| von Neumayer

Auf der Electronica 2012 findet der erste Obsolescence Day der COG Deutschland statt.

Auf der Electronica 2012 findet der erste Obsolescence Day der COG Deutschland statt.COG Deutschland

Für Hersteller langlebiger Wirtschaftsgüter, allen voran Unternehmen aus den Bereichen Militär-, Bahn-, Kraftwerk-, Automatisierung- und Medizintechnik, wird durch abgekündigte Komponenten sowohl die Produktentwicklung als auch die Kostenkalkulation immer häufiger zum Drahtseilakt.

Die 2004 gegründete Non-Profit-Organisation COG Deutschland mit ihren inzwischen fast 90 Mitgliedern hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, von der Obsolescence-Problematik betroffenen Unternehmen eine herstellerunabhängige Diskussionsplattform zu bieten, Erkenntnisse über Verfahren und Lösungen zu teilen und gemeinsam die Entwicklung effizienter Obsolescence-Strategien voranzutreiben. Wie geht man als betroffenes Unternehmen mit dieser prekären Situation am besten um? Welche präventiven Maßnahmen bieten den besten Schutz vor möglicherweise teuren Spätfolgen? Was tun, wenn Komponenten eines Produktes oder Systems plötzlich nicht mehr verfügbar sind? Wann lohnt die Nachfertigung von Halbleitern? Wie hoch sind die Kosten für eine etwaige Langzeitlagerung? Alles Fragen, die in der Organisation besprochen werden.

Ulrich Ermel,Vorstandsvorsitzender der COG (Component Obsolescence Group) Deutschland e.V zur Obsolescence-Thematik:

Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender der COG Deutschland e.V.

Ulrich Ermel, Vorstandsvorsitzender der COG Deutschland e.V.TQ-Systems

elektronik industrie: Welche Bedeutung hat die Obsolescence-Thematik?

Ulrich Ermel: Das Obsolescence-Thema hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung  gewonnen. Allein in Deutschland bewegen sich die durch abgekündigte, auf dem regulären Markt nicht mehr erhältliche Bauteile verursachten Kosten inzwischen im dreistelligen Millionenbereich. Schäden, verursacht durch immer häufiger auf dem Markt angebotenen gefälschten Bauteile, sind hierbei noch gar nicht mitgerechnet.

elektronik industrie: Wie lassen sich Auswirkungen und Kosten von Obsolescencen minimieren?

Ulrich Ermel: Obsolescencen lassen sich zwar nicht 100-prozentig vermeiden, ihre Auswirkungen und Kosten können jedoch durch vorausschauende Planung und ein proaktives Management minimiert werden. Man sollte bereits in der Evaluierungsphase, also lange bevor ein Produkt final qualifiziert wird, mit dem Obsolescence-Prozess beginnen. Wer sich konsequent und von Anfang an mit der voraussichtlichen Verfügbarkeitsdauer der benötigten Komponenten und möglichen Alternativen auseinander setzt, kann mitunter sehr viel Geld sparen. Nicht nur der nachträgliche Austausch einzelner Komponenten oder komplette Redesigns sind mit hohen Kostenrisiken verbunden. Im Extremfall kann durch den Austausch eine erneute Qualifikation der gesamten Applikation notwendig werden.

Deshalb gewinnt das Obsolescence-Management auch immer mehr an Bedeutung. Ein wirklich wirksames Obsolescence-Management ist zwar sehr komplex, da die gesamte interne und externe Prozesskette berücksichtigt werden muss. Es sollte aber als Versicherung gegen Probleme gesehen werden, deren Kosten völlig unerheblich sind im Vergleich zu den Kosten, die zum Beispiel entstehen, wenn eine Produktionsstraße wegen des Ausfalls einer Steuerungsanlage zum Stillstand kommt.

elektronik industrie: Was also tun?

Ulrich Ermel: Ein wichtiger erster Schritt im Obsolescence-Management ist die Durchsicht und Bewertung der Stücklisten auf möglicherweise obsoleszenz-gefährdete Bauteile. Diese werden dann herausgefiltert und in bestimmten, festgelegten Zyklen überwacht. Wie oft die einzelnen Komponenten neu bewertet werden müssen, hängt unter anderem von der Art der Komponenten ab, aber 100-prozentige Sicherheit wird es, wie gesagt, wohl nie geben. In manchen Fällen empfiehlt es sich frühzeitig über eine Langzeitlagerung von Komponenten nachzudenken.

elektronik industrie: Welche Idee steckt hinter dem Obsolescence Day auf der Electroncia 2012?

Ulrich Ermel: Ziel ist es, Anwender, Bauteilehersteller und Distributoren für dieses brisante Thema noch stärker zu sensibilisieren und gleichzeitig konkrete  Möglichkeiten der Risikominimierung vorzustellen. Mit dem Obsolescence Day bietet die COG Deutschland auch Nichtmitgliedern des Verbandes die seltene Chance, sich an einem einzigen Tag und an einem Ort umfassend über die verschiedenen Facetten der Obsolescence-Thematik zu informieren. 

1. Obsolescence Day der COG Deutschland

Wer sich über die vielfältigen von Verbandsmitgliedern genutzten oder selbst angebotenen Möglichkeiten der Prävention und Risikominimierung informieren will, hat während des 1. Obsolescence Day der COG Deutschland am 14. November auf der Electronica 2012 bei folgenden Firmen Gelegenheit dazu:

  • Beim EMS-Dienstleister BMK Group (Halle B1, Stand 218) besteht die Möglichkeit, Produkte anhand eines speziellen Fragebogens hinsichtlich möglicher Obsolescence-Risiken überprüfen zu lassen.
  • BuS Elektronik (Halle B1, Stand 351) arbeitet seit vielen Jahren permanent an der Optimierung von Obsolescence-Strategien.
  • Cicor Electronic Solution (Halle A2, Stand 207) zeigt anhand von konkreten Beispielen, wie ganzheitliches Obsolescence-Management zu optimierten zu und verbesserten Produkten führen kann.
  • e2v technologies (Halle A5, Stand 181) hat mit SLiM ein eigenes Halbleiter-Lifecycle-Management-Programm für die sichere Versorgung von Luft-, Raumfahrt und Verteidigungs-Programmen über den vollständigen System-Lebenszyklus entwickelt.
  • HTV (Halle A4, Stand 234) forscht als Testhaus und Analytikspezialist bereits mehr als ein Jahrzehnt auf dem Gebiet der „Lebenserhaltung“ von elektronischen Bauteilen und Baugruppen und bietet mittels des HTV-TAB-Verfahrens Perspektiven von bis zu 50 Jahren für die Langzeitlagerung an.
  • IHS Global (Halle A6, Stand 508) stellt die Produkte CAPS Universe und Comet anhand praktischer Beispiele vor.
  • Kamaka Electronic Bauelemente (Halle A5, Stand 166) offeriert  eine Vielzahl von Instrumenten zum Schutz vor Obsolescence. Neu ist das Anti-Counterfeiting-Programm mit Traceability der gelieferten Ware.
  • Municom (Halle A5, Stand 114) ist spezialisiert auf die Beschaffung von obsoleten und schwer am Markt erhältlichen Halbleitern.
  • RD Alpha Microelectronics (Halle A5, Stand 166) informiert über seine zumeist sehr langfristig verfügbaren analogen und analog-digitalen Bausteine.
  • Rochester Electronics (Halle A5, Stand 120) – Das von inzwischen mehr als 60 Halbleiterherstellern autorisierte Unternehmen übernimmt abgekündigte Produkte der Originalhersteller.
  • Serma (Halle A6, Stand 216) – Die Unternehmensgruppe bietet über mehrere Tochtergesellschaften verschiedene reaktive Obsolescence-Leistungen an.
  • Silica (Halle A4, Stand 175), paneuropäischer Halbleiterdistributor der Avnet Gruppe, bietet ein umfangreiches Produktportfolio im Halbleiterbereich mit entsprechendem technischem Support.
  • TQ-Systems (Halle A6, Stand 307) offeriert als EMS-Dienstleister neben Entwicklungs- und Fertigungsdienstleistungen unter anderem auch umfassendes Obsolescence-Management von der Konzeptphase über die Serienproduktion bis zur Ersatzteilversorgung an. 
  • Würth Elektronik eiSos (Halle B6, Stand 404) unterstützt unter anderem die von der COG Deutschland vorgeschlagenen SMART- PCN-Standards für die Standardisierung der Produktänderungsmitteilungen.

(ah)

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