Ottmar Flach, Inhaber der Atlantik Elektronik (rechts) im Gespräch mit elektronik industrie-Chefredakteur Siegfried W. Best: "Wir waren von Anfang an Design-In orientiert und verstehen uns heute als Trendscout und Design-In Creator".

Ottmar Flach, Inhaber der Atlantik Elektronik (rechts) im Gespräch mit elektronik industrie-Chefredakteur Siegfried W. Best: „Wir waren von Anfang an Design-In orientiert und verstehen uns heute als Trendscout und Design-In Creator“.Redaktion elektronik industrie

elektronik industrie: Was waren bei Ihrer Übernahme die ersten Linien, wie hat sich die Firma entwickelt?

Ottmar Flach: Mit den rasanten Entwicklungen im Elektronikbereich konzentrierten wir uns bereits frühzeitig auf den rasch wachsenden Halbleitermarkt. Atlantik Elektronik ist mit der jungen Elektronik-Branche von Beginn an erfolgreich gewachsen. Eine unserer ersten Distributionslinien war SMC mit UARTs, Baud Rate-Generatoren sowie CRT-Controller. Zu weiteren Linien der Anfangsjahre gehörten MITEL und SPI. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Geschäft rasch und stetig, so konnten wir im Computer- und Telekommunikationsbereich Großkunden wie z. B. Nixdorf, Siemens, Triumph-Adler oder NCR, DFG, Hagenuk, SEL und AEG gewinnen. Unser Ziel war es von Anfang an, nicht der Größte zu sein – aber einer der Professionellsten. Den starken Trend zu EMEA sind wir nicht mitgegangen, wir hielten uns konsequent an unser DACH-Konzept (D, A, CH), das später um Benelux erweitert wurde. Heute bedienen wir auch Osteuropa und die Türkei. Mit diesen Aktivitäten haben wir immer den Wünschen unserer Hersteller und Kunden entsprochen. Die unternehmerischen Ziele der Atlantik Elektronik lassen sich während der gesamten zurückliegenden Jahre prägnant zusammenfassen:

  • Technologische Trends vor Anderen erkennen.
  • Visionen als Möglichkeiten verstehen.
  • Das Mögliche im Dialog mit Herstellern/Kunden realisieren.
  • Fortschritt dynamisieren und Zukunft gestalten.

Atlantik Elektronik lebt und wächst mit seinen Partnern. Heute zählen weltweit führende High-Tech-Unternehmen zu unserem Lieferanten- und Kundenstamm und begleiten uns in vielen Fällen auch als Kooperationspartner.

elektronik industrie: Wie steht die Firma heute da?

Ottmar Flach: Seit nunmehr fast 35 Jahren bieten neue Marktsegmente und Applikationen neue Chancen. Wir nehmen diese Herausforderungen an, um erfolgreich zu sein.

Von Beginn an setzten wir auf eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit unseren Kunden. Während in den vergangenen Jahrzehnten sowohl sich ändernde Märkte als auch gesamtwirtschaftliche Schwankungen die Elektronik-Branche und deren Unternehmen vor große Herausforderungen stellte, konnten wir mit unserer klaren Ausrichtung auf die Themen der Zukunft stetig wachsen und dabei auch in Zeiten konjunktureller Schwankungen aktiv neue Technologien und Märkte erschließen. Mit der Atlantik Elektronik GmbH legten wir 1977 den Grundstein für die Atlantik Networxx AG. Die auf globale Märkte ausgerichtete Atlantik Gruppe weist einen Konzernumsatz von ca.100 Mio. Euro auf. Erfolg ist nicht die Leistung eines Einzelnen. Kreativität und Kompetenz sowie Motivation und Zuverlässigkeit sind wesentliche Eigenschaften unserer Mitarbeiter. Gemeinsam bilden wir ein Team, das sich als „Trend Scout“ der Elektronik Branche versteht und auf das ich mit Recht sehr stolz bin. Um uns heute schon zukünftige Personalressourcen zu sichern, bieten wir seit einigen Jahren duale Studiengänge an. Zusammen mit der FH Landshut werden unsere dualen Studenten in einem Theorie-Praxis-Programm, in der Studienrichtung Wirtschaftsingenieurwesen für Elektrotechnik, auf die praktische Tätigkeit bei der Atlantik Elektronik GmbH vorbereitet.

elektronik industrie: Sie bezeichnen sich heute als Trendscout und Design-In Creator in der Vermarktung globaler Technologien und Experten im Design-In innovativer Halbleiterprodukte. Können Sie das kurz erläutern?

Ottmar Flach: Wir waren von Anfang an Design-In orientiert. Die neue Ausrichtung hat sich ab Mitte der 90er Jahre bereits abgezeichnet. Wir teilen unsere Kosten in Bauteile- und Entwicklungskosten auf. Unsere Überlegungen beginnen hierbei schon beim IC. Wir erfragen in jeweiligen Core-Team-Gesprächen, was mit diesem IC alles getan werden kann und welche Marktsegmente, Applikationen, Firmen und Personen angesprochen werden können. Um diesen IC, fast 100% Standard-ICs, schnüren wir dann ein Bundlingkonzept bzw. ein ganzes Lösungskonzept, das wir beim Kunden vorstellen. Entweder benötigt der Kunde aus dem Bundle nur den IC oder beauftragt uns mit der Unterstützung der ganzen Wertschöpfungskette, vom IC über ein Modul bis hin zum fertigen Produkt. Mit unserer Ausrichtung können wird die technische Konzeption, Projektierung, kundenspezifische Entwicklung und Integration sowie die Fertigung aus einer Hand anbieten. Wir verstehen uns als Schrittmacher und als Brücke sowie Informationsdrehscheibe zwischen Hersteller und Kunden. Dadurch ermöglichen wir unseren Kunden eine erhöhte Flexibilität, ein verbessertes „Time-to-Market“, den Zugang zu Ressourcen mit breitem Know-how sowie den Zugang zu einem umfangreichen Netzwerk, bestehend aus Herstellern, Entwicklungs- und Fertigungspartnern.

Wir verbreitern somit signifikant unsere Zielmärkte. Je nach Know-how des Kunden, geplanter Roadmap, Ressourcenlage und Volumen des Projektes, legen wir gemeinsam mit dem Kunden die optimale Vorgehensweise fest. Von der Belieferung mit Produkten für die komplette Eigenentwicklung durch den Kunden, dem Einsatz von Modulen für die schnelle Umsetzung einer kundenspezifischen Applikation oder der Auslieferung einer End-to-End-Lösung. „Time to technology“ ist unsere Kernkompetenz, um mit innovativen technischen Trends, neue technische Anforderungen zum richtigen Zeitpunkt zu adressieren. Mit „Time to market optimization“ ermöglichen wir jedem Kunden auf globaler Basis zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Technologie einen erfolgreichen Markteintritt. Mit „Reduction of total cost of ownership“ stellt Atlantik Elektronik sicher, dass für die Kunden der Return of Investment optimiert wird.

elektronik industrie: Welche Kompetenzfelder bedienen Sie heute?

Ottmar Flach: Als Gesamtlösungspartner bieten wir die technische Konzeptionierung und unterstützen die gesamte Value Chain, vom IC bis zum ODM. Dadurch garantieren wir erhöhte Flexibilität und ein verbessertes „Time-to-Market“. Wir unterstützen unsere Kunden durch ein Know-how Leadership in den Kompetenzfeldern:

  • Connectivity (Home Automation Systems, Gebäudeüberwachung und andere).
  • Embedded Mikrocontroller (z.B. Hard-/Softwareentwicklung und Logistik in Fernost – u.a Philips Senseo Kaffeemaschine).
  • Infotainment (Navigationssysteme und andere).
  • Wireless (Freisprecheinrichtungen für Autos und andere).
  • System Solutions (Telematik-, Telemetrielösungen – basierend auf GSM, GSM-R, UMTS und GPS; m2m; Videolösungen).

Der besondere Mehrwert für unsere Kunden, die Unterteilung in Competence Center, bietet ein sofort abrufbares Know-how verfügbarer Systemlösungen sowie kundenspezifische Anpassungen und Entwicklungen neuer Feature – alles aus einer Hand. 

elektronik industrie: Sie waren maßgeblich am Erfolg von Bluetooth in Deutschland beteiligt, wie konnten Sie das erreichen?

Ottmar Flach: Bereits vor mehr als 10 Jahren haben wir uns als einer der Ersten auf Bluetooth, eine damals noch unbekannte drahtlose Technologie, fokussiert. Durch unser konzentriertes Vorgehen nach Marktsegmenten, haben wir sehr frühzeitig auf den Automotive-Bereich gesetzt. Zunächst wurde diese neue Technologie nur in den Premiumfahrzeugen erfolgreich eingesetzt, kurze Zeit später auch in den anderen Automobilklassen. Wir vertreiben nicht nur Bluetooth Chips, sondern bieten ein komplettes Bluetooth-Portfolio. Dieses bieten wir als maßgeschneiderte Bluetooth-Lösung unseren Kunden in Form von Seminaren und Workshops, mit Produkt Bundlings, Design-In Support sowie Engineering-Dienstleistungen an.

Heute sind wir im Bereich Bluetooth mit Cambridge Silicon Radio (CSR) der führende Anbieter in Mitteleuropa. Die Top-Player der Automobilindustrie zählen zu unserem Kundenstamm. Ziemlich genau 10 Jahre nachdem die ersten Entwicklungen begannen, wird jetzt Bluetooth Low Energy Wirklichkeit. Mit den Chips vom Bluetooth Weltmarktführer CSR können wir gleich zwei Bluetooth Low Energy Single Mode IC vorstellen, die dem Standard gemäß der Bluetooth Spezifikation 4.0 entsprechen. Bluetooth Low Energy – oftmals auch kurz mit BTLE oder BLE bezeichnet – adressiert Anwendungen, bei denen ein geringer Energieverbrauch gepaart mit relativ niedrigen Durchsatzraten gefragt ist. Typische Einsatzbereiche sind Keyboards oder Fernbedienungen, aber auch Sensoren z.B. im Medizin-, Sport- und Fitnessbereich. Mit Blick auf unsere Erfolgsstory  besonders in der Vermarktung der Bluetooth Technologie kann ich sagen, dass wir in all den Jahren Vieles richtig gemacht haben. Ein Gespür für die Entwicklungen der Zukunft, kombiniert mit weitsichtigem und oft auch mutigem Handeln hat uns immer einen Schritt weiter als den Wettbewerb gebracht.

elektronik industrie: Neu bei Ihnen sind Aktivitäten rund um die Leuchtdiode?

Ottmar Flach: Unsere neue Aktivität ist die Zusammenarbeit mit Optogan, einem führenden Hersteller von weißen LEDs, Chips und Modulen (COBs). Für uns bedeutet die Zusammenarbeit mit Optogan einen weiteren Schritt in Richtung innovative, zukunftssichere Technologievermarktung. Optogan ist für uns der ideale Partner, um auf Kunden zuzugehen, die Bedarf an innovativen LED-Lösungen haben und gleichzeitig mit ihrem Produkt schnell am Markt sein möchten. Ziel unserer Zusammenarbeit ist die Vermarktung energieeffizienter Lighting-Lösungen und neuester LED-Anwendungen „Made in Germany“. Zielmärkte sind insbesondere die Innen- und Außenbeleuchtung in öffentlichen und privaten Gebäuden, Büros sowie auf Straßen und Plätzen.

Als innovatives und kreatives Unternehmen orientieren und beteiligen wir uns an nachhaltigen Technologieentwicklungen. Unsere Erfahrung und Know-how im Bereich Elektronik, gebündelt mit dem Expertenwissen von Optogan, bieten die optimale Basis für die Entwicklung kundenorientierter Lösungen und machen uns zu einem Kompetenzzentrum für neueste LED-Lichtlösungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Vertrieb von weißen LEDs, Chips und Zusatzkomponenten wie beispielsweise Treiber-ICs. Wir bieten nicht nur Komponenten und Applikationsunterstützung, sondern komplette LED-Konzepte, inklusive Auslegung, Dimensionierung, Lichtprogrammen bis hin zur Unterstützung bei Verordnungen. Der Kunde findet bei uns die optimale, komplette LED-Beleuchtungslösung.