich kein ausgewiesener Freak bin, interessiere ich mich für technische Themen, wollte mir einmal ansehen, was Roboter mittlerweile leisten können. In den Tagen auf der Hannover Messe habe ich einiges in Sachen Künstliche Intelligenz dazugelernt.

Inwiefern spielt der Tischtennis-Roboter anders als zum Beispiel Timo Boll?

Dimitrij Ovtacharov: Timo Boll spielt natürlich besser als der Roboter. Was den Roboter besonders macht, ist dass er sich dem Niveau immer anpasst. Da ist es egal, ob Sie zum ersten Mal spielen, etwas besser sind oder auch schon fortgeschritten – er spielt immer Ihr Tempo mit, ist also eher ein Trainer oder Sparringspartner als ein Gegner. Was ich beeindruckend finde: Wenn ich Schläge mache, die für ihn beim ersten Mal zu schnell oder zu sehr angeschnitten sind, dann lernt er aus seinen Fehlern und wiederholt sie nicht. Beim Anpassen an sein Gegenüber und dass er Fehler nicht wiederholt, wird die Künstliche Intelligenz sehr anschaulich.

Dimitrij Ovtcharov

Aufschlag Roboter: Dimitrij Ovtcharov demonstriert auf der Hannover Messe die Lernfähigkeit des mit Künstlicher Intelligenz ausgestatteten Roboters Forpheus. Therese Meitinger

Ketzerisch gefragt: Wann, glauben Sie, kann ein smarter Roboter besser spielen als Sie?

Dimitrij Ovtacharov: Das wird noch ein weiter Weg (lacht). Ich kann mir vorstellen, dass Forpheus in absehbarer Zeit ein hohes Niveau erreicht, sodass die Masse der Spieler sich richtig gute Duelle mit ihm liefern kann. Doch gegen die absolute Weltspitze zu spielen, wird sehr, sehr mühsam. Ich betreibe den Sport mittlerweile ja seit zwanzig Jahren und habe meine Technik im Lauf der Zeit mehr und mehr perfektioniert. Das kann auch eine sehr lernfähige Maschine in absehbarer Zeit nicht nachholen. Genauso wenig glaube ich, dass es in absehbarer Zeit einen Roboter geben wird, der gegen Roger Federer im Tennis gewinnen kann. Was genau ich oder Roger Federer besser beherrschen, kann ich Ihnen gar nicht sagen. Klar spielt die Erfahrung da mit, und wenn ich ganz kurze Distanzen spiele, ist die Reichweite auch nicht gegeben. Aber das ist es nicht nur.

Würden Sie Forpheus gern als Sparringspartner mitnehmen?

Dimitrij Ovtacharov: Der ist schon toll. Theoretisch kann man damit ja sieben Tage pro Woche 24 Stunden am Tag arbeiten und viele Spielzüge auf Profi-Niveau trainieren. Wenn so ein Roboter erschwinglich wäre, dann würden sich viele Vereine einen kaufen. Ich habe gehört, dass letztes Jahr beispielsweise der beste Verein Hannovers auf der Messe war und den Roboter direkt haben wollte. Allerdings ist Forpheus ein Prototyp und auch gar nicht für die Serienreife gedacht. Er soll vielmehr greifbar machen, was Künstliche Intelligenz heute leisten kann und vielleicht in Zukunft leisten können wird.